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Ein ganzes Königreich zu regieren ist keine leichte Aufgabe. Dennoch muss die junge Prinzessin Elodie, die gerade erst ihre Mutter verloren hat, an ihren Fähigkeiten feilen und sich auf das Erbe des Thrones vorbereiten. Bis zu ihrem Geburtstag hat sie dafür Zeit und es liegt an euch, sie zu der Königin zu erziehen, die das Reich dringend braucht. Doch kann der deutschsprachige Visual Novel im süßen Anime-Stil auf der Nintendo Switch sich sehen lassen? Wir haben uns durch die Strapazen des königlichen Lebens gewagt und sind sicher, dass auch ihr mit Long Live The Queen eine Achterbahnfahrt der Emotionen und schlechten Entscheidungen erleben könnt.

Long Live The Queen der Menübildschirm

Überblick


Erscheinungsdatum: 15.07.2022 (Switch)

Publisher: Ratalaika Games

Entwickler: Hanako Games, Spiky Caterpillar

Plattform: Nintendo Switch, PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows, Linux, macOS, Xbox Series, Mac OS, PlayStation 5

Preis: 9,99 Euro (Konsole), 8,99 Euro (Steam)

Long live the Queen Coverbild


 

Es war einmal…

Prinzessin Elodie ist gerade einmal 14 Jahre alt, als sie das Schicksal mit dem Ableben ihrer Mutter konfrontiert. Nicht nur hat sie eine geliebte Person dadurch verloren, nein. Sie muss nun ebenfalls binnen kürzester Zeit die nötigen Fähigkeiten erlernen, um den Thron an ihrem 15. Geburtstag für sich zu beanspruchen. Ihr Vater ist ihr dabei keine große Hilfe und scheint etwas vor ihr zu verheimlichen, doch will auf Teufel komm raus nicht mit der Sprache rausrücken. Es liegt also in eurer Hand, Elodie in ihre Klassen zu schicken, Beziehungen aufzubauen und zu einer ehrwürdigen Königin zu werden. Es warten Gefahren hinter jeder Ecke und Vertrauen ist etwas, mit dem ihr vorsichtig umgehen solltet. Wer sagt, er will nur euer Bestes, gibt meistens nicht viel auf euer Wohlbefinden, sondern geiert auf euer Reich. Doch wie schafft ihr es, dass die junge Prinzessin am Ende zur Königen wird?

Long Live The Queen Elodie Dialog

Entscheidungen und Fähigkeiten in Long Live The Queen

Um in Long Live The Queen ein tatsächlich langes Leben führen zu können, müsst ihr das Skillset von Elodie gezielt ausbauen. Wer jetzt denkt, dass das in einem Visual Novel ja keine große Schwierigkeit sein kann, dem müssen wir gleich einmal einen Strich durch die Rechnung machen. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und können nicht nur zu großem Erfolg, sondern auch zu einem fatalen Ende führen. So wählt ihr täglich zwischen den 14 Unterrichtskategorien und den jeweils drei Unterrichtsoptionen diejenigen aus, in denen sich Elodie weiterbilden soll. Um euch das Kopfrechnen mal vorwegzunehmen: Das sind täglich bis zu 42 Möglichkeiten, aus denen ihr wählen müsst. Logischerweise kann die junge Prinzessin natürlich nicht alle Skills bis zum Maximum ausbauen, ihr müsst euch also auf bestimmte Skillsets festlegen. Natürlich könnt ihr auch alle gleichermaßen versuchen zu leveln, allerdings könnte das nicht zum gewünschten Ende führen.

Im weiteren Spielverlauf steht ihr häufig vor Entscheidungen, dessen unangenehme Folgen nur durch einen bestimmten Fortschritt einiger Skills verhindert werden kann. Wenn ihr eines Tages beispielsweise einen Ball besucht und keinerlei oder nur mangelhafte Fähigkeiten der Kategorien Eleganz, Haltung, Präsenz und sogar Dekoration aufweist, werden eure Gefolgsleute euch nicht wie eine edle Dame wahrnehmen, sondern wie ein tollpatschiges Kleinkind, dass noch nie Menschenkontakt hatte.

Zusätzlich schaltet ihr, sobald ihr in den jeweiligen Skillkategorien alle drei Unterkategorien auf Stufe 50 gebracht habt, besondere Outfits frei. Diese geben dann zusätzliche Boni auf die Skills und ermöglichen es euch, andere Fähigkeiten weiter auszubauen, ohne euch Sorgen zu müssen.

