Avengers – Die Zeit läuft ab – Comic-Kritik

Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Avengers – Die Zeit läuft ab.

Erscheinungsdatum 13.10.2026 & 10.11.2026 
Zeichner Kev Walker, Mike Deodato Jr., Stefano Caselli, Valerio Schiti
Autor Jonathan Hickman 
Format Softcover
Seitenanzahl 520
Stories Avengers (2012) 35–44, New Avengers (2013) 24–33
Preis 33,00€ & 35,00€

Das Marvel-Universum hat im Laufe seiner Geschichte bereits zahlreiche gewaltige Ereignisse erlebt, doch nur wenige haben die gesamte Welt der Superhelden so nachhaltig erschüttert wie Secret Wars aus dem Jahr 2015. Das von Jonathan Hickman geschriebene Großereignis stellte einen der ambitioniertesten Wendepunkte der modernen Marvel-Geschichte dar und führte zahlreiche Handlungsstränge zusammen, die über Jahre hinweg aufgebaut worden waren. Im Zentrum dieses gewaltigen Vorhabens standen die Avengers, deren Geschichte weit über ein gewöhnliches Superheldenabenteuer hinausging. Mit Avengers – Die Zeit läuft ab legte Marvel den Grundstein für eine Entwicklung, die schließlich das Schicksal des gesamten Multiversums bestimmen sollte.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Aufeinandertreffen des klassischen Marvel-Universums, auch als Erde-616 bekannt, mit dem ursprünglichen Ultimate-Universum zu. Letzteres wurde Anfang der 2000er-Jahre als moderne Neuinterpretation bekannter Marvel-Helden geschaffen und brachte eigenständige Versionen von Figuren wie Spider-Man, den X-Men und den Avengers hervor. Was zunächst wie zwei voneinander unabhängige Welten erschien, wurde im Zuge der Ereignisse rund um Secret Wars zu einem zentralen Bestandteil einer Geschichte, deren Ausmaße kaum zu überschätzen sind. Hickman verknüpft dabei zahlreiche Entwicklungen zu einem großen Ganzen und schafft die Voraussetzungen für eines der bedeutendsten Marvel-Crossover überhaupt.

Auch über die Comicseiten hinaus besitzt diese Geschichte eine besondere Aktualität. Die Ereignisse und Ideen aus Avengers – Die Zeit läuft ab und dem anschließenden Secret Wars gelten als wichtige Inspiration für den kommenden Marvel-Film Avengers: Doomsday. Damit erhält die Geschichte auch für Kinofans eine zusätzliche Bedeutung, denn einige der grundlegenden Ideen, die damals in den Comics entwickelt wurden, könnten nun ihren Weg auf die große Leinwand finden. Grund genug, einen Blick auf die beiden Bände zu werfen, die den Auftakt zu diesem gewaltigen Marvel-Ereignis bilden und zeigen, wie aus einer scheinbar gewöhnlichen Avengers-Geschichte der Beginn einer Bedrohung für das gesamte Multiversum werden kann.

Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:

Das Ende des Multiversums rückt unaufhaltsam näher und die Existenz des gesamten Universums steht auf dem Spiel. Während Steve Rogers und SHIELD Jagd auf Reed Richards, Black Panther und weitere Verschwörer machen, die für die Rettung ihrer Welt offenbar zu drastischen Mitteln gegriffen haben, brechen Thor und Hyperion zu einer scheinbar aussichtslosen Mission in die Tiefen des Kosmos auf. Gleichzeitig ist Tony Stark spurlos verschwunden und auch Dr. Strange muss sich gewaltigen kosmischen Bedrohungen stellen. Die Ereignisse spitzen sich immer weiter zu, bis schließlich sogar Steve Rogers und Tony Stark auf gegnerischen Seiten stehen und eine letzte Schlacht unausweichlich wird. Doch während das Multiversum seinem Untergang entgegensteuert, könnte ausgerechnet Dr. Doom der Einzige sein, der noch einen Weg findet, die gesamte Existenz zu retten.

Wer diesen Comic kennt, braucht diese Review eigentlich gar nicht. Avengers – Die Zeit läuft ab vereint die Geschichten aus den Avengers– und New Avengers-Comics, die letztendlich in das 2015 erschienene Großereignis Secret Wars münden. Ein modernes Comic-Epos, das bis heute seine Wellen schlägt und durch die kommenden Kinofilme aktueller ist denn je. Zwar gab es bereits zuvor ein Event namens Secret Wars, doch das hier besprochene Ereignis legte den Grundstein für die Verschmelzung verschiedener Comicwelten und dafür, dass Charaktere aus dem Ultimate-Universum wie Miles Morales ihren Weg in das Hauptuniversum fanden. Gleichzeitig markiert es einen wichtigen Wendepunkt in der modernen Marvel-Geschichte, an dem ein über die Jahre immer komplexer gewordenes Comic-Universum neu geordnet und in eine neue Richtung gelenkt wurde.

