Ein toxisches Büro, mutierte Kollegen und ein Ritter mit einer Waffe aus Pappe – Box Knight möchte den ganz normalen Arbeitswahnsinn auf seine eigene, ziemlich schräge Art auf die Schippe nehmen. Wir haben uns durch die Büroräume geprügelt und geschaut, ob das ungewöhnliche Roguelite überzeugen kann.
Der Büroalltag kann manchmal ziemlich anstrengend sein. Deadlines, Meetings, nervige Kollegen und natürlich der obligatorische Gang zur Kaffeemaschine. In Box Knight geht der alltägliche Wahnsinn allerdings noch einen Schritt weiter: Aus dem Büro wird kurzerhand ein von Monstern bevölkerter Schauplatz, während wir nach Feierabend zum namensgebenden Box Knight werden.
Das Spiel verbindet ein Büro-Szenario mit einem Roguelite-Beat’em-up. Unsere Aufgabe ist es, uns Stockwerk für Stockwerk durch die verseuchte Arbeitsstätte zu kämpfen und am Ende sogar dem CEO gegenüberzutreten.

Zwischen Bürohumor und Kartonschwert
Die Grundidee von Box Knight ist definitiv ungewöhnlich. Während wir tagsüber offenbar nur ein ganz gewöhnlicher Büroangestellter sind, verwandeln wir uns am Freitag um 17 Uhr in den Box Knight und machen uns daran, die Kollegen beziehungsweise deren monströse Versionen ordentlich aufzumischen.
Das Spiel nimmt dafür ein klassisches Büro-Szenario und überzieht es mit einer ordentlichen Portion Fantasy. Die Gegner stellen dabei gewissermaßen verschiedene Ausprägungen des typischen Büro-Wahnsinns dar.
Optisch bleibt Box Knight dabei bewusst rustikal. Die handgemachte, etwas grobe Optik passt grundsätzlich gut zum ungewöhnlichen Setting und unterstützt den Comic-Charakter des Spiels. Auch die Waffen passen zum Konzept: Statt mit einem mächtigen Ritterschwert ziehen wir beispielsweise mit improvisierten Kartonwaffen in die Schlacht.
Allerdings muss man den Humor von Box Knight mögen.
Das Spiel ist in seinem Umgang mit dem Büroalltag ziemlich negativ eingestellt. Schon der Erzähler vermittelt uns regelmäßig das Gefühl, dass wir eigentlich froh sein sollten, überhaupt irgendeine Aufgabe zu erledigen.
Kommentare in Richtung „endlich mal ein Box Knight, der nicht komplett inkompetent ist“ sind dabei durchaus typisch.
Das ist offensichtlich Teil des Konzepts und dürfte bei Spielern, die genau diese Art von schwarzem beziehungsweise sarkastischem Bürohumor mögen, funktionieren. Persönlich konnte mich diese Art der Präsentation allerdings weniger abholen.
Das Roguelite-Prinzip funktioniert grundsätzlich
Spielerisch setzt Box Knight auf einen bekannten Roguelite-Aufbau. Wir kämpfen uns Raum für Raum durch das Büro, erledigen Gegner und erhalten anschließend verschiedene Möglichkeiten, unseren Charakter für den weiteren Verlauf des Runs zu verbessern.
Dabei verändert sich jede Runde beziehungsweise jeder neue Abschnitt durch unterschiedliche Modifikatoren. Genau hier entsteht der eigentliche Reiz des Spiels: Wir können versuchen, eine bestimmte Kombination aus Verbesserungen aufzubauen und unseren Box Knight immer stärker auf einen bestimmten Spielstil auszurichten.
Bei meinem Durchlauf habe ich beispielsweise auf einen Eis-Build gesetzt.
Die entsprechenden Verbesserungen sorgten dafür, dass Gegner sehr schnell eingefroren beziehungsweise betäubt wurden. Dadurch konnte ich viele Situationen relativ entspannt kontrollieren.
Tatsächlich war dieser Build für mich so effektiv, dass ich die ersten Abschnitte ohne einen einzigen Lebensverlust überstanden habe.