Die Stimmung macht‘s

Weil die Wahlmöglichkeiten aber noch lange nicht genug sind, um euch zum endgültig Verzweifeln zu bringen, müsst ihr auch die Stimmung der Thronfolgerin im Auge behalten. Diese beeinflusst den Lernfortschritt in bestimmten Kategorien und kann somit verhindern, dass ihr bestimmte Skills ausbaut. Gleichzeitig gibt es einen Boost auf andere Kategorien, in denen ihr dann doppelte Erfahrung mit einer Lerneinheit sammeln könnt. Ist Elodie beispielsweise deprimiert, erhaltet ihr einen Bonus auf Ausdruck und Umgang mit Tieren, bekommt dafür aber eine Strafe für Königliches Benehmen, Konversation sowie Leichtathletik. Um die Effekte sinnvoll zu nutzen, könnt ihr Elodies Stimmung durch Aktivitäten am Nachmittag und einige Entscheidungen beeinflussen. Besucht den Hof, sprecht mit eurem Vater oder anderen Besuchern oder geht später auf die Jagd, um die Stimmung zu erreichen, die ihr braucht.

Alles in allem habt ihr also unendlich viele Möglichkeiten, bei denen ihr euch austoben könnt. Allerdings hatten wir im weiteren Spielverlauf immer wieder den Eindruck, in einem Souls-Like wie Dark Souls Remastered zu stecken. Scheinbar jede kleinste Fehlentscheidung führte zu unserem Tod und wo wir dachten, dass das Wissen um Gift uns vor eben diesem bewahren würde, starben wir durch vergiftete Schokolade. Tja, unsere Kriegerprinzessin, die in Waffen- und Kriegsführung bewandert war und sich mit Spionage auskannte wie sonst keiner, konnte leider genau das durch ihren Mangel an Zurückhaltung nicht vermeiden und stopfte sich stattdessen genüsslich damit voll.

Die Sprache des Adels und die Dialoge

Trotz der weitgefächerten Mechanik des Entscheidens und Skillens hat Long Live The Queen noch einiges mehr in Petto. Da es sich grundlegend um eine Visual Novel, also ein spielbares und visualisiertes Buch (im weitesten Sinne) handelt, ist die Story auch eines der Elemente, dem wir unsere Aufmerksamkeit geschenkt haben. Diese ist im Kern genau das, was man von diesem Setting erwarten würde – passend. Eine Prinzessin mit großer Verantwortung, ein resignierter Vater und viele Geheimnisse, die nicht ohne einen Hauch Magie auskommen. Wir fanden es insgesamt sehr spannend und gerade, dass sich der Verlauf der Geschichte durch jede minimale Entscheidung komplett verändern konnte, hat uns zwar zur äußersten Weißglut getrieben, aber im Herzen sehr gefallen. Ein Spiel, dass die Spieler mitfiebern lässt, Emotionen aus ihnen herauskitzelt und sie zu immer neuen Versuchen anspornt ist in unseren Augen ein äußert gut gelungenes Spiel und eine Erfahrung wert.

Allerdings, und hier kommt ein großes Aber, haben wir uns manchmal doch gefragt, ob Elodie die 14 Jahre ihres bisherigen Lebens unter einem Stein gelebt hat. Eine Prinzessin in dem Alter wird doch sicherlich das eine oder andere von ihren Eltern gelernt haben, was den Umgang mit anderen Adeligen Menschen oder Menschen generell angeht, oder? Auch ein bisschen Höflichkeit und Zurückhaltung sollte bereits vorhanden sein, könnte man meinen. Doch nicht in Long Live The Queen. Elodie kommt als vollständig unbeschriebenes und zu Beginn verständlicherweise trauriges Blatt Papier daher. Sie weiß scheinbar nichts, hat kein Feingefühl, versteht die Welt und ihre Bewohner nicht.

Dialoge im Spiel

Na wenn das nicht Prinz Charming ist… oder?

Die Unerfahrene Prinzessin

Klar, das Skillsystem bietet viele Optionen, ihre Persönlichkeit noch zu vertiefen, aber in diesem Setting und in diesem Alter, mit welchem man bereits fast als Erwachsene gegolten hätte, passt das einfach nicht zusammen. Niemand ist so unerfahren, wenn er oder sie das ganze Leben dort verbracht hat. Und wenn Elodies Mutter nun nicht gestorben wäre und man die Geschichte des Spiels richtig versteht, hätte sie trotzdem den Thron an ihrem 15. Geburtstag besteigen müssen. Wir bezweifeln, dass sie mit der vorherigen Erziehung im Blick, dieser Aufgabe dann wirklich gewachsen gewesen wäre. Wir hätten uns vielleicht eine Skillkategorie weniger gewünscht, dafür aber mehr Entscheidungen und eine authentischere Thronfolgerin. Eine längere Spielperiode mit einer jüngeren Elodie, die dann wirklich unerfahrener gewesen wäre oder einen Grund, wieso Elodie einfach nichts kann oder weiß hätten uns auch gereicht.

