Uncanny X-Men 2 – Comic-Kritik

von Robin S.
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Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Uncanny X-Men 2.

Erscheinungsdatum 04.11.2025
Zeichner Andrei Bressan, David Marquez
Autor Gail Simone
Format Softcover
Seitenanzahl 160
Stories Uncanny X-Men (2024) 9-16
Preis 20,00€

Seit jeher erzählen die X-Men Geschichten über Angst vor dem Fremden, über gesellschaftliche Ausgrenzung und über den schwierigen Balanceakt zwischen Anpassung und Widerstand. Ihr Mythos speist sich nicht allein aus Superkräften, sondern aus der Frage, wie eine Minderheit in einer Welt bestehen kann, die sie gleichzeitig braucht und verachtet. In Uncanny X-Men ging es deshalb nie nur um Kämpfe gegen Roboter oder Superschurken, sondern immer auch um Identität, Verantwortung und den Preis von Sichtbarkeit.

Gerade nach dem Ende von Krakoa ist diese Thematik aktueller denn je. Die schützende Utopie ist gefallen, und mit ihr die Illusion, man könne sich dauerhaft von einer feindlich gesinnten Gesellschaft abkoppeln. Statt Rückzug steht nun Konfrontation im Raum. Eine neue Generation von Mutanten wächst in einer Welt auf, die aus der Geschichte nichts gelernt hat. Die Frage ist nicht mehr, ob sie kämpfen müssen, sondern wann und unter welchen Bedingungen.

Vor diesem Hintergrund setzt Uncanny X-Men 2 an. Der Band knüpft an die Ereignisse des Vorgängers an, ohne sich in bloßer Wiederholung zu verlieren. Stattdessen rückt er stärker ins Zentrum, was die X-Men seit Jahrzehnten relevant macht: junge Menschen, die mit Kräften und Erwartungen überfordert sind, Mentoren, die selbst noch mit alten Wunden ringen, und eine Gesellschaft, die lieber kontrolliert als versteht. Genau aus dieser Mischung entsteht eine Geschichte, die mehr sein will als reine Superheldenunterhaltung.

Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Uncanny X-Men 2 – Comic-Kritik

Inhalt:

Die sogenannten Outliers stehen vor ihrer ersten echten Bewährungsprobe. Von ihren Mentoren abgeschnitten, geraten die unerfahrenen Schützlinge der X-Men mitten in eine eskalierende Situation und müssen sich unerbittlichen Sentinel Drohnen stellen. Ohne Anleitung, ohne Rückversicherung, nur mit ihren kaum kontrollierten Kräften. Was als Einsatz beginnt, wird schnell zur Feuertaufe, bei der nicht nur ihre Fähigkeiten, sondern auch ihr Zusammenhalt auf dem Prüfstand stehen.

Parallel dazu holt Gambit seine Vergangenheit ein. Eine alte Schuld fordert ihren Preis und zwingt ihn zu riskanten Entscheidungen. Es geht um Geld, um Ehre und im schlimmsten Fall um sein eigenes Leben. Diese Nebenhandlung verleiht dem Band eine zusätzliche Spannungsebene und zeigt, dass auch erfahrene X-Men nie frei von den Schatten ihrer früheren Taten sind.

Erneut schafft es die Serie, ihre größten Stärken beizubehalten. Die Teamdynamik funktioniert hervorragend, die Dialoge wirken natürlich und die emotionale Ebene ist spürbar. Gleichzeitig bleiben kleinere Schwächen bestehen. Manche Übergänge wirken etwas zu abrupt, und nicht jede Szene erhält den Raum, den sie verdient hätte. Doch gerade die Ausarbeitung der jungen Mutanten ist schlicht fantastisch. Ihre Unsicherheit, ihre Angst und ihr Mut fühlen sich echt an. Man leidet und hofft mit ihnen, besonders wenn sie erkennen, dass Held sein nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern trotz Angst zu handeln.

Der letzte Arc hebt das Ganze noch einmal auf ein neues Niveau. Neue, überraschend coole Kostüme unterstreichen den Schritt in eine eigene Identität und wirken wie ein sichtbares Statement. Noch eindrucksvoller ist jedoch die thematische Ebene: Die Parallelen zur Verfolgung schwarzer Menschen im frühen Amerika werden deutlich, ohne platt zu sein. Die Geschichte schlägt eine Brücke zur Gegenwart und zeigt, wie sehr Diskriminierung und Angst vor dem Fremden bis heute nachhallen. Diese Allegorie passt erschreckend gut zu den X-Men und erinnert daran, warum sie seit jeher mehr sind als nur ein Superheldenteam.

Zeichnungen:

Auch visuell bleibt die Qualität auf hohem Niveau. Die Panels transportieren Dynamik und Emotion gleichermaßen. Besonders in den Actionszenen gegen die Sentinel Drohnen entfaltet sich eine rohe Energie, die den Ernst der Lage unterstreicht. Gleichzeitig nehmen sich die Zeichnungen Zeit für leise Momente, für Blicke und Gesten, die mehr sagen als viele Worte.

Wie schon im ersten Band gibt es kleinere Schwankungen. Manche Hintergründe wirken etwas reduziert, einige Panels fast zu glatt. Doch insgesamt passt der Stil hervorragend zur Geschichte. Die neuen Kostüme im finalen Arc setzen starke visuelle Akzente und verleihen der Serie einen frischen, selbstbewussten Look, der Lust auf mehr macht.

Uncanny X-Men 2 – Comic-Kritik

Fazit zu Uncanny X-Men 2:

Uncanny X-Men 2 führt den eingeschlagenen Weg konsequent fort und beweist, dass der Neustart keine Eintagsfliege war. Die Mischung aus klassischem Teamgefühl, emotionaler Tiefe und gesellschaftlicher Relevanz funktioniert erneut erstaunlich gut. Besonders die jungen Mutanten wachsen über sich hinaus und werden vom erzählerischen Beiwerk zu tragenden Säulen der Reihe.

Die Parallelen zur historischen und gegenwärtigen Verfolgung schwarzer Menschen verleihen dem Band eine zusätzliche Schwere, die lange nachwirkt. Hier zeigt sich, warum die X-Men seit jeher als Spiegel gesellschaftlicher Missstände funktionieren. Die Geschichte ist mutig genug, diese Themen klar anzusprechen, ohne ihre Figuren zu Instrumenten zu degradieren.

Natürlich bleibt nicht alles perfekt. Einige Szenen hätten mehr Raum verdient, und kleinere erzählerische Sprünge stören den Lesefluss minimal. Doch das Herz dieser Serie schlägt stark und spürbar. Uncanny X-Men 2 ist eine würdige Fortsetzung, die ihre Stärken ausbaut, ihre Schwächen nicht völlig ablegt, aber dennoch ein eindrucksvolles Statement setzt. Die Mutanten sind zurück und sie sind relevanter denn je.

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