Wonder Man – Der Weg zum Helden – Comic-Kritik

von Robin S.
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Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Wonder Man – Der Weg zum Helden.

Erscheinungsdatum 09.12.2025
Zeichner Andrew Currie, Todd Nauck
Autor Peter David
Format Softcover
Seitenanzahl 128
Stories Wonder Man (2006) 1-5
Preis 17,00€

Manche Marvel-Figuren stehen seit Jahrzehnten im Rampenlicht, andere bewegen sich eher am Rand des großen Superheldenzirkus. Wonder Man gehört lange Zeit zu dieser zweiten Kategorie. Und doch ist seine Geschichte tief mit dem Marvel-Universum verwoben. Simon Williams ist kein klassischer Held aus Berufung, sondern eine Figur voller Widersprüche, innerer Konflikte und überraschender Wendungen. Genau das macht ihn bis heute so spannend und hebt ihn von vielen glatt polierten Ikonen ab.

Seit seinem ersten Auftritt in den Sechzigern hat Wonder Man eine bewegte Entwicklung durchlaufen. Er war Gegner, Verbündeter, Avenger, Schauspieler und immer wieder jemand, der seinen Platz in einer Welt voller Götter, Genies und Monster suchen musste. Seine Existenz stellt Fragen nach Identität, Verantwortung und dem Preis von Macht, ohne dabei je den menschlichen Kern aus den Augen zu verlieren. Wonder Man war nie der lauteste Held, aber immer einer mit Gewicht und Geschichte.

Dass Marvel Studios nun mit einer eigenen Serie auf Disney Plus neues Licht auf die Figur wirft, kommt daher genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Interesse an Wonder Man ist größer denn je und lädt dazu ein, auch einen Blick zurück auf seine comicgewordenen Wurzeln zu werfen. Wonder Man Der Weg zum Helden bietet dafür den perfekten Einstieg. Nicht als laute Effektschau, sondern als Einladung, sich auf einen Helden einzulassen, der mehr ist als nur ein weiteres Kostüm im Marvel-Kosmos.

Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Wonder Man – Der Weg zum Helden – Comic-Kritik

Inhalt:

In einer fernen Zukunft blickt Simon Williams alias Wonder Man, inzwischen grauhaarig und vom Leben gezeichnet, auf ein entscheidendes Kapitel seiner Vergangenheit zurück. Er erinnert sich an die schicksalhafte Begegnung mit der berüchtigten Superschurkin Lady Killer und an seinen waghalsigen Entschluss, in ihr mehr zu sehen als nur eine Gegnerin. Getrieben von Hoffnung und Verantwortung wollte er sie auf einen neuen Weg führen und aus der Feindin eine Heldin machen, ein Unterfangen, das selbst für einen Avenger alles andere als sicher war. An seiner Seite standen dabei Ms. Marvel und Beast, die ihn unterstützten, zweifelten und doch gemeinsam mit ihm an die Möglichkeit von Erlösung glaubten.

Wonder Man – Der Weg zum Helden macht kein Geheimnis daraus. Seine Story ist größtenteils an den Klassiker My Fair Lady angelehnt. Das zeigt meiner Meinung nach einmal mehr die literarische Bedeutung von Comics und dass auch dieses Medium versteht, welche Einflüsse andere Erzählformen auf die eigene Geschichte haben können. Zudem ist die Story eine starke Parallele zur Origin-Story von Wonder Man selbst, der als Schurke begann, sich aber durch die Empathie der Avengers später zu einem Helden entwickeln durfte. Beide Bezüge machen den Comic zu einem bedeutungsvollen Kapitel in der Geschichte von Wonder Man. Es ist ein Zeugnis davon, wie weit der zerrissene Held gekommen ist.

Ich mochte den Comic sehr und war von der ersten bis zur letzten Seite gespannt, wie diese Storyline erzählt werden würde, auch wenn ich mir bereits dachte, wie es enden wird. Trotzdem ist es ein Wonder Man-Arc, den man definitiv gelesen haben sollte. Nicht nur als Vorbereitung für die Serie, sondern auch einfach als Fan von Superhelden-Comics. Wonder Man-Fans, die den Comic noch nicht gelesen haben, bekommen mit diesem Release endlich die Gelegenheit dazu, und die solltet ihr nicht verpassen.

Zeichnungen:

Die Zeichnungen von Andrew Currie und Todd Nauck in Wonder Man Der Weg zum Helden sind leider überhaupt nicht so gut wie die Geschichte. Wie ich es oft sage, ist Kunst rein subjektiv, und ich finde diesen Comic subjektiv richtig hässlich. Das heißt nicht, dass es keine guten Panels oder interessanten Bilder gibt, vielmehr gefallen mir die Charakterdesigns überhaupt nicht. Diese verzogenen, chadartigen und durchtriebenen Gesichtszüge sind einfach nichts für mich. Ich mag Kreativität sehr, aber sie rechtfertigt für mich keine derart seltsamen Proportionen, die mich an Dieter Der Film oder die zahlreichen Werner-Filme erinnern, die ich ebenfalls nicht schön finde. Am Ende ist es einfach nicht mein Cup of Tea, wie es scheint.

Wonder Man – Der Weg zum Helden – Comic-Kritik

Fazit zu Wonder Man – Der Weg zum Helden:

Wonder Man – Der Weg zum Helden ist ein Comic, der leise wirkt und gerade dadurch lange nachhallt. Statt auf große Action oder spektakuläre Schauwerte zu setzen, konzentriert sich die Geschichte auf innere Konflikte, moralische Grauzonen und die Frage, was einen Helden eigentlich ausmacht. Simon Williams steht hier weniger als übermächtiger Avenger im Fokus, sondern als Mensch, der zweifelt, hofft und Entscheidungen trifft, deren Konsequenzen er tragen muss. Das verleiht dem Comic eine emotionale Tiefe, die man im Superheldengenre nicht immer findet.

Besonders stark ist dabei die Parallele zwischen der Mission rund um Lady Killer und der eigenen Vergangenheit von Wonder Man. Die Geschichte spiegelt seinen eigenen Weg vom Schurken zum Helden auf eine nachvollziehbare und beinahe melancholische Weise. Unterstützt von Figuren wie Ms. Marvel und Beast entsteht ein erzählerischer Rahmen, der Vertrauen, Verantwortung und Erlösung thematisiert, ohne belehrend zu wirken. Gerade Leser, die Charakterentwicklung schätzen, werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

Auch wenn die Zeichnungen Geschmackssache sind und nicht jeder mit dem Stil warm werden dürfte, schmälert das den erzählerischen Wert des Comics nur bedingt. Die Geschichte trägt sich selbst und bleibt auch unabhängig von der visuellen Umsetzung im Gedächtnis. Wonder Man – Der Weg zum Helden ist damit kein Must Read für jeden Marvel-Fan, aber ein sehr empfehlenswerter Titel für alle, die sich für die ruhigeren, nachdenklicheren Seiten des Marvel-Universums interessieren.

Unterm Strich ist dieser Comic eine würdige und sinnvolle Ergänzung zur Figur von Wonder Man. Als Einstieg, als Rückblick oder als Vorbereitung auf die kommende Serie eignet sich der Band gleichermaßen. Wer bereit ist, sich auf einen Helden einzulassen, der nicht perfekt ist und genau daraus seine Stärke zieht, wird hier eine Geschichte finden, die mehr bietet als bloße Unterhaltung.

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