Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Deadpool killt zum letzten Mal das Marvel-Universum.
| Erscheinungsdatum | 02.12.2025 |
| Zeichner | Dalibor Talajic |
| Autor | Cullen Bunn |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 120 |
| Stories | Deadpool Kills the Marvel Universe One Last Time (2025) 1–5 |
| Preis | 16,00€ |
Kaum eine Figur bei Marvel hat die Regeln des Superheldengenres so genüsslich missachtet wie Deadpool. Wade Wilson ist kein klassischer Retter der Welt, sondern ein wandelnder Kommentar zum Comic selbst. Frech, brutal, selbstironisch und stets mit einem Fuß jenseits der vierten Wand hat er sich seit seinem ersten Auftritt von der Randfigur zum absoluten Kultcharakter entwickelt. Deadpool weiß, dass er Teil einer Geschichte ist, und genau daraus zieht er seinen ganz eigenen Reiz.
Diese besondere Stellung hat sich in den Comics immer wieder in radikalen Experimenten entladen. Ein besonders provokantes Beispiel ist Deadpool killt das Marvel-Universum, eine Geschichte, die mit Tabus bricht und den Leser bewusst schockiert. Statt Heldentum gibt es hier Zerstörung, statt Moral eine bitterböse Abrechnung mit dem gesamten Marvel-Kosmos. Der Erfolg dieser Idee führte später zu Deadpool killt schon wieder das Marvel-Universum, das den Ansatz aufgriff, variierte und noch weiter zuspitzte.
Mit Deadpool killt zum letzten Mal das Marvel-Universum kehrt dieses Konzept nun ein weiteres Mal zurück und allein der Titel macht klar, dass hier erneut keine Gefangenen gemacht werden. Die Erwartungshaltung ist hoch, denn die Vorgänger haben gezeigt, dass diese Reihe mehr ist als bloße Gewaltfantasie. Sie spielt mit Leserwartungen, mit Comicgeschichte und mit der Frage, wie weit man eine Figur treiben kann, die ohnehin alle Grenzen ignoriert.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:
Der großmäulige Söldner hat endgültig alles verspielt. Allein, abgebrannt und innerlich leer fristet er ein trostloses Dasein, bis ein geheimnisvoller Weltenwanderer auftaucht und ihm eine Mission anbietet, die alles verändert. Mit futuristischer Technik, die ihn von Realität zu Realität schleudert, und einer Liste voller bekannter Namen sowie schräger Varianten geliebter Helden findet Wade plötzlich wieder einen Zweck. Chaos, Meta-Humor und Wahnsinn inklusive ist er zurück im Spiel und diesmal steht gleich das gesamte Multiversum auf dem Zettel.
Deadpool killt zum letzten Mal das Marvel-Universum ist in seinem Kern genauso gut und brutal wie seine Vorgänger. Der einzige Unterschied besteht diesmal darin, dass Deadpool böse Varianten von Helden aus verschiedenen Universen tötet. Eine Geschichte voller Spaß, Wendungen und vieler blutiger Begegnungen. Trotzdem lässt es mich nicht ganz los, dass es diesmal nicht ganz so spaßig ist wie in den vorherigen Comics. Eigentlich sollte das hier ein Experiment ohne Tabus sein. Diesmal ist Deadpool aber mehr der klassische Antiheld, den wir kennen, und er tötet Varianten, die wir ohnehin hassen. Das hätte kein Teil der Killt das Marvel-Universum-Reihe sein müssen, da es sich eher wie eine normale Deadpool-Storyline anfühlt.
Wenn man das jedoch außer Acht lässt, ist Deadpool killt zum letzten Mal das Marvel-Universum immer noch genau das, was wir uns als Leser erhoffen. Den überlegenen Spider-Man explodieren zu sehen oder die Bestie alias Daredevil tot am Boden liegen zu sehen, hat einfach etwas. Kreativ ist dieser Comic durch und durch und das rechne ich ihm hoch an. Das Ende ist zudem relativ offen, also bleibt abzuwarten, was hier vielleicht noch kommen mag. Auf alle Fälle ein blutiges und spaßiges Deadpool-Abenteuer, auf das sich Fans freuen können.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen von Dalibor Talajic in Deadpool killt zum letzten Mal das Marvel-Universum sind wie gewohnt voller brutaler Momente und geprägt von einem kantigen Zeichenstil, der die Gewalt und den Charakter von Deadpool gekonnt einfängt. Ich mag, wie gnadenlos Deadpool inszeniert wird. Es wird nicht auf grafische Inhalte verzichtet, die den Kern dieser Reihe ohne Einschränkungen transportieren. Hier erwarten euch wirklich starke Panels, von denen eines kreativer wirkt als das nächste. Wer kein Blut sehen kann, wird hier keinen Spaß haben. Alle anderen können bedenkenlos zugreifen.

Fazit zu Deadpool killt zum letzten Mal das Marvel-Universum:
Deadpool killt zum letzten Mal das Marvel-Universum ist ein Comic, der genau weiß, was er sein will, und sich dabei bewusst nicht jedem Anspruch beugt. Die Reihe lebt weiterhin von ihrer hemmungslosen Eskalation, vom Spiel mit bekannten Figuren und von der Lust daran, das Marvel-Universum genüsslich auseinanderzunehmen. Auch dieser Band liefert davon reichlich und beweist erneut, warum Deadpool als Figur so einzigartig funktioniert.
Gleichzeitig fühlt sich dieser Abschluss weniger radikal an als seine Vorgänger. Die Idee, böse Varianten bekannter Helden zu töten, nimmt dem Konzept etwas von seiner ursprünglichen Provokation. Statt schmerzhafter Grenzüberschreitungen bekommt man häufiger das, was man ohnehin erwartet. Das ist unterhaltsam, clever umgesetzt und handwerklich stark, aber eben nicht ganz so verstörend oder überraschend wie zuvor.
Trotzdem bleibt der Comic ein Fest für Fans der Figur. Der Humor sitzt, die Metaebenen funktionieren und die kreative Gewalt wird visuell eindrucksvoll inszeniert. Gerade in der Kombination aus Zeichnungen und Kommentaren zeigt sich erneut, wie gut Deadpool als Spiegel des Comicmediums selbst funktioniert. Man merkt, dass hier viel Spaß und Verständnis für die Figur eingeflossen sind.
Unterm Strich ist Deadpool killt zum letzten Mal das Marvel-Universum ein sehr guter Deadpool-Comic, auch wenn er sich nicht ganz so mutig anfühlt wie der Titel verspricht. Wer die Reihe kennt und liebt, wird bestens unterhalten. Wer den ganz großen Tabubruch erwartet, könnte minimal enttäuscht sein. Als blutiges, kreatives und kurzweiliges Finale funktioniert dieser Band aber ohne Zweifel und macht noch einmal deutlich, warum Deadpool sich seine Sonderstellung im Marvel-Kosmos redlich verdient hat.
