Normalerweise schreibe ich bei Comics einfach gerne meine Meinung. Wie habe ich das Lesen empfunden? Was war mein Highlight? Und vor allem: Lohnt sich der Kauf? Neben diesen Reviews, bei denen wir die Exemplare meist von Panini zugeschickt bekommen, kaufe ich mir natürlich auch immer wieder selbst Comics, die mich interessieren. Seit Ende letzten Jahres ist dabei vor allem DCs neues Absolute Universe in aller Munde. Eine neue Interpretation bekannter Charaktere in einem neuen Universum, ausgelöst durch das Absolute Power-Event und das All-In Special.

„Aber das hat Marvel doch schon mit dem Ultimate Universe gemacht. Und DC hat so etwas doch auch schon mehrfach probiert“, höre ich euch sagen. Und ja, das stimmt natürlich. Doch nachdem ich nun Absolute Batman, Absolute Wonder Woman und Absolute Superman im ersten Band gelesen habe, verstehe ich den Hype absolut und möchte einfach mal kurz darüber schwärmen. Denn das Absolute Universe ist nicht nur eine Neuinterpretation bekannter Helden. Es nimmt ihre Grundidee, reißt sie aus ihrer Komfortzone und setzt sie an einen Punkt, an dem eigentlich alles gegen sie spricht. Sie müssen erst zu den Helden werden, die wir kennen und lieben, obwohl die Voraussetzungen dafür schlechter kaum sein könnten. Komplett neue Anfänge, komplett andere Origin-Geschichten – dafür aber absoluter Spaß beim Lesen.
DCs Helden mal ganz anders
Beginnen wir mit dem wohl bekanntesten der Absolute-Comics: Absolute Batman. Der Comic wird nicht nur weltweit gehypt, inzwischen wurde sogar schon eine animierte Serie angekündigt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch nie erlebt habe, dass eine Comicreihe so schnell eine Adaption bekommen hat. Und genau deshalb ist Absolute Batman besonders spannend: Bruce Wayne ist hier nicht mehr der kleine reiche Junge, der nach dem Tod seiner Eltern auf ein riesiges Vermögen zurückgreifen kann. Seine Eltern hat er zwar ebenfalls verloren, doch sein Vater war Lehrer und seine Mutter Sozialarbeiterin – und natürlich steckt auch hinter dieser Geschichte noch mehr, als man zunächst denkt.
Dadurch fühlt sich Bruce deutlich geerdeter an. Er hat kein Vermögen im Hintergrund, keine Wayne Enterprises, die ihm alles ermöglicht. Wenn er etwas erreichen will, muss er es selbst schaffen. Und genau das macht diese Version des Charakters so interessant. Bruce wird als unglaublich kluger Mensch dargestellt, der unbedingt seine Mitmenschen beschützen möchte. Seine Motivation wirkt dadurch fast noch ehrenvoller als bei vielen klassischen Interpretationen. Auch Black Mask als ersten großen Gegenspieler und Kartellführer einzusetzen, passt hervorragend zu dieser bodenständigeren Welt und verleiht der Geschichte einen angenehm dreckigen und realistischen Einschlag.
Dazu kommt die Action, die für mich eines der großen Highlights des Comics ist. Batman gewinnt nicht einfach jeden Kampf, nur weil er Batman ist. Er wird genauso oft an seine Grenzen gebracht, kassiert ordentlich und muss sich seinen Status als Held erst verdienen. Absolute Batman ist dadurch ein absolut fantastischer Auftakt, der seinem Hype meiner Meinung nach vollkommen gerecht wird. Ich habe bisher zwar nur den ersten Band gelesen, aber nach allem, was ich über die folgenden Geschichten gehört habe, wartet hier offenbar noch verdammt viel cooler Scheiß auf mich.

Von der Hölle bis zu kranken Planeten
Oft sind es in solchen alternativen Universen einzelne Geschichten, die besonders herausstechen. Eine Figur bekommt eine geniale Neuinterpretation, während andere eher auf der Strecke bleiben. Nicht so im Absolute Universe. Genau das macht dieses Konzept für mich so besonders: Bisher wirkt es, als hätte DC bei praktisch jeder Figur den Mut gehabt, wirklich etwas zu verändern. Nicht alles konnte ich bisher lesen, aber sowohl Absolute Wonder Woman als auch Absolute Superman haben mich absolut abgeholt.
Wonder Woman wird hier als Kind der Hölle neu interpretiert, das von Circe aufgezogen wird. Als letzte Amazone muss sie sich in dieser Hölle behaupten, bevor sie schließlich auf die Erde kommt, um diese vor genau jener Bedrohung zu beschützen. Superman wiederum ist der Sohn einer kryptonischen Bauernfamilie und kommt nicht als Baby auf die Erde. Stattdessen muss der Teenager seinen kranken Heimatplaneten verlassen und landet erst später auf der Erde.
Beide Figuren haben dadurch völlig andere Ursprünge und trotzdem bleiben die entscheidenden Elemente erhalten, aus denen die Helden entstehen können, die wir kennen. Genau darin liegt für mich die große Stärke des Absolute Universe: Es verändert die Figuren radikal, ohne sie dabei völlig fremd wirken zu lassen.
Gerade Absolute Wonder Woman ist dabei so genial geschrieben und gezeichnet, dass ich mich wirklich schwer zurückhalten kann, nicht sofort alle weiteren Bände zu kaufen. Holy, ich liebe vor allem das Monsterdesign. Das sieht einfach absolut großartig aus und passt perfekt zu dieser düsteren Version der Figur. Bei Absolute Superman gefällt mir wiederum besonders, dass Clark nicht bei einer menschlichen Familie aufgewachsen ist. Er ist noch relativ frisch auf der Erde und muss diese Welt selbst kennenlernen. Und genau das tun wir gemeinsam mit ihm. Dadurch fühlt sich seine Geschichte tatsächlich wie ein Neuanfang an und nicht nur wie eine weitere Variante derselben Origin.
Und genau deshalb habe ich gerade so viel Lust, dieses Universum weiter zu erkunden. Das Absolute Universe fühlt sich nicht wie ein einfacher Neustart an, bei dem man bekannte Geschichten mit ein paar neuen Details erzählt. Es nimmt die DNA der Figuren und fragt: Was wäre, wenn wir wirklich alles verändern? Was bleibt von Batman übrig, wenn Bruce Wayne kein Milliardär ist? Was wird aus Wonder Woman, wenn ihre Wurzeln direkt aus der Hölle kommen? Und was bedeutet es für Superman, wenn er die Erde erst als Jugendlicher kennenlernt?
Ein absolut gelungener Neustart
Nach den ersten drei Bänden kann ich deshalb absolut verstehen, warum das Absolute Universe gerade so viel Aufmerksamkeit bekommt. Jede Reihe geht ihren eigenen Weg, jede Figur fühlt sich frisch an und trotzdem erkennt man immer noch die Helden, wegen denen man überhaupt zu diesen Comics greift. Für mich ist das Absolute Universe damit nicht einfach nur ein weiterer Versuch, DC neu zu erfinden, sondern tatsächlich einer der spannendsten Ansätze, die der Verlag seit Langem auf die Beine gestellt hat. Wenn die kommenden Reihen dieses Niveau halten können, steht uns hier noch eine absolut starke Comic-Ära bevor – und ich bin definitiv gespannt, wohin die Reise noch geht.
