Entwickler Leap Studio schickt sein Action-Roguelite Realm of Ink nach einer langen Early-Access-Phase in die Version 1.0. Das Genre hat in den vergangenen Jahren enorm an Popularität gewonnen. Doch hat der Early Access dem Spiel tatsächlich gutgetan? Wir stürzen uns in die chinesisch inspirierte Fantasy-Tintenwelt und finden es für euch heraus.
Ein Buch, sie zu knechten
Unsere Protagonistin Red ist eine talentierte Schwertkämpferin, die sich auf den Weg macht, Dämonen zu besiegen. Eines Tages erfährt sie jedoch, dass sie selbst in einer Welt aus Tinte gefangen ist. Ihr Wille ist offenbar nicht so frei, wie sie immer dachte. Um aus diesem Gefängnis zu entkommen, muss sie sich gegen den geheimnisvollen Meister stellen, der das Buch schreibt.
Mit jedem Tod erfahren wir mehr über Reds Geschichte, ihre Begleiter und Helfer, aber auch über die Bosse, denen wir uns auf unserem Weg stellen.
Für ein Roguelite bietet Realm of Ink damit eine durchaus interessante Ausgangslage. Durch mehrere Runs lernen wir nach und nach mehr über die Geschichte und die Hintergründe der Tintenwelt sowie ihrer Bewohner. Dabei hat sich Realm of Ink offensichtlich von Hades inspirieren lassen – nicht nur beim Gameplay, sondern auch bei der Art und Weise, wie die Geschichte Stück für Stück weitererzählt wird.
Leider fehlt der Geschichte dabei manchmal ein klarer Fokus. Red ist zwar unsere Spielfigur, fühlt sich in vielen Dialogen aber nicht unbedingt wie die eigentliche Hauptfigur an.
In manchen Enden geht es um ihr Schicksal, während andere Handlungsstränge wiederum weniger mit ihr zu tun haben. Auch die Lore des Spiels ist teilweise gut versteckt und kann einem während eines Runs eher zufällig begegnen. Hinzu kommt eine deutsche Übersetzung, die an einigen Stellen etwas holprig wirkt und das Verständnis der Geschichte nicht unbedingt einfacher macht.
Je größer die Zahl, desto besser!
Was bei einem Roguelite natürlich noch wichtiger ist als die Geschichte, ist das Gameplay. Und genau hier muss sich Realm of Ink keineswegs verstecken.
Red verfügt über einen leichten und einen schweren Angriff, zwei Tintenfähigkeiten, eine Pet-Fähigkeit und natürlich die Möglichkeit, per Knopfdruck auszuweichen. Das klingt zunächst nicht besonders innovativ, funktioniert aber hervorragend und spielt sich angenehm flott.
Ihr kämpft euch von Raum zu Raum und erhaltet auf eurem Weg neue Fähigkeiten und Verbesserungen, die euren aktuellen Run beeinflussen können. Dazu gehören unter anderem:
- neue Tintenfähigkeiten mit unterschiedlichen Elementen
- Elixiere, die passive Boni verleihen, beispielsweise mehr Schaden oder Lebenspunkte
- neue Fähigkeiten für eure aktuelle Form
- neue oder erweiterte Moves
- zusätzliches Silber für den Shop
Eines der Features, mit denen sich Realm of Ink von vielen anderen Spielen des Genres abhebt, ist das bereits erwähnte Ink Pet. Dieses begleitet euch von Anfang an in seiner Basisform. Es kämpft passiv an eurer Seite und kann nach den Runs im Hub verbessert werden.
Sobald ihr zwei Tintenfähigkeiten besitzt, verändert sich die Form eures Begleiters. Die Kombination der Elemente eurer Tintenfähigkeiten bestimmt dabei die Art des Pets, seine Angriffe und sogar sein Aussehen.
Dadurch entstehen zahlreiche Möglichkeiten für unterschiedliche Builds.
Viele Möglichkeiten, aber wenig Herausforderung
Die Menge an Fähigkeiten, Elementen und Verbesserungen ist enorm. Vielleicht sogar ein wenig zu groß.
In Roguelite-Spielen ist es normalerweise entscheidend, einen möglichst guten Build zusammenzustellen, um einen Run erfolgreich abzuschließen. Natürlich bekommt man nicht immer genau die gewünschten Fähigkeiten, kann aber meistens verschiedene Kombinationen finden, die gut miteinander funktionieren.
