Ebola Village im Test – Wenn ein Resident Evil Klon zum Fremdscham wird

von Robin S.
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Es ist nie etwas Schlechtes, wenn sich ein Entwickler andere Spiele zum Vorbild nimmt. Nicht umsonst gibt es Ausdrücke wie Roguelike oder Souls-like. Meistens fängt es mit einer guten Idee an, die dann andere Entwickler aufgreifen und mit ihren eigenen Ansätzen neu gestalten oder erweitern können. Gerade erst habe ich Code Vein 2 und Nioh 3 gespielt, die beide kompetent das nehmen, was die Souls-Spiele erschaffen haben, und es sinnvoll weiterdenken. Auch Spiele, die einfach noch einmal dasselbe Konzept nehmen und in ein anderes Setting verfrachten, können gut sein, vor allem dann, wenn man sich bewusst gemacht hat, was das Original ausmacht.

Und dann gibt es Spiele wie Ebola Village. Spiele, die einfach nur ihr Vorbild kopieren und statt eines kompetenten Ergebnisses am Ende nur Schrott abliefern. Okay, vielleicht ist das etwas vorgegriffen. Es soll euch aber deutlich machen, dass wir an diesen Klon nicht mit Samthandschuhen herangehen werden. Nicht wegen seiner Vorgeschichte, sondern weil man dem Spiel anmerkt, dass es nicht mit Liebe gemacht wurde. Es ist ein Projekt, das trotz seiner Schwächen ein paar gute Elemente bietet, in allem anderen aber komplett scheitert. Welche Aspekte wir damit meinen und warum ihr einen großen Bogen um das Spiel machen solltet, erfahrt ihr in dieser Review zu Ebola Village.

Ebola Village im Test - Wenn ein Resident Evil Klon zum Fremdscham wird

Schlecht kopiert ist wohl besser als gar nicht entwickelt

Getrieben von einem verstörenden Fernsehbericht über eine mysteriöse biologische Bedrohung kehrt Maria in ein abgelegenes Dorf zurück, das sie eigentlich hinter sich gelassen hatte. Was zunächst wie eine persönliche Reise wirkt, kippt schon nach kurzer Zeit in blanken Horror, denn hinter der scheinbaren Ruhe lauern unaussprechliche Geheimnisse. Mit jedem Schritt durch die verlassenen Straßen und jedem flüsternden Echo wächst die Gewissheit, dass in Ebola Village etwas grundlegend falsch ist und Maria längst Teil eines Albtraums geworden ist, aus dem es kein einfaches Entkommen mehr gibt.

Ebola Village hat, wie sein Vorbild, keine sonderlich tiefgreifende Geschichte, oder sagen wir besser, wie die ersten Teile seines Vorbilds. Es geht im Grunde nur um Maria, die nach Hause zurückkehrt, um während eines Ausbruchs ihre Familie zu suchen. Das ist schon etwas seltsam, vor allem weil die Story so stark herumspringt, dass man kaum nachvollziehen kann, was passiert und warum es passiert. Alles fühlt sich recht wahllos an. Man könnte fast meinen, die Geschichte sei womöglich einer KI entsprungen, auch wenn wir den Entwicklern das nicht direkt vorwerfen möchte.

Was wir den Entwicklern allerdings vorwerfen möchten, ist das schlechte Kopieren von Resident Evil. Die Anleihen beschränken sich nicht nur auf die Biowaffen-Bedrohung oder das namensgebende Village, sondern ziehen sich durch das komplette Survival-Horror-Gameplay und alles, was damit zusammenhängt. Es fühlt sich an wie eine Mischung aus Resident Evil 2, kombiniert mit dem Setting von Resident Evil 4 und der Perspektive der neueren Teile wie Resident Evil Village. Wir schießen auf Gegner, sammeln Objekte und lösen Rätsel. Dabei macht sich das Spiel nie die Mühe, uns zu erklären, wohin wir eigentlich müssen. Manchmal kann so etwas gut funktionieren, hier ist es einfach nur verwirrend und man weiß nie wirklich, wo es weitergeht. Auch das Finden von Objekten wirkt oft völlig zufällig. Und dann sind da noch die Rätsel. Oh mein Gott. Die nicht existenten Rätsel, die im Grunde nur daraus bestehen, Dinge durch reinen Zufall herauszufinden.

Das Schlimme an alldem ist, dass das Spiel eigentlich ganz coole Ideen hat, eine interessante Atmosphäre bietet und vor allem mit Resident Evil ein richtig gutes Vorbild besitzt. Hätte man diese Stärken konsequent ausgespielt, hätte daraus etwas wirklich Gutes werden können. Stattdessen ist es ein sehr billig wirkender Klon, der versucht, alles nachzumachen, und dabei an allem scheitert. Nichts fühlt sich gut an, weder die Bewegung durch die Welt, noch die Rätsel oder das Gunplay. Hier wollte man zu viel und hat am Ende viel zu wenig geliefert.

