Es ist mal wieder so weit: Ich durfte mich an den nächsten Resident Evil Klon wagen. Und ja, ich weiß, dieser Begriff fällt inzwischen fast schon reflexartig, sobald irgendwo düstere Gänge, begrenzte Ressourcen und ein paar groteske Kreaturen auftauchen. Wenn man es genau nimmt, wird damit aber schnell jedem Survival Horror Spiel unterstellt, es würde dem Genreprimus von Capcom einfach nur nacheifern. Und das wird der Vielfalt des Genres eigentlich nicht gerecht. Trotzdem bleibt es ein bemerkenswerter Zufall, dass rund um den Release von Resident Evil Requiem plötzlich auffällig viele Vertreter dieses Genres erscheinen, als hätte jemand ein stilles Startsignal gegeben.
In diesem Zuge habe ich mir bereits Ebola Village angeschaut, ein Spiel, das leider genau in die negative Richtung ausschlägt. Eine Mischung aus zusammengeklauten Ideen und einer geschmacklich mehr als fragwürdigen Nutzung eines realen Krankheitsthemas, die eher für Kopfschütteln als für Gänsehaut sorgt. Genau deshalb war ich bei Mortanis Prisoners zunächst vorsichtig optimistisch. Und tatsächlich zeigt sich schnell, dass man es hier mit einem deutlich respektvolleren und insgesamt auch durchdachteren Vertreter des Genres zu tun hat. Zwar greift auch dieses Spiel auf schwere Themen zurück, doch der Umgang damit wirkt nie reißerisch oder unangemessen. Stattdessen entsteht eine bedrückende, dichte Atmosphäre, die neugierig macht und den Spieler langsam in ihren Bann zieht. Warum ich finde, dass man diesem Titel trotz seiner Schwächen durchaus eine Chance geben kann, erfahrt ihr in diesem Test auf der PlayStation 5.

Survival-Horror im Dritten Reich
Die Geschichte von Mortanis Prisoners beginnt eigentlich genau so, wie man es von einem klassischen Horror-Setting erwarten würde. Doch an dieser Stelle ziehe ich bewusst die Bremse. Nicht, weil die Handlung uninteressant wäre, ganz im Gegenteil. Ein großer Teil der Faszination entsteht gerade dadurch, dass man sich die Hintergründe selbst erschließt. Stück für Stück setzt sich das Gesamtbild zusammen und man beginnt zu verstehen, warum man sich in dieser beklemmenden Situation wiederfindet und was es mit den grotesken Fleischmonstern auf sich hat, die einem das Leben schwer machen.
Dabei macht das Spiel von Anfang an keinen Hehl daraus, dass es im Dritten Reich angesiedelt ist. Eine Entscheidung, die schnell nach hinten losgehen kann, wenn sie unüberlegt umgesetzt wird. Doch hier gelingt es den Entwicklern, die Thematik ernst zu behandeln. Sie wird weder für billige Effekte missbraucht noch auf eine unangenehme Weise ausgeschlachtet. Stattdessen dient sie als glaubwürdiger Hintergrund für eine düstere Horrorgeschichte, die sich immer wieder in den Vordergrund drängt, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Gerade diese Balance sorgt dafür, dass man dranbleibt und mehr erfahren möchte.
Wo finde ich eigentlich…
Auch spielerisch macht Mortanis Prisoners zunächst einen soliden Eindruck. Das Waffenhandling ist funktional und vermittelt ein ordentliches Gefühl, auch wenn es an manchen Stellen noch etwas Feinschliff vertragen könnte. Die Rätsel hingegen gehören zu den stärkeren Elementen des Spiels. Sie fordern den Spieler regelmäßig heraus, ohne dabei komplett unverständlich zu werden. Man merkt, dass hier zumindest ein Gespür dafür vorhanden ist, wie man Spannung durch Gameplay erzeugt.
Weniger gelungen ist hingegen das Trefferfeedback, das sich manchmal etwas schwammig anfühlt und dadurch die Wirkung von Kämpfen abschwächt. Wirklich problematisch wird es aber an einer anderen Stelle. Das Spiel lässt einen erstaunlich oft im Unklaren darüber, wohin es eigentlich als Nächstes gehen soll. Zwar gibt es eine Karte und auch wichtige Objekte werden grundsätzlich hervorgehoben, doch deren Platzierung wirkt häufig zufällig und teilweise unnötig versteckt. Es entsteht der Eindruck, als würde man weniger durch logisches Erkunden vorankommen, sondern eher durch Zufall.
