Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Doom – Herrscher der Welt Sonderband 1.
| Erscheinungsdatum | 28.10.2025 |
| Zeichner | Carlos Magno, Geoff Shaw, Pasqual Ferry |
| Autor | Derek Landy, Benjamin Percy |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 144 |
| Stories | Red Hulk 1, Doctor Strange of Asgard 1, Thunderbolts: Doomstrike 1, Doom Academy 1, Doom’s Division 1 |
| Preis | 19,00€ |
Es gibt nur wenige Figuren im Marvel Kosmos, die eine derart gewaltige Präsenz besitzen wie Victor von Doom. Seit seinem ersten Auftritt in den Seiten der Fantastic Four ist er mehr als nur ein Gegenspieler. Er ist Monarch, Wissenschaftler, Magier und Egozentriker von beinahe opernhafter Größe. Seine Regentschaft über Latveria war stets Ausdruck seines unerschütterlichen Willens, doch nun hat sich das Machtgefüge verschoben. Doom ist nicht länger nur Herrscher eines Landes, sondern Oberster Zauberer und faktischer Weltherrscher. Eine Entwicklung, die das gesamte Marvel Universum erzittern lässt.
Gerade diese neue Rolle verleiht Doom – Herrscher der Welt Sonderband 1 seine besondere Spannung. Wenn selbst Institutionen wie die Strange Academy, gegründet von keinem Geringeren als Doctor Strange, unter Dooms Schatten stehen, dann verändert das nicht nur politische, sondern auch mystische Machtverhältnisse. Junge Magier wachsen in einer Welt auf, in der der mächtigste Zauberer kein selbstloser Hüter des Gleichgewichts ist, sondern ein Mann mit klarer Vision und eiserner Hand. Welche Auswirkungen das auf ihre Ausbildung und ihr Selbstverständnis hat, deutet dieser Band bereits an.
Doch Doom herrscht nicht im luftleeren Raum. Helden wie der Red Hulk, eine unberechenbare Naturgewalt aus Wut und Militärstrategie, müssen ihren Platz in dieser neuen Ordnung finden. Gleichzeitig steht mit der Tiger Division ein internationales Superheldenteam im Fokus, das für nationale Identität und Eigenständigkeit kämpft. Wie verhält sich ein solches Team in einer Welt, die faktisch unter der Kontrolle eines einzelnen Mannes steht? Widerstand, Anpassung oder etwas dazwischen?
Was bedeutet es, wenn ausgerechnet Victor von Doom die Geschicke der Magie und der Welt lenkt? Ist seine Herrschaft Tyrannei oder eine unbequeme Form von Stabilität? Genau hier setzt die folgende Review an und taucht ein in einen Band, der weniger eine einzelne Story als vielmehr ein Statement über Macht, Kontrolle und Verantwortung im Marvel Universum darstellt.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:
Doctor Doom hat die Welt in eiserne Fesseln gelegt und seine Herrschaft scheint unumstößlich. Während Doctor Strange ins ferne Asgard flieht, um dort Schutz und vielleicht einen letzten Hoffnungsschimmer zu finden, fällt auch die Strange Academy in die kalten Hände des Despoten. Magie beugt sich nun seinem Willen, Helden werden zu Gejagten. Red Hulk schmort in Gefangenschaft, seiner Wut beraubt, als wäre selbst sie von Doom gezähmt worden. Doch im Schatten formiert sich Widerstand. Winter Soldier und Black Widow treten aus der Dunkelheit, bereit, dem selbsternannten Weltherrscher den Krieg zu erklären. Zwischen Verrat, Magie und roher Gewalt entscheidet sich, ob die Welt in ewiger Tyrannei versinkt oder ob noch ein Funke Hoffnung glimmt.
Doom – Herrscher der Welt Sonderband 1 zeigt, dass Panini hierzulande einen neuen Weg für das Crossover geht. Einen meiner Meinung nach sehr spannenden Weg. Denn diesmal bekommt nicht jedes Kapitel seinen eigenen Comic, sondern die einzelnen Serien werden in einer Reihe von Sonderbänden gemeinsam mit der Hauptgeschichte nach und nach ausgerollt. Dabei erleben wir spannende Erzählungen rund um Doctor Strange in Asgard, die neue Tiger Division unter dem Namen Doom Division und einen Bucky Barnes, der sich wieder von seiner eigenen Regierung verraten fühlt. Alles einfach nur spannende Einstiege, die Lust auf mehr machen.