Ebola Village im Test - Wenn ein Resident Evil Klon zum Fremdscham wird

Übersetzungen à la ChatGPT

Gehen wir noch einmal auf einen Punkt vom Anfang der Review zurück. Möglicherweise hat man beim Schreiben der Story auf generative KI zurückgegriffen, vielleicht auch bei anderen Elementen. Das wissen wir nicht und wollen wir den Entwicklern auch nicht unterstellen. Wobei wir uns jedoch sehr sicher sind, ist, dass die Übersetzungen definitiv mit KI erstellt wurden. Wählt man Deutsch aus, bekommt man Texte präsentiert, die teilweise überhaupt keinen Sinn ergeben. Das beginnt bereits im Menü, in dem Unterpunkte mit derart konfusen Begriffen übersetzt sind, dass ich eher das Gefühl habe, mich in einer Werkstatt zu befinden als in einem Videospiel. Die Synchronisation ist ausschließlich auf Russisch. Eine Umschaltung auf Englisch ist nicht möglich. Immerhin ist die englische Textfassung etwas besser formuliert, was darauf hindeutet, dass hier zumindest teilweise noch manuell übersetzt wurde.

Was jedoch deutlich schwerer wiegt als die holprigen Übersetzungen, ist die thematische Entscheidung des Spiels. Ebola Village nutzt mit Ebola eine reale, tödliche Krankheit als zentrales Horror-Element. Während etablierte Vertreter des Genres bewusst auf fiktive Viren und Biowaffen setzen, um eine gewisse Distanz zur Realität zu wahren, geht dieses Spiel den entgegengesetzten Weg. Das wirkt nicht mutig oder besonders authentisch, sondern schlicht geschmacklos.

Anstatt dem Horror mehr Gewicht zu verleihen, sorgt die Wahl einer real existierenden Krankheit eher für ein unangenehmes Gefühl. Es entsteht der Eindruck, dass hier bewusst auf einen provokanten Namen gesetzt wurde, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, ohne sich ernsthaft mit der Tragweite des Themas auseinanderzusetzen. Gerade weil das Spiel inhaltlich und spielerisch so wenig Substanz bietet, fühlt sich die Nutzung von Ebola wie ein billiger Effekt an, der weder zur Atmosphäre beiträgt noch dem Spiel eine eigene Identität verleiht.

Hier hätte man ohne Probleme eine fiktive Krankheit oder ein erfundenes Virus wählen können. Das hätte dem Spiel nicht geschadet, im Gegenteil. Es hätte sogar dabei geholfen, den Horror glaubwürdiger und weniger unangenehm wirken zu lassen. So bleibt am Ende erneut das Gefühl, dass Ebola Village lieber kopiert und provoziert, als eigene, durchdachte Ideen zu entwickeln.

Ebola Village im Test - Wenn ein Resident Evil Klon zum Fremdscham wird

Fazit zum Ebola Village:

Ebola Village ist ein Paradebeispiel dafür, wie man ein starkes Vorbild haben und trotzdem fast alles falsch machen kann. Trotz einzelner guter Ansätze wie der grundsätzlich stimmigen Atmosphäre oder einiger interessanter Ideen scheitert das Spiel an seiner eigenen Umsetzung. Die wirre Story, das orientierungslose Gameplay, die belanglosen Rätsel und das schwache Gunplay sorgen dafür, dass sich zu keiner Zeit wirklicher Spielspaß einstellt. Statt Spannung und Beklemmung bleibt vor allem Frust zurück.

Besonders bitter ist dabei, dass der Vergleich mit Resident Evil nicht nur naheliegt, sondern vom Spiel selbst regelrecht provoziert wird. Doch wo das Vorbild durchdachtes Design, klare Strukturen und eine dichte Inszenierung bietet, liefert Ebola Village lediglich eine lieblose Kopie ohne eigenes Profil. Die mangelhaften Übersetzungen und die geschmacklich fragwürdige Wahl einer realen Krankheit als zentrales Thema verstärken den negativen Gesamteindruck zusätzlich.

Am Ende bleibt ein Spiel, das mehr verspricht, als es jemals einlösen kann. Wer auf der Suche nach gutem Survival Horror ist, findet zahlreiche bessere Alternativen. Um Ebola Village sollte man hingegen einen großen Bogen machen.

Ebola Village ist erhältlich für PlayStation 4, PlayStation 5 und PC.

Der Test basiert auf einem Review-Code für Ebola Village auf der PlayStation 5, der uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

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[…] Resident Evil ein Name, der bei vielen Menschen unterschiedliche Gefühle weckt. Es ist eine langlebige japanische Survival Horror Reihe, die ihren Anfang 1996 als Biohazard auf der ersten PlayStation hatte. Wir spielten Soldaten, die ein merkwürdiges Haus untersuchen, in dem die unterschiedlichsten Biowaffen frei herumliefen. Mit anderen Worten, es gab viele Zombies abzuballern, man musste aber immer auf seine Munition achten und dabei auch noch clevere Rätsel lösen. Es war also alles dabei und gruselig konnte es ebenfalls sein. […]

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