Ein konkretes Beispiel dafür gab es bereits zu Beginn: Eine unscheinbare Kiste, die man verschieben musste, um weiterzukommen. Ich bin mehrfach daran vorbeigelaufen, ohne zu erkennen, dass sie überhaupt relevant ist. Erst nach längerem Herumprobieren wurde klar, was zu tun war. In solchen Momenten kippt die Spannung schnell in Frust, und man steht kurz davor, sich externe Hilfe zu suchen. Hier zeigt sich deutlich, dass im Bereich Leveldesign noch Luft nach oben ist. Mit etwas klarerer Führung und besserer visueller Kommunikation hätte man viele dieser Momente vermeiden können.

Ein kurzes Vergnügen
Auch beim Umfang sollte man keine falschen Erwartungen haben. Mortanis Prisoners ist ein vergleichsweise kurzes Erlebnis. Ich selbst habe, bedingt durch die bereits erwähnten Orientierungsprobleme, rund zweieinhalb Stunden gebraucht. Wer gezielter vorgeht oder bereits weiß, worauf zu achten ist, kann die Spielzeit vermutlich noch einmal deutlich drücken. Eine feste Angabe lässt sich daher schwer machen, doch eines ist sicher: Es handelt sich hier nicht um ein langes Abenteuer.
Ist das ein Problem? Überraschenderweise nicht unbedingt. Denn gerade die kompakte Länge sorgt dafür, dass sich die Schwächen nicht zu stark auswirken. Wäre das Spiel deutlich länger, würden sich die frustrierenden Momente vermutlich stärker summieren und den Gesamteindruck deutlich trüben. So bleibt es ein kurzes, aber durchaus intensives Erlebnis, das vor allem durch seine Atmosphäre und sein Setting punktet.
Für einen Preis von 19,99 € im PlayStation Store bekommt man hier zwar kein umfangreiches Horror-Epos, aber ein Spiel, das zumindest in Ansätzen zeigt, was möglich wäre. Wer ein Faible für Survival Horror hat und bereit ist, über kleinere Schwächen hinwegzusehen, kann hier durchaus einen Blick riskieren, besonders dann, wenn der Titel einmal im Angebot landen sollte.
Fazit zu Mortanis Prisoners:
Unterm Strich ist Mortanis Prisoners ein Spiel, das sich irgendwo zwischen ehrgeizigem Horrorprojekt und unfertigem Geheimtipp einordnet. Es bringt viele der richtigen Ansätze mit, stolpert aber immer wieder über seine eigenen Schwächen. Besonders positiv bleibt dabei die dichte Atmosphäre im Gedächtnis, die es schafft, den Spieler konstant unter Spannung zu halten. Auch der respektvolle Umgang mit den ernsteren Themen hebt das Spiel angenehm von manch anderem Genrevertreter ab und sorgt dafür, dass sich die Geschichte trotz ihrer Zurückhaltung entfalten kann.
Gleichzeitig wird aber auch schnell deutlich, dass dem Spiel an einigen Stellen noch der letzte Feinschliff fehlt. Vor allem das Leveldesign erweist sich als größte Hürde. Orientierungslosigkeit entsteht hier nicht aus gewollter Verunsicherung, sondern oft schlicht aus unklarer Struktur und ungünstig platzierter Interaktionen. Das kann den Spielfluss spürbar ausbremsen und sorgt immer wieder für Momente, in denen Frust die eigentlich gelungene Atmosphäre überlagert.
Auch spielerisch bewegt sich Mortanis Prisoners auf einem soliden, aber selten herausragenden Niveau. Die Rätsel wissen zu fordern und tragen ihren Teil zur Spannung bei, während das Kampfsystem funktional bleibt, ohne wirklich zu glänzen. Es ist ein Spiel, das vieles ordentlich macht, aber nur selten den Mut oder die Präzision zeigt, um wirklich herauszustechen.
Interessanterweise spielt die kurze Spielzeit dem Titel dabei sogar in die Karten. Was bei einem längeren Abenteuer möglicherweise stärker ins Gewicht gefallen wäre, bleibt hier überschaubar und sorgt dafür, dass der Gesamteindruck nicht kippt. Stattdessen erhält man ein kompaktes Horror-Erlebnis, das seine Stärken konzentriert ausspielen kann, ohne sich zu sehr zu verzetteln.
Am Ende ist Mortanis Prisoners kein Muss für jeden Horror-Fan, aber ein durchaus interessanter Titel für alle, die dem Genre gerne auch abseits der großen Namen eine Chance geben. Wer bereit ist, kleinere Schwächen in Kauf zu nehmen und sich auf die Atmosphäre einzulassen, kann hier ein kurzes, aber stellenweise intensives Erlebnis finden, das zumindest erahnen lässt, welches Potenzial in diesem Projekt steckt.
Mortanis Prisoners ist erhältlich für Xbox Series Konsolen, PlayStation 5 und PC.
Der Test basiert auf einem Review-Code für Ebola Village auf der PlayStation 5, der uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.
