Daredevil/Punisher – Im Visier des Teufels – Comic-Kritik

Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Daredevil/Punisher – Im Visier des Teufels.

Erscheinungsdatum 29.09.2026 
Zeichner Tommaso Bianchi
Autor Jimmy Palmiotti
Format Softcover
Seitenanzahl 120
Stories Daredevil/Punisher: The Devil’s Trigger (2025) 1–5
Preis 16,00€

New York ist eine Stadt voller Verbrechen, Korruption und Gewalt. Während Daredevil und der Punisher beide gegen die dunklen Seiten der Metropole kämpfen, könnten ihre Vorstellungen von Gerechtigkeit kaum unterschiedlicher sein. Hinter der Maske von Daredevil verbirgt sich Matt Murdock, ein blinder Anwalt, der dank seiner außergewöhnlich geschärften Sinne nachts als maskierter Held durch Hell’s Kitchen zieht. Er glaubt daran, dass selbst die schlimmsten Verbrecher vor Gericht gestellt werden müssen, und weigert sich deshalb, seine Gegner einfach zu töten. Frank Castle, besser bekannt als Punisher, verfolgt dagegen einen deutlich kompromissloseren Ansatz. Nachdem er seine Familie durch brutale Gewalt verloren hat, führt er einen unerbittlichen Rachefeldzug gegen das Verbrechen. Für ihn sind tödliche Waffen und endgültige Konsequenzen legitime Mittel, um Kriminelle aufzuhalten.

Diese gegensätzlichen Überzeugungen machen die Begegnungen zwischen Daredevil und dem Punisher besonders reizvoll. Obwohl beide die Unschuldigen beschützen und Verbrecher zur Rechenschaft ziehen wollen, geraten sie immer wieder aneinander, sobald es um die Wahl ihrer Mittel geht. Während Daredevil an Recht und Moral festhält, sieht Castle wenig Sinn darin, gefährliche Täter am Leben zu lassen. Aus diesem Konflikt entstehen Geschichten, die weit über gewöhnliche Superheldenkämpfe hinausgehen und grundlegende Fragen nach Gerechtigkeit, Rache und moralischen Grenzen aufwerfen. Gerade weil keiner der beiden bereit ist, seine Überzeugungen leichtfertig aufzugeben, verspricht auch Daredevil/Punisher – Im Visier des Teufels eine spannende Auseinandersetzung zweier Männer, die zwar dasselbe Ziel verfolgen, aber völlig unterschiedliche Wege einschlagen.

Dass der Comic unter dem Label Marvel Knights erscheint, weckt zusätzliche Erwartungen. Das Ende der 1990er-Jahre ins Leben gerufene Label machte sich mit Geschichten einen Namen, die bekannte Marvel-Helden in einem düstereren, erwachseneren Umfeld präsentierten. Statt ausschließlich auf spektakuläre Kämpfe und klassische Superheldenaction zu setzen, standen häufig die psychologischen Konflikte der Figuren, moralische Grauzonen und die raue Realität hinter den Masken im Mittelpunkt. Besonders Daredevil und der Punisher passen mit ihren Geschichten zwischen Kriminaldrama und Superheldencomic hervorragend zu diesem Ansatz. Die Kombination aus ihren unterschiedlichen Weltanschauungen und dem traditionsreichen Marvel-Knights-Label macht Daredevil/Punisher – Im Visier des Teufels daher zu einer interessanten Veröffentlichung für alle, die düstere Marvel-Geschichten mit starken Charakterkonflikten schätzen.

Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:

Wenn Daredevil und der Punisher aufeinandertreffen, ist ein explosiver Konflikt vorprogrammiert. Während Frank Castle die mächtige Familie Gnucci ins Visier nimmt und seinen gnadenlosen Feldzug gegen das organisierte Verbrechen führt, droht Hell’s Kitchen zum Schauplatz einer verheerenden Auseinandersetzung zu werden. Zwischen brutaler Selbstjustiz und Daredevils unerschütterlichem Glauben an Gerechtigkeit prallen zwei völlig unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander. Matt Murdock muss alles daransetzen, die eskalierende Gewalt einzudämmen, bevor der erbitterte Kampf das Viertel in Schutt und Asche legt.

