Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Gwenpool.
| Erscheinungsdatum | 24.03.2026 |
| Zeichner | Stefano Nesi |
| Autor | Cavan Scott |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 120 |
| Stories | Gwenpool (2024) 1–5 |
| Preis | 16,00€ |
Das Marvel-Universum ist bekannt für außergewöhnliche Helden und ungewöhnliche Konzepte, doch nur wenige Figuren sind so einzigartig wie Gwenpool. Hinter dem auffälligen weiß-pinken Kostüm steckt die junge Gwendolyn Poole, die ursprünglich aus einer Welt stammt, in der Marvel-Comics lediglich fiktive Geschichten sind. Durch mysteriöse Umstände findet sie sich jedoch plötzlich selbst im Marvel-Universum wieder und verfügt dadurch über ein Wissen, das keinem anderen Helden oder Schurken zugänglich ist. Sie kennt die Figuren, ihre Hintergründe und viele Ereignisse, die für andere noch verborgen sind.
Diese besondere Ausgangslage macht Gwenpool zu weit mehr als einer gewöhnlichen Heldin. Ihre Fähigkeiten beruhen nicht auf übermenschlicher Stärke oder kosmischen Kräften, sondern auf ihrem einzigartigen Verständnis dafür, dass sie sich innerhalb einer Comicwelt befindet. Dadurch kann sie die Regeln der Erzählung auf eine Weise wahrnehmen und teilweise sogar beeinflussen, die für andere Charaktere unmöglich erscheint. Das sorgt für zahlreiche kreative, humorvolle und oft überraschende Momente, die sie schnell zu einer der ungewöhnlichsten Figuren der modernen Marvel-Ära gemacht haben.
Was zunächst wie eine verrückte Idee klingt, entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem echten Publikumsliebling. Gwenpool verbindet Meta-Humor, Action und eine gehörige Portion Selbstironie zu einem Konzept, das sich deutlich von klassischen Superheldengeschichten abhebt. Ob dieser besondere Ansatz auch im vorliegenden Band überzeugen kann, zeigt die folgende Rezension.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!
Inhalt:
Eigentlich schien Gwendolyne Poole ihr Leben als Comic-Heldin in vollen Zügen zu genießen. Die quirlige Außenseiterin aus der realen Welt, die einst im Marvel-Universum landete, meisterte ihre Abenteuer stets mit Humor und einer gehörigen Portion Chaos. Doch plötzlich ist nichts mehr wie zuvor. Gwen wirkt verändert: finsterer, unberechenbarer und gefährlicher als je zuvor. Während ihr Verhalten immer beunruhigendere Ausmaße annimmt, tauchen Fragen auf, die tief in die Vergangenheit des Marvel-Kosmos führen. Welche Verbindung besteht zu Gwen Stacy, Spider-Mans tragisch verstorbener großer Liebe? Und wer zieht als geheimnisvoller Architekt im Hintergrund die Fäden? Die Antworten auf diese Fragen führen zu einer Enthüllung, die alles auf den Kopf stellt.
Gwenpool ist kein Comic, der das Medium mit bahnbrechenden Ideen neu erfindet. Viele seiner Konzepte hat man in ähnlicher Form bereits gesehen, und selbst die auf den ersten Blick kreative Grundidee rund um eine weitere Variante von Gwen Stacy ist längst nicht mehr neu. Genau daraus zieht der Band jedoch einen großen Teil seiner Stärke. Das Brechen der vierten Wand wird hier auf intelligente Weise eingesetzt und mit einer eher klassischen Comic-Erzählung verbunden. Das Ergebnis ist von der ersten bis zur letzten Seite unterhaltsam und sorgt für ein rundum gelungenes Leseerlebnis. Zwar erfindet der Comic das Rad nicht neu, liefert dafür aber einen kurzweiligen und charmanten Leckerbissen für zwischendurch, der besonders Comicfans gefallen dürfte. Ein gelungenes Debüt, das Lust auf mehr macht, denn in der Figur Gwenpool steckt ohne Zweifel noch jede Menge ungenutztes Potenzial.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen von Stefano Nesi machen in Gwenpool richtig viel Spaß. Es fällt sogar etwas schwer zu erklären, warum das so ist. Der Stil wirkt auf den ersten Blick recht standardisiert, gleichzeitig aber so bewusst gewählt, dass er beinahe wie ein Kommentar auf klassische Superheldencomics erscheint. Genau dadurch passt er hervorragend zum Konzept der Geschichte. Die überzeichneten Emotionen unterstützen das Brechen der vierten Wand zusätzlich und verleihen den oft absurden Handlungsmomenten die nötige Übertreibung. Das Ergebnis ist energiegeladen, lebendig und durchweg unterhaltsam anzusehen. Obwohl die Zeichnungen nicht vor Kreativität übersprudeln, fällt es schwer, ihnen das übelzunehmen, weil der Stil so clever mit den erzählerischen Ideen des Comics harmoniert.
Fazit zu Gwenpool:
Gwenpool ist ein unterhaltsamer Comic, der seine größte Stärke nicht aus innovativen Ideen, sondern aus deren cleverer Umsetzung zieht. Die Geschichte kombiniert klassische Superheldenelemente mit dem für die Figur typischen Meta-Humor und dem ständigen Spiel mit den Regeln des Mediums. Dadurch entsteht ein Abenteuer, das sich zwar vertraut anfühlt, aber dennoch genügend eigene Akzente setzt, um bis zum Schluss zu fesseln.
Besonders gelungen ist dabei die Art und Weise, wie Gwenpools Fähigkeit, die vierte Wand zu durchbrechen, in die Handlung eingebunden wird. Statt sich ausschließlich auf Gags und Selbstreferenzen zu verlassen, nutzt der Comic dieses Konzept, um eine spannende Geschichte zu erzählen, die immer wieder mit den Erwartungen der Leser spielt. Das sorgt für viele unterhaltsame Momente und verleiht dem Band einen ganz eigenen Charme.
Auch visuell weiß der Comic zu überzeugen. Die energiegeladenen Zeichnungen von Stefano Nesi unterstützen den humorvollen und leicht überdrehten Ton der Geschichte perfekt. Obwohl der Stil nicht durch außergewöhnliche Experimente auffällt, harmoniert er hervorragend mit dem erzählerischen Ansatz und trägt wesentlich zum Lesespaß bei.
Wer auf kreative Superheldengeschichten mit einer guten Portion Meta-Humor steht, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Gwenpool erfindet das Rad nicht neu, beweist aber eindrucksvoll, wie viel Unterhaltung in bekannten Ideen stecken kann, wenn sie mit genügend Herz, Witz und Verständnis für das Medium umgesetzt werden. Ein kurzweiliger Band, der Lust auf weitere Abenteuer der ungewöhnlichen Heldin macht.