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The Evil Within 2 bei uns im Test

Das ist kein Test, sondern ein Rezept!

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Ihr denkt, Videospiele zu entwickeln wäre schwer? Von wegen! Wir zeigen euch, wie ihr euer ganz eigenes Horrorspiel zuhause nachbacken könnt. Unser Test…äh…Rezept zu The Evil Within 2 auf der Xbox One.

Einmal Spielwelt süß-sauer, bitte

Man nehme einen psychisch labilen Elternteil, der der Spur seines totgeglaubten Kindes in eine, als US-amerikanische Kleinstadt manifestierte, Parallelwelt folgt und besetze dieses 80er-Jahre Vorstadt-Paradebeispiel voller Diners, Kinos und Gemeindezentren mit einem gut angerührten Gemisch aus traditionellen Zombies und japanisch angehauchten Langhaar-Monstern. Zwischendurch noch eine konfuse Verschwörung, herbeigeführt durch einen hochtechnologischen Mega-Konzern, hinzufügen. Backofen vorwärmen. Seid ihr mehr so Multitasking-mäßig unterwegs, könnt ihr nebenbei auch einen Film laufen lassen. Silent Hill zum Beispiel.

Die Spielwelt für zehn Minuten ruhen lassen und danach vorsichtig in kleine, mundgerechte Stücke brechen. Das sieht nicht nur wie bei Inception aus, ihr könnt das später auch als offene Spielwelt verkaufen, obwohl ihr ja nur größere Umgebungen anbietet. Fällt aber niemandem auf und spart Ladezeiten und eigene Ideen. Letztere übrigens bitte im Schrank stehen lassen, wir arbeiten bei The Evil Within 2 strikt nach Rezept. Außerdem werfen wir das fadenscheinige Open-World-Konzept nach der halben Speise eh wieder über Bord und werden etwas linearer, was aber auch irgendwie besser schmeckt. Wer jetzt noch richtig kreativ sein möchte, kann nach Belieben mit ein paar Sidequests verzieren. Trockenes Marzipan in peinlich-kleinen Mengen eignet sich hierfür am besten. Den Gaumen verwöhnende Nebenaktivitäten, wie die geisterhafte Anima, reichen wir später lieber komplett optional und durchaus verpassbar an. Ist ein bisschen wie bei einem Stück Donauwelle – da steckt die leckere Kirsche ja auch eher verborgen im Teig.

Ab in den Ofen mit der Spielwelt bis sie oben dunkel wird und eine leichte Filter-Optik annimmt. Eine zeitgemäße Grafik ist dabei auch gar nicht so wichtig, hauptsache dynamische Licht- und Schatteneffekte sorgen nachher für einen tollen Gesamteindruck von The Evil Within 2. Natürlich soll das kulinarische Kunstwerk später genauso gut klingen, weshalb wir uns für den Soundtrack noch an einer Prise stimmungstragender und aufreizender Klänge bedienen. Dafür bitte nur hochwertige Zutaten verwenden, für das Voice-Acting reicht allerdings eine Tüte aus dem Discounter.

Charakter nach Backform

In der Zwischenzeit nehmen wir uns die Charaktere vor. Backblech mit Folie auslegen und einzelne Figürchen formen. Für die NPCs bedient ihr euch am Strichmännchen-Prinzip, denn denen wollen wir nicht zu viel Persönlichkeit verleihen. Stereotyp, blass und mit steifen Animationen – das ist unser Ziel. Lasst aber noch genügend Platz auf dem Blech, jetzt sind die Hauptcharaktere von The Evil Within 2 dran. Für das verlorene Töchterchen könnt ihr ein ganz normales Mädchen formen und sie Alessa nennen. Hust…das war wohl das Backpulver. Unser Alter-Ego, Sebastian Castellanos, gestaltet ihr nach Vorlage des Erstlings – emotional, von Schuld getrieben und immer zur falschen Zeit überrascht oder viel zu gelassen. Damit es nicht langweilig wird, knetet ihr nun noch einen durchgeknallten Künstler, der unserer Hauptfigur das Leben schwermacht. Fehlt euch dafür die Vorstellungsgabe, schaut doch einfach mal bei Layers of Fear und Dishonored rein. Der Outsiderhust, hust…verdammtes Backpulver! Beim restlichen Artdesign könnt ihr euch jedenfalls ordentlich austoben, um ein paar verstörende Gegner und Bosse, sowie interessant anzusehende Umgebungen auf das Blech zu zaubern.