Auch beim ersten Boss musste ich keinen zweiten Versuch starten.
First Try – erledigt.
Natürlich sagt ein einzelner Durchlauf nicht alles über die Balance des Spiels aus. Trotzdem hatte ich während meiner Spielzeit das Gefühl, dass bestimmte Kombinationen deutlich stärker beziehungsweise komfortabler funktionieren können als andere.
Gerade für Roguelite-Fans dürfte deshalb das Experimentieren mit unterschiedlichen Builds einer der interessantesten Bestandteile von Box Knight sein.

Das Kampfsystem fühlt sich noch nicht ganz rund an
Und genau hier liegt für mich gleichzeitig eine der größeren Schwächen.
Auf dem Papier bringt Box Knight einiges mit: unterschiedliche Waffen, Spezialangriffe, Gegner mit verschiedenen Eigenschaften und verschiedene Verbesserungen, die den eigenen Build beeinflussen.
In der Praxis fühlte sich das Kampfsystem für mich allerdings noch nicht vollständig ausentwickelt an.
Besonders aufgefallen ist mir dabei der Spezialangriff. Dieser lässt sich nur nach links oder rechts ausführen. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, wird im tatsächlichen Spielverlauf aber immer wieder unnötig störend.
Gerade wenn sich Gegner ungünstig positionieren, möchte man intuitiv schnell in eine bestimmte Richtung reagieren. Wenn die gewünschte Aktion dann nur horizontal funktioniert, fühlt sich das teilweise eher nach einer Einschränkung der Steuerung als nach einer bewussten Gameplay-Entscheidung an.
Das nimmt dem ansonsten recht flotten Kampfsystem etwas von seinem Flow.
Für mich war der Einstieg überraschend einfach
Eine weitere interessante Erfahrung war der Schwierigkeitsgrad.
Mein Eis-Build hat die ersten Bereiche ziemlich deutlich dominiert. Gegner wurden schnell eingefroren und konnten anschließend relativ problemlos ausgeschaltet werden. Dadurch hatte ich zumindest in meinem getesteten Durchlauf nicht das Gefühl, permanent um mein Überleben kämpfen zu müssen.
Auch der erste Boss fiel beim ersten Versuch.
Dabei ist natürlich wichtig zu erwähnen, dass genau das auch ein Teil des Roguelite-Konzepts sein kann. Andere Kombinationen von Verbesserungen können sich komplett anders spielen und bestimmte Builds dürften deutlich anspruchsvoller sein.
Trotzdem hätte ich mir persönlich etwas mehr Widerstand gewünscht.
Das Spiel bietet mit unterschiedlichen Modi und zusätzlichen Herausforderungen durchaus mehr als nur den klassischen Run. Neben der Kampagne gibt es unter anderem auch einen Horde-Modus. Außerdem können Spieler den Box Knight dauerhaft weiterentwickeln, sodass auch nach einem gescheiterten Run Fortschritt erhalten bleibt.
Deutsche Übersetzung mit Luft nach oben
Ein Punkt, der mir beim Spielen ebenfalls negativ aufgefallen ist, betrifft die Übersetzung.
Auch wenn Deutsch ausgewählt werden kann, sind in meiner getesteten Version noch zahlreiche Texte und Teile der Erzählung auf Englisch geblieben. Das betrifft nicht nur irgendwelche nebensächlichen Kleinigkeiten, sondern fällt auch während des eigentlichen Spiels auf.
Für ein kleines Indie-Studio kann man bei der Lokalisierung natürlich etwas mehr Nachsicht haben. Gleichzeitig ist eine nicht vollständig übersetzte deutsche Sprachoption natürlich kein besonders guter erster Eindruck.
Zumal Box Knight sehr stark über seine Texte und seinen Humor funktioniert.
Wenn ein großer Teil des Humors über Kommentare des Erzählers und die Beschreibung der absurden Büro-Situation transportiert wird, sollte die entsprechende Übersetzung möglichst vollständig sein. Gerade bei einem Spiel, dessen Atmosphäre so stark von seinem eigenen Humor lebt, gehen durch fehlende Übersetzungen entsprechend auch Teile des Erlebnisses verloren.
