Arbeitsspeicher wird teurer: Sollten Spielestudios Server jetzt mieten statt kaufen?

von Markus
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Wer im Frühjahr ein Angebot für zwei Server eingeholt hat und es jetzt erneuern lässt, bekommt für dieselbe Teileliste eine andere Summe. Der Grund liegt vor allem beim Arbeitsspeicher. Für kleine Spielestudios, die vor einer Beta oder einem Release zusätzliche Maschinen brauchen, stellt sich damit eine alte Frage neu: kaufen oder mieten?

Wer mietet, bekommt den Speicher nicht billiger. Er zahlt ihn später und in Raten, und die teuren Module liegen beim Anbieter statt im eigenen Bestand. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie lange die zusätzlichen Server tatsächlich laufen sollen.

Warum kleine Käufer die Preiserhöhungen tragen

Den Takt geben die großen Cloud-Anbieter vor. Sie bauen Rechenzentren für KI-Anwendungen und kaufen Serverspeicher in Mengen, neben denen ein Studio mit drei Maschinen nicht ins Gewicht fällt. Die Kontraktpreise für Server-DRAM sind im zweiten Halbjahr 2025 um insgesamt 64 Prozent gestiegen, und Marktforscher erwarteten im August 2026 für das laufende Jahr einen weiteren Anstieg um rund 270 Prozent.

Mehrere US-Cloud-Anbieter haben sich mit mehrjährigen Lieferverträgen abgesichert, die den Herstellern Preiserhöhungen für diese Kunden untersagen. Für die Zeit ab dem dritten Quartal 2026 rechnen die Marktforscher deshalb damit, dass vor allem Käufer ohne solche Verträge die Erhöhungen tragen.

Ein Studio, das zwei oder drei Server bestellt, kauft ohne einen solchen Vertrag ein. Für das vierte Quartal 2026 prognostizierten sie Ende September bei herkömmlichem DRAM erneut 10 bis 15 Prozent Plus gegenüber dem Vorquartal. Der Anstieg soll sich damit verlangsamen.

Wo ein Studio den Speicher tatsächlich braucht

Nicht jedes Gigabyte eines Studios steckt in einem Server. Für die Arbeit mit der Unreal Engine 5 sind 32 GB Arbeitsspeicher empfohlen, die Referenz-Workstation des Herstellers ist mit 256 GB DDR5 als ECC-Module bestückt. Diese Rechner stehen am Schreibtisch und werden ohnehin gekauft.

Anders sieht es bei den Maschinen aus, die im Hintergrund laufen. Auf Build-Servern wird der Code kompiliert. Schon für das lokale Kompilieren nennt dieselbe Dokumentation mindestens 12 bis 16 Kerne als praktische Basis. Dazu kommen Spielserver für Playtests, Beta-Wochenenden und den Release. Nur um diese zweite Gruppe geht es, wenn ein Studio übers Mieten nachdenkt.

Auch der Kauf hat keinen festen Preis

In der Vergangenheit machte der Arbeitsspeicher je nach Konfiguration etwa 25 bis 40 Prozent der Materialkosten eines Servers aus. Mit dem Preis der Module wächst dieser Anteil, und die Hersteller reagieren darauf in ihren Verträgen. HPE hat 2026 seine Bedingungen so geändert, dass sich die Preise bestätigter Bestellungen noch anpassen lassen, wenn Komponenten zwischen Angebot und Versand teurer werden, und die Gültigkeit seiner Angebote verkürzt.

Wer kauft, trägt dieses Risiko bis zum Versand. Danach stehen Module im Rack, die zum Preis des Bestelltags bezahlt wurden.

 

Mietserver sind davon nicht ausgenommen. Hoster kaufen dieselben Module wie alle anderen, und mehrere haben 2026 ihre Preise angehoben. Festhalten lässt sich ein Mietpreis nur über eine feste Laufzeit. Vor der Buchung lohnt deshalb der Blick in die Vertragsbedingungen: Dort steht, ob ein neuer Preis erst bei der Verlängerung greift oder schon während der Laufzeit.

Was ein Mietserver dem Studio abnimmt

Beim Mieten zählt vor allem, wie lange ein Server gebraucht wird. Ein Launch braucht für einige Wochen viel Kapazität, danach sinkt die Last. Ein gekaufter Server bleibt nach dieser Spitze im Rack stehen, ein gemieteter lässt sich zum Ende der Laufzeit kündigen.

Bei einem Angebot wie der OVHcloud Serververmietung für Unternehmen reicht die Ausstattung von 32 GB bis 1 TB Arbeitsspeicher pro Maschine, abgerechnet wird monatlich. Ein Studio kann so für die Beta eine kleinere und für den Release eine größere Konfiguration buchen, ohne Module auf Vorrat zu kaufen.

Ein Beispiel zum Nachrechnen: Die geschlossene Beta startet im März, der Release folgt im Juni, danach rechnet das Team mit drei Monaten erhöhter Last. Bis Ende September laufen die zusätzlichen Server also sieben Monate.

Gemietet sind das sieben Monatsraten, dazu eine eventuelle Einrichtungsgebühr. Gekauft ist es der volle Kaufpreis zu heutigen Speicherpreisen, dazu Strom sowie Stellplatz und Anbindung im Rechenzentrum, abzüglich des Werts, den die Maschine danach noch hat. Für die Rechnung braucht man zwei aktuelle Angebote, eines zum Kauf und eines zur Miete.

Wann der Kauf die bessere Wahl bleibt

Läuft ein Live-Spiel mit stabiler Spielerzahl über Jahre, ist die Last planbar, und die kurze Bindung spielt keine Rolle mehr. Wer bereits eigene Server besitzt, kauft ohnehin nur nach, wenn etwas fehlt. Für einen Build-Rechner, der jeden Tag gebraucht wird, lässt sich zwar auch ein dedizierter Server mieten, über drei oder vier Jahre kann die Rechnung aber anders ausfallen.

Im deutschen Steuerrecht gibt es dazu eine Besonderheit. Seit dem BMF-Schreiben vom 22. Februar 2022 gilt für Computerhardware grundsätzlich eine Nutzungsdauer von einem Jahr. Wer die Hardware kauft, kann sie damit im Jahr der Anschaffung voll absetzen, die Finanzverwaltung beanstandet das nicht. Damit schrumpft ein Vorteil, den die monatliche Miete früher gegenüber einer Abschreibung über mehrere Jahre hatte. Ob die Regel im Einzelfall greift, klärt die Steuerberatung.

Was das für die Serverplanung heißt

Die Entscheidung fällt pro Einsatz, nicht für das ganze Studio.

Einsatz Lastverlauf Eher Warum
Server für Launch und erste Wochen hohe Spitze, dann Abfall mieten Kapazität lässt sich nach der Spitze zurückgeben
Playtests und Beta-Wochenenden kurz, wiederkehrend mieten zwischen den Terminen steht kein Gerät ungenutzt herum
Build-Server im Tagesbetrieb täglich, gleichmäßig offen Laufzeit gegen Kaufpreis rechnen
Live-Server mit stabiler Spielerzahl dauerhaft, planbar kaufen oder lange Laufzeit gleichmäßige Last über Jahre
Entwickler-Workstations dauerhaft, am Arbeitsplatz kaufen werden am Schreibtisch gebraucht, nicht im Rechenzentrum

 

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