Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu X-Force 1.
| Erscheinungsdatum | 24.02.2026 |
| Zeichner | Marcus To |
| Autor | Geoffrey Thorne |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 120 |
| Stories | X-Force (2024) 1-5 |
| Preis | 16,00€ |
Kaum ein Team innerhalb der Mutantenwelt hat in den vergangenen Jahren eine derart ambivalente Rolle eingenommen wie X-Force. Einst als kompromisslose Einsatztruppe gegründet, entwickelte sich die Gruppe während der Krakoa-Ära zu etwas weit Größerem und zugleich Unheilvollerem. Im Schatten der scheinbar utopischen Mutantennation agierte das Team nicht als klassische Superheldeneinheit, sondern als eine Mischung aus Geheimdienst, Spezialeinsatzkommando und moralischer Grauzone. Während andere Mutanten von Frieden, Diplomatie und gesellschaftlichem Fortschritt sprachen, übernahm X-Force die Aufgaben, die niemand öffentlich aussprechen wollte. Sie waren Krakoas unsichtbare Klinge, bereit, Grenzen zu überschreiten, um eine fragile Zukunft zu schützen.
Doch mit dem Ende Krakoas veränderte sich nicht nur die politische Landschaft der Mutanten, sondern auch die Frage danach, welche Rolle ein Team wie X-Force in dieser neuen Realität überhaupt noch spielen kann. Die alten Strukturen existieren nicht mehr, Gewissheiten sind zerbrochen, und viele Figuren stehen vor der Herausforderung, ihren Platz in einer Welt zu finden, die sich erneut gegen sie richtet. Gerade in einem solchen Umfeld wirkt die Rückkehr von X-Force alles andere als zufällig.
Unter der Führung von Forge schlägt die Serie nun ein neues Kapitel auf. Dabei scheint es nicht einfach darum zu gehen, frühere Konzepte wiederzubeleben oder bekannte Muster zu wiederholen. Vielmehr deutet sich eine Organisation an, die aus den Erfahrungen der Vergangenheit entstanden ist, sich aber zugleich neu definieren muss. Was bedeutet Sicherheit ohne einen souveränen Mutantenstaat im Rücken? Wie verändert sich eine Einheit, deren Methoden und Existenzberechtigung untrennbar mit Krakoa verbunden waren? X-Force Nummer 1 steht damit vor der spannenden Aufgabe, eine traditionsreiche, kontroverse und zuletzt stark geprägte Marke in eine neue Ära zu überführen. Ob dieser Neustart überzeugt, zeigt die folgende Review.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:
Krakoa ist Vergangenheit, die Welt versinkt im Chaos und niemand Geringeres als Forge stellt sich der gewaltigen Aufgabe, die Trümmer einer zerbrochenen Realität wieder zusammenzufügen. Mit einer neuen Vision und seinem brillanten Erfindergeist formt er ein schlagkräftiges Team aus Sage, Captain Britain, Rachel Summers, Surge und dem geheimnisvollen Neuzugang Tank, um Bedrohungen entgegenzutreten, die den gesamten Planeten ins Verderben stürzen könnten.
Doch die Situation ist weitaus düsterer, als selbst sie ahnen. Für jede Mission greift Forge zu einer riskanten Maßnahme und setzt auf wechselnde Spezialagenten, deren Einsätze alles entscheiden können. In einem Kampf, in dem jeder Auftrag tödlich enden könnte, stellt sich nur eine Frage: Wer kehrt zurück und wer zahlt den höchsten Preis?
X-Force war für mich schon immer ein faszinierendes Team. Die X-Men bewegten sich zwar schon immer in moralischen Grauzonen, doch X-Force hat diese Aspekte noch deutlicher hervorgehoben und deutlich brutaler an die Oberfläche gebracht. Was man mit dem Team während der Krakoa-Ära gemacht hat, war meiner Meinung nach fantastisch.
