Spider-Man Noir – Comic-Kritik

Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Spider-Man Noir.

Erscheinungsdatum 28.07.2026 
Zeichner Andrea Broccardo, Marika Cresta
Autor Erik Larsen
Format Softcover
Seitenanzahl 120
Stories Spider-Man Noir (2025) 1–5
Preis 16,00€

Spider-Man gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und beliebtesten Superhelden überhaupt. Doch neben Peter Parker aus dem klassischen Marvel-Universum existieren zahlreiche alternative Versionen der Figur, die ganz eigene Wege gehen. Eine der faszinierendsten Varianten ist ohne Zweifel Spider-Man Noir. Statt bunter Kostüme und moderner Großstadttechnik erwartet Leser hier ein düsteres New York der 1930er Jahre, geprägt von Kriminalität, Korruption und einer Atmosphäre, die direkt aus alten Film-Noirs stammen könnte. Gerade dieser starke Kontrast zum vertrauten Spider-Man macht den Charakter seit seinem ersten Auftritt so besonders.

Im Laufe der Jahre hat Spider-Man Noir eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Die Figur musste in den Comics nicht nur zahlreiche Gefahren überstehen, sondern sogar den Tod erleiden, ehe sie auf ungewöhnliche Weise zurückkehrte und gewissermaßen eine Wiedergeburt erfuhr. Diese wechselvolle Geschichte zeigt, dass Spider-Man Noir weit mehr ist als nur eine alternative Version eines bekannten Helden. Er besitzt eine eigene Mythologie, die ihn von vielen anderen Varianten des Netzschwingers abhebt.

Seine größte Popularität erreichte Spider-Man Noir jedoch außerhalb der Comics. Durch die erfolgreichen Spider-Verse-Filme wurde die Figur einem weltweiten Publikum bekannt und entwickelte sich rasch zum Fanliebling. Vor allem die markante Darstellung und die Stimme von Nicolas Cage hinterließen einen bleibenden Eindruck. Dass Cage nun auch die Hauptrolle in einer eigenen Live-Action-Serie für Prime übernimmt, zeigt eindrucksvoll, welchen Stellenwert Spider-Man Noir inzwischen erreicht hat. Doch was macht den düsteren Helden eigentlich so reizvoll und kann seine aktuelle Comic-Reihe an den besonderen Charme der Figur anknüpfen? Genau dieser Frage widmet sich die folgende Kritik.

Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:

New York, 1939: Zwischen verrauchten Bars, dunklen Gassen und der allgegenwärtigen Macht des organisierten Verbrechens ermittelt Privatdetektiv Peter Parker als maskierter Spider-Man. Mit Hut, Mantel und Pistolen nimmt er es mit den Gangstern der Stadt auf, bis eines Tages Gwen Stacy in seinem Büro auftaucht. Sie will, dass Peter den Mord an ihrem Vater aufklärt. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Auftrag wirkt, entwickelt sich jedoch schnell zu einem gefährlichen Netz aus Lügen, Gewalt und Korruption. Während Peter bei seinen Ermittlungen immer tiefer in die Unterwelt New Yorks eintaucht und Gwen ihm dabei zunehmend näherkommt, führt ihn die Spur schließlich zu einer skrupellosen Organisation, die vor nichts zurückschreckt: der tödlichen Scorpion Gang.

Spider-Man Noir schafft tatsächlich direkt eine Sache, die ich nicht erwartet hätte: Die Reihe fängt die Noir-Atmosphäre hervorragend ein und erzählt einen spannenden und reizvollen Fall, den man von Anfang bis Ende gerne mitverfolgt. Dabei wird Gwen sinnvoll in dieses Universum eingeführt und die Geschichte wartet mit einigen gelungenen Twists auf, die man nur zum Teil vorhersehen kann. Schade ist lediglich, dass sich vor allem der letzte große Twist recht einfach erahnen lässt.

Besonders gut gefallen haben mir dafür die Actionsequenzen und die teilweise herrlich „ragebaitenden“ Dialoge von Peter. Dadurch wirkt die Figur wie eine deutlich erwachsenere Version des bekannten Spider-Man, die zudem Waffen in ihrem Arsenal verwendet. Genau diese Mischung verleiht ihm eine ganz eigene Note und passt hervorragend zu diesem düsteren Szenario.

