Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Spider-Man 1 & 2.
| Erscheinungsdatum | 09.12.2025 / 13.01.2026 |
| Zeichner | Pepe Larraz, John Romita Jr. |
| Autor | Joe Kelly, Al Ewing, Kevin Smith |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 48 pro Band |
| Stories | Amazing Spider-Man (2025) 1-3, FCBD 2025: Amazing Spider-Man/Ultimate Universe (I, III) |
| Preis | 5,99€ pro Band |
Mit Spider-Man existiert seit Jahrzehnten eine der greifbarsten und zugleich tragischsten Figuren der Comicgeschichte. Hinter der Maske steckt mit Peter Parker kein unantastbarer Held, sondern ein junger Mann, der immer wieder versucht, Verantwortung und persönliches Glück miteinander zu vereinen und dabei regelmäßig scheitert. Genau diese Mischung aus großen Heldentaten und sehr menschlichen Rückschlägen hat Spider-Man zu einer Ikone gemacht, die Generationen von Lesern begleitet hat.
Doch Stillstand war für Peter noch nie eine Option. Nach den vielen Höhen und vor allem Tiefen der vergangenen Jahre steht er einmal mehr an einem Wendepunkt. Der Wunsch, endlich wieder so etwas wie Normalität zu finden, wirkt fast wie ein leiser Neuanfang. Ein geregelter Job, ein stabiler Alltag, vielleicht sogar ein bisschen Kontrolle über ein Leben, das ihm allzu oft entgleitet ist. Dass genau dieser Versuch selten lange gutgeht, gehört fast schon zur DNA der Figur und macht die Ausgangslage umso spannender.
Mit den ersten beiden Ausgaben dieser neuen Reihe beginnt genau hier ein frisches Kapitel, das sich bewusst auf die Wurzeln besinnt und gleichzeitig neue Wege einschlägt. Es ist der Auftakt zu Geschichten, die nicht nur actionreich, sondern auch emotional wieder näher an Peter Parker heranrücken wollen. Was dabei gut funktioniert, wo die Reihe überrascht und ob dieser Neustart wirklich das Potenzial hat, Spider-Man langfristig neu zu definieren, genau das lohnt sich im weiteren Verlauf der Kritik genauer unter die Lupe zu nehmen.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!
Inhalt:
Peter Parker steht an einem Wendepunkt und versucht verzweifelt, im wissenschaftlichen Bereich endlich wieder Fuß zu fassen. Gleichzeitig gerät die Stadt ins Chaos, als der unaufhaltsame Rhino blind vor Wut durch die Straßen wütet und Spider-Man zum Eingreifen zwingt. Als wäre das nicht genug, wird Peter von einer unerklärlichen, alles verzehrenden Angst heimgesucht, die ihn zunehmend an den Rand des Wahnsinns treibt und ihn selbst an seinen Kräften zweifeln lässt. Während sein neues Leben und seine Beziehung auf der Kippe stehen, taucht zudem eine erbarmungslose Spinnengegnerin auf, die keinerlei Gnade kennt und Spider-Man in einen Kampf zwingt, der ihn mehr kosten könnte als nur seine Kräfte.
Ja, die neue Spider-Man-Serie ist eine Art Neuanfang. Dadurch, dass Peter nun wieder versucht, ins Berufsleben zurückzukehren, bekommen wir erneut einen gebrochenen Mann zu sehen, der ständig versucht, Privatleben und Superheldendasein miteinander zu vereinen, doch irgendwie will es einfach nicht klappen. Ein Problem jagt das nächste. Das ist ein sehr klassischer Spider-Man-Aufbau und funktioniert auch nach all dieser Zeit noch erstaunlich gut. Besonders stark sind hier jedoch die neuen Einblicke in Peters Vergangenheit. Seine rebellische Phase in der Jugend und die Freunde, die ihn damals geprägt haben, verleihen ihm zusätzliche Tiefe und zeigen, dass auch er nicht vor den Tücken der Pubertät verschont geblieben ist.
Auch gefällt mir die Einarbeitung von Norman Osborns neuem Charakter sehr gut. Er ist nun geläutert und vom Green Goblin befreit, was ihn zu einem ungewohnten Verbündeten macht, eine Darstellung, die man in Ansätzen bereits in Spider-Man: No Way Home und der neuesten Animationsserie sehen konnte, wenn auch nie ganz so konsequent wie hier. Hinzu kommt mit Itsy Bitsy eine Figur, die seit dem Deadpool/Spider-Man-Crossover von 2016 nicht mehr aufgetaucht ist. Insgesamt ergibt sich daraus eine richtig spannende Mischung, die viel Hoffnung in diese neue Serie setzt, auch wenn sie sich langfristig erst noch beweisen muss.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen in Spider-Man 1 & 2 sind, wie so oft bei Geschichten rund um den Wandkrabbler, eine dynamische Wucht voller energiegeladener Actionsequenzen und starker Emotionen. Besonders das Farbspiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit verleiht dem Neustart eine eigene visuelle Identität. Natürlich gibt es hier und da auch etwas steif wirkende Panels, diese werden jedoch immer wieder durch beeindruckende, ikonische Bilder aufgefangen, die perfekt zum Charakter von Spider-Man passen. Was viele Künstler bei Spider-Man immer wieder schaffen, würde man sich in dieser Form auch in anderen Comics häufiger wünschen.
Fazit zu Spider-Man 1 & 2:
Unterm Strich liefern die ersten beiden Ausgaben genau das, was man sich von einem Spider-Man-Neustart erhofft: eine gelungene Rückbesinnung auf die Stärken der Figur, ohne dabei altbacken zu wirken. Die Geschichte setzt bewusst auf bekannte Elemente wie Peters struggle zwischen Alltag und Heldendasein, schafft es aber dennoch, durch neue Perspektiven und frische Ideen genug Eigenständigkeit zu entwickeln, um neugierig auf mehr zu machen. Gerade die stärkere Fokussierung auf seine Vergangenheit und die emotionalen Konflikte geben dem Ganzen eine zusätzliche Tiefe, die sofort greifbar ist.
Auch auf der Figurenebene funktioniert vieles erstaunlich gut. Die neue Dynamik rund um Norman Osborn bringt eine ungewohnte, aber spannende Facette ins Spiel, während Figuren wie Itsy Bitsy zeigen, dass man keine Angst davor hat, auch weniger präsente Charaktere wieder sinnvoll einzubauen. Diese Mischung aus Vertrautem und Neuem sorgt dafür, dass sich die Reihe frisch anfühlt, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.
Kleinere Schwächen, etwa in der Inszenierung mancher Panels oder im sehr klassischen Aufbau, fallen dabei kaum ins Gewicht, da sie durch die starke Atmosphäre und die gelungenen Charaktermomente mehr als ausgeglichen werden. Vielmehr unterstreichen sie sogar ein Stück weit den traditionellen Spider-Man-Charme, der hier bewusst beibehalten wird.
Am Ende bleibt ein sehr solider Auftakt, der vor allem durch seine emotionale Nähe zu Peter Parker und seinen klaren Fokus überzeugt. Die Reihe steht noch am Anfang, doch das Fundament ist gelegt und macht definitiv Lust auf die kommenden Ausgaben. Wenn es gelingt, die aufgebauten Themen konsequent weiterzuführen, könnte sich hier eine wirklich spannende neue Ära für Spider-Man entwickeln.