Umso enttäuschender ist es für mich, wie wenig mir diese neue Inkarnation der Reihe gefällt. Dabei ist die Geschichte nicht einmal grundsätzlich schlecht. Vielmehr wirkt sie unnötig kompliziert, überladen und voller unausgereifter Ideen. Vieles fühlt sich zufällig an, fast so, als hätte man X-Force unbedingt neu auflegen wollen, ohne dafür ein wirklich stimmiges Konzept zu besitzen.
Das ist besonders schade, weil ich die Figuren sehr mag. Gleichzeitig gefällt mir überhaupt nicht, welche Richtung die Reihe hier einschlägt. Ich hoffe wirklich, dass sich die Serie in zukünftigen Bänden noch findet und sich von diesem überkonzeptionierten Ansatz entfernt, der sich seltsam losgelöst von der eigentlichen Mutantenrealität anfühlt und immer wieder auf konstruierten Zufällen aufbaut. Dabei steckt hier eigentlich so unglaublich viel Potenzial drin.
Zeichnungen:
Auch die Zeichnungen von Marcus To in X-Force 1 konnten mich leider nur wenig überzeugen. Nur selten gab es Panels, die ich als besonders kreativ oder visuell beeindruckend bezeichnen würde. Stattdessen wirkt vieles wie solide, aber letztlich austauschbare Standard-Comic-Kost ohne wirklich prägnante Bildmomente.
Immerhin stimmt die Action und gelegentlich gelingt es dem Comic durchaus, Emotionen innerhalb der Figuren spürbar zu machen. Diese Momente sind jedoch zu selten gestreut, um den Auftakt wirklich zu retten. Umso bedauerlicher, weil X-Force hier das Potenzial hatte, ein richtig starker Neustart zu werden und am Ende für mich doch eher zur Enttäuschung geworden ist.
Trotzdem möchte ich hoffen, dass euch der Comic mehr zusagt als mir. Vielleicht schafft es der nächste Band ja noch, vieles herumzureißen. Ich würde es mir jedenfalls wünschen.

Fazit zu X-Force 1:
X-Force 1 ist für mich ein Neustart, der trotz spannender Voraussetzungen überraschend wenig zündet. Nach der starken und moralisch komplexen Darstellung des Teams während der Krakoa-Ära hätte diese neue Ausrichtung die Chance gehabt, die Reihe konsequent weiterzuentwickeln oder ihr zumindest eine klare neue Identität zu verleihen. Stattdessen hinterlässt der Auftakt einen unausgereiften Eindruck, der sich zwischen großen Ideen, komplizierten Konzepten und einer seltsam losgelösten Handlung verliert.
Dabei mangelt es dem Comic nicht an Potenzial. Die Figurenwahl ist interessant, Forge bringt als Anführer spannende Möglichkeiten mit und grundsätzlich steckt in der Frage, wie X-Force ohne Krakoa funktionieren soll, enorm viel erzählerischer Reiz. Leider gelingt es der Ausgabe kaum, diese Ansätze in ein stimmiges Gesamtbild zu verwandeln. Zu vieles wirkt konstruiert, zufällig oder unnötig überladen, wodurch die Geschichte emotional und thematisch nie die Wucht entfaltet, die sie eigentlich haben könnte.
Auch visuell bleibt der Band hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Zeichnungen erfüllen ihren Zweck und liefern solide Actionmomente, schaffen es jedoch nur selten, wirklich herauszustechen oder bleibende Bilder zu erzeugen. Dadurch verstärkt sich der Eindruck eines Comics, der zwar funktioniert, aber kaum Begeisterung auslösen kann.
Und dennoch fällt es mir schwer, X-Force vollständig abzuschreiben. Zu sehr mag ich das Team, zu groß ist das Potenzial dieser Figuren und zu spannend bleibt die Grundidee hinter diesem Neustart. Vielleicht braucht die Serie einfach noch Zeit, um ihre Richtung zu finden und ihre vielen Konzepte besser zusammenzuführen. Dieser erste Band konnte mich zwar nicht überzeugen, aber die Hoffnung auf eine deutliche Steigerung in den kommenden Ausgaben bleibt bestehen.