Hier und da muss ich allerdings zugeben, dass sich die Geschichte etwas zu sehr am üblichen Spider-Man-Mythos bedient. Tante May, die immer wieder die große Verantwortungskarte ausspielt, oder MJ, die mit ihren kecken Sprüchen um die Ecke kommt, fühlen sich doch sehr nach klassischen Spider-Man-Elementen an. Letztlich ist es eben immer noch Spider-Man. Gleichzeitig wirkt diese Iteration der Figur deutlich gebrochener, was nicht zuletzt an ihrer düsteren Umwelt liegt.

Dann sind da natürlich auch noch die Nazis. Und sind wir ehrlich: Wenn Nazis verkloppt werden, macht es doch immer Spaß.

Auch das Ende hat mich zunächst etwas stutzig gemacht. Ich bin mir gar nicht einmal sicher, ob man daran problemlos anknüpfen kann. Und wisst ihr was? Das ist eigentlich sogar ganz gut. Dadurch fühlt sich die Geschichte angenehm abgeschlossen und eigenständig an. Unterm Strich bekommt man hier einen richtig guten Spider-Man-Noir-Krimi, der die besondere Atmosphäre der Figur hervorragend einfängt.

Zeichnungen:

Die Zeichnungen von Andrea Broccardo und Marika Cresta stecken voller Details und erwecken die Noir-Welt in jedem Panel zum Leben. Dabei zeigt sich direkt, dass dieses Universum nicht zwingend komplett schwarz-weiß sein muss, wenn man die richtigen Farben verwendet und eine besonders dichte Atmosphäre erzeugt.

Die Charaktere sind allesamt hervorragend designt und immer wieder entstehen Panels, die kleinen Kunstwerken gleichen und an denen man einfach hängen bleibt. Ein besonderes Highlight ist dabei die Dynamik der Kämpfe. Diese wechseln sich hervorragend mit den Dialogen ab und sorgen für ein insgesamt äußerst unterhaltsames Leseerlebnis.

Wer hier der Meinung ist, es gäbe für die Augen nichts zu entdecken, sollte sich vielleicht eher Gedanken über seine Sehkraft machen. Die Zeichnungen sind von vorne bis hinten wirklich gelungen und tragen einen großen Teil dazu bei, dass Spider-Man Noir so stimmungsvoll funktioniert.

Fazit zu Spider-Man Noir:

Spider-Man Noir gelingt etwas, das bei alternativen Versionen bekannter Helden längst nicht selbstverständlich ist: Die Reihe fühlt sich tatsächlich wie eine eigenständige Interpretation der Figur an. Die düstere Noir-Atmosphäre, der spannende Kriminalfall und ein deutlich erwachsenerer Peter Parker passen hervorragend zusammen und sorgen dafür, dass man den Ermittlungen von der ersten bis zur letzten Seite gerne folgt. Auch wenn sich einige Elemente sehr stark am bekannten Spider-Man-Mythos orientieren, funktioniert die Mischung aus Vertrautem und Neuem erstaunlich gut.

Besonders überzeugen kann der Comic dabei durch seine Atmosphäre und die gelungenen Zeichnungen. Andrea Broccardo und Marika Cresta verleihen New York eine unglaublich dichte Stimmung und lassen die Welt trotz ihrer düsteren Grundausrichtung immer wieder visuell beeindruckend wirken. Hinzu kommen dynamische Actionsequenzen und Dialoge, die Peter eine angenehm raue und bissige Persönlichkeit verleihen. Gerade diese Mischung macht den Comic zu deutlich mehr als einem gewöhnlichen Superhelden-Abenteuer.

Natürlich ist Spider-Man Noir nicht vollkommen. Einige Wendungen sind vorhersehbar und gerade beim letzten großen Twist hätte die Geschichte gerne etwas mutiger sein dürfen. Auch manche Figuren und Elemente wirken so vertraut, dass man sich gelegentlich fragt, wie viel Noir tatsächlich in dieser Version steckt und wie viel klassischer Spider-Man geblieben ist. Trotzdem sind das letztlich nur kleinere Schwächen einer ansonsten sehr gelungenen Interpretation.

Wer Spider-Man Noir bisher vor allem aus den Spider-Verse-Filmen kennt, bekommt hier einen hervorragenden Einblick darin, warum die Figur auch abseits ihrer berühmten Filmauftritte so gut funktioniert. Der Comic verbindet Krimi, Superheldengeschichte und klassische Noir-Elemente zu einem unterhaltsamen Gesamtpaket und macht dabei definitiv Lust auf mehr. Ein düsterer, brutaler und atmosphärisch starker Spider-Man, der zeigt, dass sich mit der Figur auch nach all den Jahrzehnten noch interessante Geschichten erzählen lassen.

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