Diese Hinführung zu Secret Wars ist meiner Meinung nach einfach nur episch. So viele Schlachten, Ideen und Momente der Hoffnungslosigkeit bauen eine ungemein hohe Spannung auf, wie ich sie selten zuvor bei einer übergreifenden Storyline erlebt habe. Hier wird deutlich, wie Marvel es schafft, eine große Geschichte über zahlreiche Einzelreihen hinweg zu entwickeln, immer weiter aufzubauen und schließlich zu einem gewaltigen Höhepunkt zu führen. Trotz des enormen Umfangs der beiden Bände hatte ich dabei nie das Gefühl, dass sich die Handlung unnötig in die Länge zieht. Vielmehr fühlte es sich wie eine Seifenoper an, von der man einfach nicht genug bekommt und die einem immer wieder vor Augen führt, wie viel tatsächlich auf dem Spiel steht.

Selbst wenn man nicht alle Figuren kennt, lässt sich der Geschichte erstaunlich leicht folgen. Für mich ist Avengers – Die Zeit läuft ab ein Meilenstein der Comicgeschichte und ein hervorragender Grund, anschließend direkt wieder Secret Wars zur Hand zu nehmen. Die gesamte Erzählung ist wirklich gelungen und zeigt eindrucksvoll, warum Jonathan Hickman zu den besten modernen Marvel-Autoren zählt. Nicht ohne Grund wurde ihm später auch die kreative Leitung des neuen Ultimate-Universums anvertraut.

Zeichnungen:

Bei den Zeichnungen der zahlreichen Künstler, die an Avengers – Die Zeit läuft ab beteiligt waren, fällt es mir leider schwer, uneingeschränkt ins Schwärmen zu geraten. Stilistisch ist das Ganze zwar klar in seiner Entstehungszeit verankert, doch gerade bei einem Comic-Epos dieser Größenordnung hätte ich mir visuell etwas mehr erhofft. Viele Zeichnungen wirken leider recht plump und austauschbar. Zwar gibt es immer wieder wirklich beeindruckende Panels, die mit atemberaubenden Motiven und starken Bildkompositionen punkten können, doch solche Highlights sind leider eher sporadisch gesät. Über weite Strecken fehlt es den Zeichnungen an dem kreativen Einfallsreichtum, den ich mir von einem solchen Großereignis wünschen würde.

Optisch macht das Ganze durchaus etwas her und sieht stellenweise richtig cool aus, keine Frage. Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl zurück, dass hier deutlich mehr möglich gewesen wäre. Gerade eine Geschichte mit derart gewaltigen Ausmaßen hätte meiner Meinung nach eine außergewöhnlichere visuelle Umsetzung verdient, statt sich so häufig auf die eher generische Bildsprache klassischer Superheldencomics zu verlassen. Da wäre definitiv mehr drin gewesen.

Fazit zu Avengers – Die Zeit läuft ab:

Avengers – Die Zeit läuft ab ist ein beeindruckendes Comic-Epos, das eindrucksvoll zeigt, wie sich eine über Jahre hinweg aufgebaute Geschichte zu einem gewaltigen Ereignis entwickeln kann. Jonathan Hickman gelingt es, zahlreiche Handlungsstränge und Figuren miteinander zu verknüpfen und daraus eine packende Erzählung zu erschaffen, die das Schicksal des gesamten Marvel-Multiversums auf dem Spiel stehen lässt. Die stetige Eskalation, die zahlreichen Wendungen und das Gefühl, dass jederzeit alles verloren gehen könnte, sorgen für eine durchgehend hohe Spannung. Trotz des enormen Umfangs der beiden Bände kommt dabei kaum Langeweile auf. Vielmehr entwickelt die Geschichte einen regelrechten Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Besonders beeindruckend ist dabei, wie konsequent Hickman auf Secret Wars hinarbeitet und aus den verschiedenen Handlungssträngen ein großes Ganzes formt. Auch ohne jede einzelne Figur oder sämtliche Hintergründe zu kennen, lässt sich dem Geschehen gut folgen. Für Marvel-Fans ist diese Sammlung ohnehin ein echtes Highlight und eine hervorragende Gelegenheit, eines der wichtigsten Comic-Ereignisse der modernen Marvel-Geschichte noch einmal zu erleben oder überhaupt erst kennenzulernen. Lediglich die Zeichnungen können nicht durchgehend überzeugen. Zwar gibt es immer wieder visuell beeindruckende Momente, insgesamt fehlt es der künstlerischen Umsetzung jedoch an der Besonderheit, die eine Geschichte dieser Größenordnung verdient hätte.

Unterm Strich überwiegen aber ganz klar die Stärken. Avengers – Die Zeit läuft ab ist ein mitreißender Auftakt zu einem der bedeutendsten Marvel-Crossover überhaupt und macht große Lust darauf, direkt mit Secret Wars weiterzulesen. Ein absolutes Muss für Marvel-Fans und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was ein langfristig geplantes Comic-Epos leisten kann.

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