Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Spider-Man – Die Legende des Spider-Clans.
| Erscheinungsdatum | 05.08.2025 |
| Zeichner | Kaare Andrews, Skottie Young |
| Autor | Kaare Andrews, C. B. Cebulski |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 192 |
| Stories | Marvel Mangaverse: Spider-Man (2002) 1, Spider-Man: Legend of the Spider-Clan (2002) 1–5, Spider-Man Family Featuring Spider-Clan (2007) 1 |
| Preis | 19,00€ |
Das Spider-Verse hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der spannendsten Schauplätze des Marvel-Kosmos entwickelt. Kaum ein anderes Konzept bietet so viele kreative Wege, vertraute Figuren in vollkommen neuen Welten zu erleben. Jede Variante von Spider-Man öffnet ein eigenes Fenster in ein anderes Leben, eine andere Kultur und eine andere Legende. Genau darin liegt der besondere Reiz, denn hinter jeder Maske verbirgt sich ein frischer Blick auf den Mythos, der seit Jahrzehnten begeistert.
Unter all diesen Welten nimmt das Universum des Spider-Clan eine besondere Stellung ein. Es verbindet die Essenz des Spinnenhelden mit der Atmosphäre einer fernöstlichen Tradition, die von Geheimnissen, Loyalität und uralten Kämpfen geprägt ist. Hier wirkt alles zugleich vertraut und doch völlig neu, denn die Grundidee des Heldentums trifft auf ein Umfeld, das eigene Regeln schreibt und eigene Möglichkeiten eröffnet.
Diese Mischung weckt Neugier auf ein Abenteuer, das Spider-Man in einem Licht zeigt, das man so nicht oft sieht. Wer sich für originelle Interpretationen des Netzkopfes begeistert und Freude daran hat, den Mythos aus ungewöhnlichen Perspektiven zu entdecken, findet im Spider-Clan eine Welt voller Faszination. Genau dort setzt die folgende Kritik an, die einen Blick auf diese besondere Interpretation wirft und Lust darauf macht, tiefer in diese außergewöhnliche Version des Spider-Verse einzutauchen.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:
In einer fremden Realität, die von erbitterten Ninja-Clans beherrscht wird, kämpft ein jugendlicher Peter Parker ums Überleben, nachdem sein Sensei Ben gefallen ist und der Spider-Clan nur noch aus ihm besteht. Während er sich mühsam in die Geheimnisse und Prüfungen eines jungen Ninja einarbeitet, treiben gefährliche Gegner wie der unberechenbare Venom, die verführerisch geschickte Black Cat und der kompromisslose Devil Hunter Matt Murdock ihr Unwesen. Jeder von ihnen hat es auf ein rätselhaftes Amulett abgesehen, das die Macht besitzt, den Verlauf dieses Schattenkriegs für immer zu verändern.
Irgendwie ist das ganz komisch. Überall lese ich, dass man sich mit Spider-Man – Die Legende des Spider-Clans an japanischen Serien orientiert hat, das sehe ich so aber nicht. Für mich ähnelt der Stil und die Geschichte eher einem festlichen Sonntagmorgen-Cartoon à la American Dragon oder Randy Cunningham: Der Ninja aus der 9. Klasse. Die Geschichte steckt voller Klischees aus dem Ninja- und Cartoonbereich und gibt auch sonst nicht wirklich viel Neues in den Topf.
Ist das aber schlimm? Auf keinen Fall. Diese nostalgische Vertrautheit gepaart mit toller Action macht aus dem Comic ein richtiges Wohlfühlabenteuer, das gegen Ende hin überraschend dunkel und traurig werden kann. Ohne zu viel zu spoilern, nimmt die Story sehr dramatische Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Auch mag ich sehr, wie man bekannte Figuren hier etwas neu interpretiert hat, ohne deren Charakterzüge zu sehr zu verlieren. Das kann im Spider-Verse mal passieren, hier aber nicht. Ein Comic, der sich anfühlt wie am Sonntag die Glotze anzumachen und eine neue Cartoonfolge nach der anderen zu bingen.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen von Kaare Andrews und Skottie Young in Spider-Man – Die Legende des Spider-Clans verstärken diesen Eindruck noch einmal deutlich. Wie in vielen Cartoons sind die Gesichter ausdrucksstark und voller Emotionen. Auch hat man es geschafft, eine stetig hohe Qualität zu schaffen, die ich gerne einmal als Cartoon adaptiert sehen möchte. Vor allem ein Highlight in den Panels sind die packenden Ninjakämpfe, die immer wieder zwischen krasser Action und epischen Momenten wechseln. Ein paar der Bilder hier sind wirklich unvergesslich. Hier ist wieder das Gleiche. Es ist wie heimkommen zum bekannten Cartoonfernsehen.

Fazit zu Spider-Man – Die Legende des Spider-Clans:
Der Comic verfolgt keinen Anspruch, das Spider-Verse neu zu definieren oder revolutionär zu erweitern. Stattdessen legt er den Fokus auf ein unterhaltsames Erlebnis, das vertraute Motive mit einer jugendlichen Ninja Atmosphäre verbindet. Diese Mischung sorgt für eine leichte und zugängliche Stimmung, die gerade Fans klassischer Cartoons sofort abholt.
Besonders gelungen ist die Art, wie die Geschichte eine nostalgische Vertrautheit erzeugt. Man fühlt sich schnell an Serien erinnert, die man früher am Wochenende geschaut hat. Dieses Gefühl von Heimeligkeit trägt den Comic und macht ihn zu einer Erfahrung, die man gerne in einem Rutsch liest. Auch wenn die Handlung nicht viel Neues wagt, bleibt sie spannend genug, um bis zum Schluss zu fesseln, und sie überrascht an bestimmten Stellen sogar mit sehr ernsten Momenten.
Die Figureninterpretationen gehören zu den stärksten Aspekten des Bandes. Bekannte Charaktere treten in Rollen auf, die anregend anders sind, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Dadurch wirkt die Welt des Spider-Clan lebendig und stimmig. Die Dynamik zwischen Peter und seinen Gegnern bietet sowohl Humor als auch emotionale Tiefe, was der Geschichte einen angenehmen Rhythmus verleiht.
Auch optisch überzeugt der Band ohne Einschränkung. Die Zeichnungen von Kaare Andrews und Skottie Young untermalen den Ton perfekt. Die lebhaften Gesichtsausdrücke, die klare Linienführung und die temporeichen Kampfszenen erzeugen ein ästhetisches Gesamtbild, das sehr gut zum erzählten Abenteuer passt. Manche Bilder bleiben dabei besonders lange im Gedächtnis.
Am Ende bleibt ein Comic, der nicht mit großen Ideen glänzt, sondern mit Herz und einer spürbaren Liebe zum klassischen Cartoon Flair. Spider-Man – Die Legende des Spider-Clans ist eine leichte, angenehme und gleichzeitig überraschend emotionale Reise. Wer Lust hat, den Netzkopf einmal in einer anderen Kultur und einem anderen Stil zu erleben, bekommt hier genau das richtige Abenteuer für einen gemütlichen Lesetag.
