Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Die Spektakulären Spider-Men 3.
| Erscheinungsdatum | 11.11.2025 |
| Zeichner | Andrés Genolet, Emilio Laiso |
| Autor | Greg Weisman |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 112 |
| Stories | Spectacular Spider-Men (2024) 11–15 |
| Preis | 15,00€ |
Spider-Man ist seit Jahrzehnten weit mehr als nur eine Maske und ein rotes Kostüm. Mit Peter Parker begann einst eine der menschlichsten Superhelden-Geschichten der Comicwelt, geprägt von Verantwortung, Verlust und dem ständigen Balanceakt zwischen Alltag und Heldentum. Über die Jahre wurde seine Welt immer größer, komplexer und vielstimmiger, ohne dabei ihren emotionalen Kern zu verlieren. Genau diese lange gewachsene Geschichte schwingt auch heute noch mit, wenn ein neues Heft aufgeschlagen wird.
Mit Miles Morales hat sich das Spider-Man-Erbe längst weiterentwickelt. Er steht nicht nur für eine neue Generation, sondern für eine frische Perspektive auf das, was es bedeutet, Spider-Man zu sein. Seine Erfahrungen, Zweifel und Stärken unterscheiden sich von denen Peters, ergänzen sie aber zugleich auf spannende Weise. Wenn diese beiden Figuren gemeinsam im Rampenlicht stehen, prallen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander und genau daraus entsteht eine besondere Dynamik, die Fans immer wieder aufs Neue fesselt.
Die Spektakulären Spider-Men 3 greift dieses Zusammenspiel auf und erweitert es um einen neuen, geheimnisvollen Faktor. Mit Elementary wurde in den vorherigen Bänden eine Figur eingeführt, die neugierig macht und Fragen aufwirft, noch bevor man ihre Rolle wirklich greifen kann. Wer ist sie, wofür steht sie und wie fügt sie sich in das bereits dichte Netz aus Beziehungen und Konflikten ein? All das sorgt für eine spürbare Spannung, die dieses Heft bereits im Vorfeld interessant macht. Doch ob dieser Band einen gebührenden Abschluss für die Saga ist, erfährt ihr in dieser Kritik
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:
Während Peter Parker und Miles Morales gemeinsam mit der neuen Heldin Elementary ein scheinbar märchenhaftes Abenteuer bei den geheimnisvollen Feen im Central Park erleben, zieht im Hintergrund bereits ein gefährlicher Sturm auf. Zwei Versionen von Electro schmieden einen gnadenlosen Plan, der nur ein Ziel kennt: das endgültige Aus für die Spideys. Als wäre das nicht genug, geraten auch Curt Connors und sein monströses Alter Ego Lizard in das explosive Geschehen und machen aus einem magischen Ausflug einen Wettlauf ums Überleben, bei dem Freund und Feind kaum noch zu unterscheiden sind.
Spider-Men 3 knüpft inhaltlich nahtlos an die Probleme des zweiten Bands an und macht dabei leider kaum etwas anders. Auch hier wird erneut versucht, Peter Parker und Miles Morales gleichwertig in den Mittelpunkt zu stellen, diesmal eingebettet in das von mir beschriebene Abenteuer rund um Elementary, die Feen im Central Park und die eskalierenden Pläne der beiden Electros. Das klingt auf dem Papier nach einer wilden und spannenden Mischung aus Magie, Multiversumschaos und klassischen Spider-Man-Gegnern, verliert sich aber wieder in einer unnötig zerfahrenen Erzählweise. Die ständigen Zeitsprünge bleiben ein Ärgernis und reißen einen immer wieder aus der Geschichte, anstatt Spannung aufzubauen.
Positiv hervorzuheben ist jedoch das Ende: Der Abschluss ist zwar sehr offen, fühlt sich aber zumindest wie ein bewusster Schlusspunkt an und nicht einfach wie ein abgebrochener Gedanke. Das rettet den Band nicht, sorgt aber dafür, dass man das Gefühl hat, hier zumindest einen thematischen Abschluss zu bekommen. Insgesamt bleibt es bei kurzweiliger Marvel-Unterhaltung mit coolen Momenten, vor allem durch Elementary und das Zusammenspiel der beiden Spider-Men, ohne erzählerisch wirklich zu überzeugen oder sich weiterzuentwickeln.
Zeichnungen:
Bei den Zeichnungen setzt sich leider exakt der Eindruck aus dem zweiten Band fort. Der Stil ist solide, dynamisch und handwerklich völlig in Ordnung, wirkt aber erneut austauschbar und überraschend ideenlos. Weder die magischen Elemente rund um die Feen noch die Eskalation durch Electro oder Lizard werden visuell so in Szene gesetzt, dass sie im Gedächtnis bleiben.
Gerade bei einem Comic, der mit zwei Spider-Men, übernatürlichen Elementen und ikonischen Gegnern arbeitet, hätte man sich deutlich mehr Mut, Atmosphäre und visuelle Eigenständigkeit gewünscht. Stattdessen bekommt man wieder das, was man schon kennt, korrekt umgesetzt, aber ohne echten Wow-Effekt. Spider-Men 3 ist damit zeichnerisch wie inhaltlich ein Band, der niemanden wirklich enttäuscht, aber auch niemanden überrascht und vor allem eines bestätigt: Stillstand statt Weiterentwicklung.

Fazit zu Die Spektakulären Spider-Men 3:
Spider-Men 3 ist ein Comic, der vor allem eines zeigt: Die Reihe tritt weiterhin auf der Stelle. Obwohl die Zutaten stimmen und das Zusammenspiel aus Peter Parker, Miles Morales, Elementary, magischen Elementen und klassischen Schurken wie Electro und Lizard eigentlich großes Potenzial bietet, fehlt es dem Band an dem Mut, daraus mehr als routinierten Marvel-Spaß zu machen. Die Geschichte funktioniert oberflächlich, zündet aber nie wirklich, weil sie sich erneut selbst im Weg steht.
Besonders die Erzählstruktur bleibt das größte Problem. Die wiederholten Zeitsprünge wirken auch hier nicht durchdacht oder notwendig, sondern reißen den Leser immer wieder aus dem Geschehen. Statt Spannung aufzubauen, erzeugen sie Distanz zur Handlung. Das ist umso ärgerlicher, weil die Grundidee auch in diesem Band problemlos geradlinig hätte erzählt werden können und dabei vermutlich deutlich mehr Wirkung entfaltet hätte.
Positiv fällt erneut das Zusammenspiel der beiden Spider-Men auf. Peter und Miles harmonieren gut miteinander, liefern einige starke Dialoge und Momente, die Fans beider Figuren abholen dürften. Auch Elementary bleibt ein interessanter Charakter, der jedoch weiterhin eher angerissen als wirklich entwickelt wird. Das offene Ende deutet zwar an, dass hier noch mehr kommen soll, fühlt sich aber eher wie ein Versprechen für die Zukunft an, als wie eine Belohnung für den aktuellen Band.
Unterm Strich ist Spider-Men 3 ein Comic für Leser, die genau wissen, was sie bekommen wollen und mit geringen Erwartungen an Tiefgang und Innovation herangehen. Wer lockere Unterhaltung mit bekannten Figuren sucht, wird hier nicht unglücklich. Wer jedoch auf frische Ideen, mutige Entscheidungen oder eine spürbare Weiterentwicklung der Reihe hofft, wird auch mit diesem Band enttäuscht zurückbleiben.