Ich glaube, zur grundsätzlichen Ausgangslage muss ich euch nicht viel erzählen: Wenn Daredevil und der Punisher aufeinandertreffen, ist das einfach immer geil. Ohne Wenn und Aber. Die beiden sind zusammen so freaking cool und geraten von einem actionreichen Moment in den nächsten. Noch viel besser ist, dass die Geschichte unter dem Marvel-Knights-Banner erscheint. Dadurch sind die Autoren nicht an den Hauptkanon gebunden und können sich in ihrem eigenen Universum austoben. So richtig merkt man davon zwar nicht viel, weil das Ganze trotzdem wie eine klassische Rivalitätsgeschichte zwischen den beiden wirkt, aber hey, solange es brutal wird und die beiden mit ihren unterschiedlichen Ansichten aneinandergeraten, ist mir der Rest eigentlich egal.

Allerdings solltet ihr auch keine allzu tiefgründige Story erwarten. Geboten wird eine klassische Gangstergeschichte mit einer Prise Kritik am System, die bei Daredevil und dem Punisher ohnehin immer mitschwingt. Aber ganz ehrlich: Mehr brauche ich hier nicht. Es wäre zwar cool, wenn die Geschichte mal etwas Neues ausprobieren würde, aber ich sage auch nicht Nein, wenn Castle reihenweise Leute niedermäht und Matt durchgehend Aura farmt. Ein super Comic für Fans der beiden Figuren und für alle, die zumindest die Kreativität in den Panels zu schätzen wissen.

Zeichnungen:

Kreativität in den Panels ist hierbei genau das richtige Stichwort. Die Zeichnungen von Tommaso Bianchi in Daredevil/Punisher – Im Visier des Teufels sind so verdammt gut, dass mir die ziemlich oberflächliche Gangstergeschichte beinahe egal ist. Jedes Bild steckt voller Details, die Actionszenen sind großartig anzusehen und alles sprüht nur so vor kreativer Energie und Dynamik. Die Atmosphäre ist durchgehend düster und lässt dennoch Raum für Hoffnung. Die Geschichte ist brutal, bietet aber auch ruhigere Momente. Das ist einfach der perfekte Mix für einen solchen Comic, dessen Inszenierung hervorragend vermittelt, wie die beiden Figuren ticken. Auch die Farbwahl erinnert mich stark an die ursprüngliche Netflix-Serie von Daredevil, was natürlich immer ein gutes Zeichen ist.

Unterm Strich sind das großartige Zeichnungen für einen verdammt spaßigen Comic mit zwei der brutalsten Beschützer New Yorks. Wer Daredevil und den Punisher gerne gemeinsam in Aktion sieht und vor allem Wert auf dynamische, detailreiche Bilder legt, kommt hier voll auf seine Kosten.

Fazit zu Daredevil/Punisher – Im Visier des Teufels:

Daredevil/Punisher – Im Visier des Teufels ist genau die Art von Comic, die man sich von einem Aufeinandertreffen dieser beiden Marvel-Ikonen erhofft. Frank Castle und Matt Murdock geraten einmal mehr wegen ihrer völlig unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit aneinander, während die Geschichte mit reichlich Action und brutalen Konfrontationen aufwartet. Tiefgründige Charakterstudien oder eine besonders innovative Handlung sollte man dabei allerdings nicht erwarten. Die Gangstergeschichte bleibt eher oberflächlich und bedient sich vertrauter Elemente, die man von den beiden Figuren bereits kennt. Das ist zwar schade, fällt angesichts des hohen Unterhaltungswerts aber kaum ins Gewicht.

Das absolute Highlight sind ohnehin die Zeichnungen von Tommaso Bianchi. Die Panels stecken voller Details, die Actionszenen besitzen eine enorme Dynamik und die düstere Farbgebung erinnert stellenweise an die Daredevil-Serie von Netflix. Dabei gelingt es Bianchi, sowohl die Brutalität des Punishers als auch Daredevils Kampfgeist hervorragend einzufangen. Die visuelle Inszenierung verleiht dem Comic eine enorme Energie und macht selbst die vorhersehbareren Momente zu einem echten Hingucker.

Wer eine ausgeklügelte Geschichte mit überraschenden Wendungen sucht, dürfte deshalb eher enttäuscht werden. Wer hingegen Lust auf einen actionreichen Schlagabtausch zwischen Daredevil und dem Punisher hat und sich für ausdrucksstarke Zeichnungen begeistern kann, bekommt hier genau das Richtige. Daredevil/Punisher – Im Visier des Teufels erfindet das Zusammenspiel der beiden Figuren zwar nicht neu, macht aber verdammt viel Spaß und beweist, dass eine vertraute Geschichte mit der richtigen visuellen Umsetzung trotzdem überzeugen kann.

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