Ein Spiel für einen ganz bestimmten Geschmack
Und genau hier komme ich zu meinem größten Problem mit Box Knight.
Ich glaube, dass das Spiel durchaus Spaß machen kann – nur bin ich wahrscheinlich nicht die Zielgruppe.
Das Roguelite-System funktioniert. Die Idee mit den verschiedenen Builds funktioniert ebenfalls. Das Büro-Szenario ist ungewöhnlich und das Spiel hat definitiv seinen eigenen Stil.
Auch die Mischung aus Bürokomödie, Fantasy und Beat’em-up hebt Box Knight aus der Masse hervor. Durch den lokalen Koop kann das Spiel zudem gemeinsam mit Freunden auf der Couch gespielt werden.
Aber sowohl der Humor als auch die Präsentation sind sehr speziell.
Wer Spaß an absurdem Bürohumor, einem bewusst etwas derben Comic-Stil und schnellen Roguelite-Runs hat, dürfte hier deutlich mehr Freude haben als ich. Wer dagegen mit dieser Art von Humor wenig anfangen kann, wird vermutlich relativ schnell merken, dass Box Knight nicht unbedingt das eigene Spiel ist.
Bei mir kam dieser Punkt leider ziemlich schnell zum Vorschein.
Fazit: Ein Roguelite mit einer ungewöhnlichen Idee
Das Indie-Projekt bringt eine interessante Grundidee mit, funktioniert spielerisch grundsätzlich ordentlich und bietet durch seine verschiedenen Builds genügend Möglichkeiten, mit unterschiedlichen Spielweisen zu experimentieren.
Besonders das System aus zufälligen Verbesserungen und unterschiedlichen Modifikatoren kann für Roguelite-Fans durchaus motivierend sein. Dazu kommen lokale Koop-Möglichkeiten, permanente Verbesserungen und weitere Modi.
Bei mir hinterlassen allerdings das noch nicht ganz runde Kampfsystem, die teilweise fehlende deutsche Übersetzung und vor allem der spezielle Humor einen etwas gemischten Eindruck.
Der wichtigste Punkt ist deshalb eigentlich ganz einfach:
Mögt ihr Roguelites und könnt mit einem ziemlich sarkastischen Bürohumor etwas anfangen, solltet ihr Box Knight durchaus eine Chance geben.
Für mich persönlich reicht es dagegen nicht ganz für eine uneingeschränkte Empfehlung. Dafür fühlt sich das Kampfsystem an einigen Stellen noch zu unfertig an und der Humor trifft schlicht nicht meinen Geschmack.
Unsere Wertung: 6 von 10 Punkten
Pro
- Ungewöhnliches Büro-Setting
- Interessantes Roguelite-System
- Verschiedene Builds und Modifikatoren
- Lokaler Koop
- Eigenständiger Comic-Look
- Dauerhafter Fortschritt zwischen Runs
Contra
- Kampfsystem fühlt sich teilweise noch nicht ganz ausgereift an
- Spezialangriff nur nach links/rechts
- Deutsche Übersetzung noch nicht vollständig
- Humor sehr speziell
- Bestimmte Builds können den Einstieg sehr einfach machen
Fakten zu Box Knight
Entwickler: We Made A Thing Studios
Publisher: We Made A Thing Studios
Genre: Action, RPG, Roguelite / Beat’em-up
Plattform: PC
Release: 25. August 2026
Preis: 14,99 Euro
Spielmodi: Singleplayer, lokaler Koop, Horde-Modus
Wertung: 6/10
Hinweis zur Berichterstattung:
Das Spiel Box Knight wurde uns vom Publisher beziehungsweise PR-Partner kostenfrei für Test- und Berichterstattungszwecke zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf unsere Bewertung. Alle verwendeten Bilder stammen aus dem offiziellen Pressekit von We Made A Thing Studios und wurden nur für die reaktionelle Berichtserstattung und Darstellung verwendet.
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