Jetzt aber flott zum Backofen, die Spielwelt müsste soweit fertig sein. Für den hippen, modernen Geschmack braucht es jetzt noch was? Genau, Loot! Keine Panik, dafür sollt ihr euch nichts besonderes einfallen lassen. Verteilt das Zeug einfach willkürlich in der Open-World von The Evil Within 2 und benutzt Goldfolie, damit die Komponenten gut sichtbar glänzen, das kennt ihr bestimmt aus The Last of Us. Das spätere Aufleveln von Waffen und Herstellen von Munition soll ja schließlich genauso funktionieren. In der Spielwelt gefundenes oder von besiegten Gegnern abgezapftes Gel heben wir uns diesmal ausschließlich zum Erlernen zahlreicher Fähigkeiten auf.

Kross & deftig

Für das Gameplay schlagt ihr nun noch zwei Eier auf. Dabei ist es wichtig, dass das eine aus Action-Haltung und das andere unbedingt von Stealth-Hühnern stammt. Beides miteinander vermischen und zu einer gleichmäßigen Masse verrühren. Im fertigen Produkt soll beides gleich stark vertreten sein und der Spieler stets die Wahl haben, ob er lieber schleicht oder die Waffe zückt. Wobei wir bei der Munition natürlich sparsam sind und das Stealth-System eher oberflächlich gestalten, was gerne mal dazu führt, dass geplante Schleichmanöver schiefgehen. Ansonsten halten wir uns in Sachen Steuerung und Movement ebenfalls eher an das traditionelle Resident Evil-Garverfahren – mindestens so zäh wie unser Teig.

Aber was soll’s, wo gehobelt wird fallen nun mal Späne. Und ihr seid doch bestimmt schon richtig am Schwitzen in der heimischen Küche. Läuft noch Silent Hill nebenbei und hatten die Flammenwerfer-Typen schon ihren Auftritt? Dann könnt ihr gerne noch so einen aus Teigresten kneten und mit in den Ofen schmeißen. Oh, fast vergessen – irgendwas okkultes darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Jetzt habt ihr das bestimmt gar nicht eingekauft, hm. Naja, vielleicht habt ihr stattdessen gute Nachbarn. Präsidententöchter oder Polizisten, die gerade aus Spanien kommen oder so. Leon Kennehust, hust…jetzt reicht’s aber mit dem Backpulver! Bestimmt hat der noch ein paar Kirchenähnliche Kreuze, jede Menge Kerzen und weiß wie das läuft, mit den wahnsinnigen Priestern und den kontrollierbaren Untertanen. Fragt auch bitte gleich nach einer Phiole mit Las Plagas-Viren, die sorgt selbst in The Evil Within 2 für die richtige Würze.

So, jetzt einfach nur noch alles aus dem Ofen raus, was noch nicht schwarz geworden ist, und gut miteinander verrühren. 10 bis 15 Stunden Küchenarbeit fallen für The Evil Within 2 ja auch schon ganz schön umfangreich aus. Wie, da fehlt noch was? Richtig, aber wahres Grusel-Feeling ist in unserem tollen Rezept gar nicht vorgesehen. Zwar versuchen wir, beim Servieren stets eine dichte Atmosphäre aufrecht zu erhalten, so richtig unheimlich wird es aber nie. Selbst die liebevoll eingebackenen Jump-Scares lassen uns irgendwann genauso kalt, wie all das angehäufte Geschirr in der Spüle. Eine gewisse Note Survival-Horror ist aber trotzdem noch zu schmecken. Beim Erkunden der offenen Spielwelt sollten wir uns nicht auf alle  Konfrontation einlassen, dafür aber jede Chance nutzen, uns in den Saferooms auszuruhen und die Vorräte aufzustocken. Größere, herumirrende Gegner versprühen sogar ein gewisses Stalker-Horror-Feeling – rechtzeitig verstecken und in Deckung gehen lautet hier die Devise. Na dann, guten Appetit!

The Evil Within 2 ist seit dem 13. Oktober 2017 für Xbox One, Playstation 4 und den PC erhältlich. Für den Standard-Preis von knapp 60 Euro, könnt ihr den Titel digital oder als physische Version im Handel erwerben.

Der Test, sowie alle Screenshots, basieren auf unserer Xbox One-Testversion von The Evil Within 2, die uns freundlicherweise von Publisher Bethesda zur Verfügung gestellt wurde.

 

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

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78%

Schmeckt eigentlich ganz gut!

Ein merkwürdiges Rezept, das als fertiges Endprodukt aber doch den Gaumen erfreut. Zugegeben, all die bekannten Zutaten hinterlassen schon einen komischen Beigeschmack und die fehlende, gruselige Konsistenz stößt uns auch sauer auf. Ein paar eigene und frische Beilagen hätten dem Mahl sicher gut getan. Am Ende ist man dann aber doch irgendwie satt und zufrieden. Sicher kein Drei Sterne-Menü, aber immer noch ganz lecker.

  • Grafik 80%
  • Sound 85%
  • Umfang 80%
  • Story/Atmosphäre 75%
  • Steuerung 70%

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
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