Hier befindet sich allerdings auch direkt ein Schwachpunkt der Serie. Es sind eben nur Einstiege. Keine zusammenhängenden Stories, sondern eine Sammlung von Erstbänden längerer Reihen. Will man mehr verstehen, muss man die Folgebände kaufen. Mich hat das auf alle Fälle zunächst verwirrt, denn ich dachte, es sei eine Sammlung einmaliger Geschichten unter Dooms Herrschaft. Stattdessen sind es erste Issues fortlaufender Serien. Red Hulk etwa läuft ursprünglich über zehn Issues. Immerhin kommt also noch mehr, und die Storylines sind wie gesagt auch wirklich stark und zeigen die Welt unter Doom aus unterschiedlichen Perspektiven. Trotzdem ist es etwas verwirrend, wenn man sich im Vorfeld nicht genauer über die Inhalte informiert hat.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen der verschiedenen Künstler in Doom – Herrscher der Welt Sonderband 1 sind allesamt sehr unterschiedlich und voller kreativer Energie. Kein Issue wirkt wie das andere, und jedes Mal werden die einzelnen Charaktere hervorragend eingefangen. Red Hulk erscheint düster und wuchtig, während die Doom Academy vor jugendlicher Energie sprüht. Ich mag es, dass man hier ständig etwas Neues zu sehen bekommt, auch wenn das in erster Linie daran liegt, dass es sich um eine Sammlung verschiedener Reihen handelt. Dafür erwarten einen viele starke Bilder und einzigartige Panels, die es zu entdecken gilt.

Fazit zu Doom – Herrscher der Welt Sonderband 1:
Doom – Herrscher der Welt Sonderband 1 ist weniger ein klassischer Einzelband mit abgeschlossener Handlung als vielmehr ein kraftvolles Stimmungsbild einer neuen Weltordnung im Marvel Kosmos. Der Comic lebt von seiner Prämisse: Victor von Doom als oberster Zauberer und faktischer Weltherrscher. Allein diese Ausgangslage erzeugt eine dichte, unterschwellige Spannung, die sich durch sämtliche Kapitel zieht. Man spürt förmlich, dass sich die Machtachsen verschoben haben und nichts mehr so ist, wie es einmal war.
Besonders stark ist dabei die Perspektivvielfalt. Ob Doctor Strange im Exil, Red Hulk in Gefangenschaft oder die Tiger Division im Ringen um Eigenständigkeit, jede Geschichte beleuchtet einen anderen Aspekt dieser von Doom dominierten Realität. Dadurch entsteht ein facettenreiches Gesamtbild, das neugierig auf mehr macht und zeigt, wie unterschiedlich Figuren auf autoritäre Stabilität reagieren. Genau das verleiht dem Band erzählerische Tiefe.
Gleichzeitig liegt hier auch die größte Schwäche. Wer eine in sich geschlossene Story erwartet, wird möglicherweise irritiert sein. Der Band fungiert klar als Auftakt für mehrere längere Reihen. Statt abgeschlossener Erzählungen erhält man erste Kapitel, die bewusst offen enden und auf Fortsetzungen verweisen. Das kann verwirrend sein, wenn man sich dessen nicht bewusst ist. Hat man diese Erwartung jedoch angepasst, entfaltet das Konzept seinen Reiz.
Auch visuell überzeugt der Sonderband durch seine Vielfalt. Unterschiedliche Zeichenstile unterstreichen die Eigenständigkeit der jeweiligen Serien und sorgen dafür, dass keine Episode wie die andere wirkt. Die düstere Wucht von Red Hulk steht im Kontrast zur jugendlichen Energie der Doom Academy. Diese Abwechslung macht das Lesen kurzweilig und sorgt für viele eindrucksvolle Panels.
Unterm Strich ist Doom – Herrscher der Welt Sonderband 1 ein spannender, atmosphärisch dichter Auftakt, der vor allem durch seine starke Grundidee und seine Perspektivenvielfalt punktet. Wer bereit ist, sich auf ein größeres Crossover einzulassen und die Folgebände mitzunehmen, bekommt hier einen vielversprechenden Einstieg in eine Welt, die unter Dooms eiserner Hand steht und erzählerisch noch einiges bereithalten dürfte.