In Realm of Ink ist das ebenfalls möglich. Allerdings machen die zahlreichen Items und Verbesserungen so viele Dinge gleichzeitig, dass die eigentliche Entscheidung teilweise an Bedeutung verliert.
Gefühlt ist nahezu jedes Upgrade hilfreich. Dadurch kann man bei der Auswahl nur wenig falsch machen.
Und genau hier liegt für mich eine der größten Schwächen des Spiels: Realm of Ink bietet zu wenig Herausforderung.Selbst auf höheren Schwierigkeitsgraden hatte ich nur selten ernsthafte Probleme.
Das ist schade, denn das ansonsten sehr unterhaltsame Kampfsystem hätte durchaus das Potenzial für deutlich anspruchsvollere Runs.
Home Sweet Home
Nach einem erfolgreichen oder gescheiterten Run geht es – wie im Genre üblich – zurück in den Hub des Spiels.
Hier könnt ihr die von Bossen und Runs erhaltenen Materialien investieren. Unter anderem könnt ihr:
- euer Pet aufleveln
- permanente Fähigkeiten verbessern
- neue Formen freischalten
- neue Skins für die verschiedenen Formen kaufen
Ein besonders interessantes System sind die unterschiedlichen Formen. Jede Form verfügt über eine eigene Waffe und bringt damit komplett neue Angriffe, passive Fähigkeiten und Mechaniken mit sich.
Dadurch entstehen auch nach zahlreichen Runs immer wieder neue Möglichkeiten, das Spiel zu erleben. Das sorgt dafür, dass das Gameplay trotz der eher geringen Herausforderung lange frisch bleibt.
Fazit zu Realm of Ink
Ich bin ein großer Fan des Roguelite-Genres und freue mich immer, wenn ein neues interessantes Spiel auftaucht. Realm of Ink hat mich vor allem mit seiner wunderschönen Grafik und dem schnellen Gameplay direkt überzeugt.
Während meiner Spielzeit war lediglich ein Run nicht erfolgreich. Das Spiel macht einen meiner Meinung nach schlicht zu schnell zu stark. Das ist allerdings nicht unbedingt das Schlimmste, was einem Roguelite passieren kann.
Denn seien wir ehrlich: Es macht einfach Spaß, immer größere Schadenszahlen auf dem Bildschirm zu sehen und einen Boss innerhalb weniger Sekunden zu zerlegen. 😄
Ein kompletter Run dauerte bei mir ungefähr 15 bis 25 Minuten, wodurch sich Realm of Ink auch hervorragend für kürzere Spielsessions eignet.
Die deutsche, aber teilweise auch die englische Übersetzung ist nicht immer optimal. Gerade bei der Geschichte fällt das gelegentlich negativ auf und macht manche Zusammenhänge schwerer verständlich.
Trotzdem liefert Leap Studio mit Realm of Ink ein sehr solides Action-Roguelite ab. Die Kombination aus chinesisch inspirierter Tintenoptik, schnellem Kampfsystem, unterschiedlichen Formen und zahlreichen Build-Möglichkeiten macht das Spiel zu einer interessanten Alternative für Fans des Genres.
Wer Spiele wie Hades, Rogue Legacy oder Curse of the Dead Gods mag und auf eine ungewöhnliche Fantasy-Optik steht, sollte Realm of Ink definitiv eine Chance geben.
Vergleichbare Spiele
Wenn euch diese Spiele gefallen haben, könnte Realm of Ink genau das Richtige für euch sein:
- Hades
- Ravenwatch
- Curse of the Dead Gods
- Rogue Legacy
Realm of Ink Trailer
Fazit Kasten
| Kategorie | Wertung | Kommentar |
|---|---|---|
| Präsentation | ⭐7/10 | Schöne Grafik im Tinten-Stil |
| Gameplay | ⭐7/10 | Schnell, Flüssig und vorallem viel Abwechslungsreich |
| Story | ⭐6/10 | Interessante Story, die etwas schwer zu folgen ist |
| Wiederspielwert | ⭐9/10 | Viele Formen zum Freischalten inklusive neuen Kostümen |
🎯 Gesamtwertung: 7/10
Realm of Ink erschien am 26. September 2024 im Early Access für PC. Am 26. Mai 2026 folgte die vollständige Version 1.0 für PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch.
Der Test basiert auf einem Review-Code für Realm of Ink auf der Xbox Series X, der uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.
Wenn ihr wissen wollt, welche anderen Roguelites uns überzeugt haben, findet ihr weitere Empfehlungen in unseren Spiele-Tests.
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