Auch die Dialoge sind oftmals sehr knapp sowie einfach gehalten und bereits nach zwei oder drei Sätzen wieder beendet. Tiefgründige Dialoge in ausgedehnter Form gibt es kaum welche, was für die ein oder andere Person schon ein großer Kritikpunkt sein könnte. Wir fanden jedoch, dass diese Art der Dialoge genau richtig für dieses Spiel ist. Wenn ihr euch an Long Live The Queen heranwagt, werdet ihr feststellen, dass ihr trotz zwischenzeitlichem Speichern reltiv häufig wieder ganz von vorne beginnen müsst, um das Skillset sinnvoll zu entwickeln. Gäbe es nun viele ausgedehnte Dialoge, müsstet ihr ewig lange alles überspringen, was schon aus den vorherigen Spieldurchläufen bekannt ist. Das wäre nervig und entsprechend dankbar waren wir den kurzen Gesprächen, die uns am Ende trotzdem abholen konnten und genau das vermittelt haben, was wir wissen wollten und mussten.

Long Live The Queen Elodie Ende

Von Unwissenheit zur Führungsperson – Elodies Wandel

Genregerechtes Design und ideal für die Nintendo Switch

Nicht nur die Spielmechaniken machen aus einem Spiel das, was es ist. Auch das Design ist ein Kriterium, an dem sich viele Geister scheiden. Long Live The Queen setzt wie viele Visual Novels auf einen selbstgezeichneten 2D-Anime-Look. Die Figuren sind einfach gehalten, zeichnen sich aber durch besondere Merkmale wie Haarfarbe, Outfit oder die Augen aus, sodass sie einen ganz persönlichen Wiedererkennungswert haben.

Das Interface des Spiels wirkt erstmal erschlagend, weil es so viel zu entscheiden und zu berücksichtigen gibt. Allein die 42 Skills füllen schon eine ganze Seite, und dann kommen noch die Stimmungsübersicht, die Unterrichtsauswahl und das Menü dazu. Es wirkt zwar vollgestopft und teils überladen, allerdings gewöhnt man sich schnell daran und findet sich zurecht. Natürlich spielt auch das vergleichsweise kleine Display der Nintendo Switch mit in diese Wahrnehmung.

Uns wurde die Version für die Nintendo Switch zur Verfügung gestellt, welche an sich einige kleine Besonderheiten mitbringt. So ist es unter anderem möglich, das Spiel auch mit dem Touchscreen zu bedienen. So könnt ihr den Text mit jedem Tippen weiterlaufen lassen und die Auswahl eurer Unterrichtseinheiten mit dem Finger treffen. Auch spielt sich der Titel hervorragend in der Bahn oder eingekuschelt auf dem Sofa. Nur das bereits erwähnte kleine Display trübt den guten Eindruck etwas, aber nicht erheblich.

Die Unterrichtseinheiten

Hier wählt ihr die Kurse, die Elodie an dem Tag belegen soll.

Das Ende vom Lied

Schlussendlich hat uns Long Live The Queen mit der einfachen Erzählweise und dem komplexen Skillsystem nicht nur häufig in den Wahnsinn getrieben und uns alle getroffenen Entscheidungen bereuen lassen, sondern uns auch gezeigt, dass es im Leben nicht nur darauf ankommt, in allem perfekt zu sein. Wichtig ist vor allem, weise zu wählen, sich bestmöglich auf Situationen vorzubereiten und eine ganz eigene Prinzessin zu kreieren, die das Reich eines Tages erfolgreich regieren wird. Auch wir waren nach den ganzen Strapazen stolz auf unser kleines Mädchen, das mit Hilfe der Magie und nach unzähligen Toden und Reisen ins Exil endlich auf den Thron geklettert ist.



86%

Ein strategisches Leseerlebnis

Wer Visual Novel mag und sich keiner Herausforderung zu fein ist, macht mit Long Live The Queen nichts falsch. Trotz der manchmal etwas dümmlichen Hauptfigur ist das Erlebnis des Spiels etwas ganz Besonderes. Wir wurden wütend, waren glücklich und fieberten irgendwann mit Elodie mit. Das beste war der Stolz, als sie endlich den Thron bestieg und der Ansporn, es danach noch besser zu machen. Wir sind tausend Tode gestorben, und bereuen zwar sämtliche unserer Entscheidungen, aber absolut nicht, dieses Spiel gespielt zu haben.

  • Grafik / Design
  • Sound
  • Story/Atmosphäre
  • Spielspaß
  • Skillsystem/Entscheidungseinfluss
About author

Alexa J.

Ob Nintendo, PlayStation oder doch auf dem PC - Alexa ist auf vielen Plattformen unterwegs und vertreibt sich dort die Zeit mit dem Zocken. Mal geht es in Shootern heiß her, mal wird das Leben auf der Farm genossen und Tiere gezüchtet.

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