Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Der Unsterbliche Thor 5.
| Erscheinungsdatum | 27.01.2026 |
| Zeichner | Justin Greenwood, Jan Bazaldua, Pasqual Ferry |
| Autor | Al Ewing |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 136 |
| Stories | The Immortal Thor (2023) 21-25 |
| Preis | 18,00€ |
Seit Anbeginn der nordischen Mythen waren Geschichten über Götter niemals nur einfache Heldensagen. Sie handelten von Macht, Opfer, Schicksal und davon, dass selbst die größten Herrscher irgendwann von etwas bedroht werden, das älter und dunkler ist als sie selbst. Genau dieses Gefühl greift Der Unsterbliche Thor auf und verwandelt den klassischen Marvel-Donnergott in eine Figur, die sich zunehmend wie eine lebende Legende anfühlt. Nicht mehr nur als Rächer mit dem Hammer Mjölnir, sondern als Allvater, dessen Entscheidungen über das Schicksal ganzer Welten bestimmen können.
Gerade dieser Wandel macht die aktuelle Reihe so faszinierend. Thor steht nicht mehr allein als Krieger im Mittelpunkt, sondern als Herrscher, Mythos und Symbolfigur. Die Geschichten beschäftigen sich zunehmend mit der Macht von Erzählungen, alten Legenden und der Frage, welche Bedeutung Götter in einer Welt besitzen, die sich stetig verändert. Dabei rückt vor allem die geheimnisvolle Bedrohung der Utgard-Götter in den Fokus. Insbesondere Utgard-Loki entwickelt sich zu einem Gegner, der Thor nicht nur körperlich herausfordert, sondern ihn auf einer viel tieferen Ebene angreift. Die Reihe erschafft daraus eine Atmosphäre, die sich beinahe wie eine moderne nordische Sage anfühlt und sich deutlich von klassischen Superheldengeschichten abhebt.
Mit Der Unsterbliche Thor 5 erreicht diese aktuelle Erzählung nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Über mehrere Ausgaben hinweg wurden Konflikte aufgebaut, düstere Vorzeichen gestreut und Fragen aufgeworfen, die nun unaufhaltsam auf ein großes Finale zusteuern. Dabei vermittelt bereits die Ausgangslage das Gefühl, dass es diesmal um weit mehr geht als nur den Ausgang eines einzelnen Kampfes. Es geht um Thors Rolle als Allvater, um die Macht alter Geschichten und darum, welchen Preis selbst ein Gott zahlen muss, wenn er sich Mächten entgegenstellt, die älter und unbegreiflicher erscheinen als alles, was Asgard bislang kannte.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!
Inhalt:
Tief in einer düsteren, vergessenen Welt steht Thor Odinson endlich vor jenem Tor, das über sein endgültiges Schicksal entscheiden wird. Vor ihm wartet mit Skurge dem Henker ein erbarmungsloser Gegner, der ihm den Weg versperrt, während hinter den gewaltigen Pforten bereits die Götter auf das unausweichliche Ende blicken. Zwischen Leben und Tod, Hoffnung und Untergang muss Thor seine schwerste Prüfung bestehen. Denn nur wenn es ihm gelingt, das Unmögliche zu vollbringen, könnte die Menschheit gerettet werden, ohne dass der Donnergott selbst dafür den höchsten Preis zahlt.
Der Unsterbliche Thor 5 ist das Finale der aktuellen Reihe rund um Thor und das merkt man auch. Selten oder zumindest schon lange nicht mehr war es so ungewiss, wie es mit Thor weitergeht und genau das machte den Comic für mich über die gesamte Laufzeit hinweg unglaublich spannend. Weiterhin fühlt sich die Reihe wie eine echte Göttererzählung voller Mythen an, in der man nie genau weiss, was eigentlich real ist. Das liegt auch an dem spannenden Konzept, dass Loki und Utgard-Loki als Erzähler auftreten, die es mit der Wahrheit nicht immer allzu genau nehmen. Dadurch wird immer wieder clever die vierte Wand durchbrochen, was der Geschichte eine ganz besondere Atmosphäre verleiht. Ein wirklich starkes Konzept, das im Grossen und Ganzen auch aufgeht.
Leider entsteht daraus gleichzeitig auch eine der grössten Schwächen der Geschichte. Denn auch wenn sich die Handlung tiefsinnig anfühlt und stark mit der vierten Wand spielt, wirken viele Dialoge stellenweise einfach zu überladen und verlieren sich zu sehr in langen Monologen. Hier hätte man sich deutlich stärker auf die wirklich wichtigen Momente konzentrieren können, anstatt ständig zwischen verschiedenen Erzählebenen zu wechseln. Trotzdem bleibt Der Unsterbliche Thor 5 ein wirklich starker Thor-Comic mit vielen kreativen Ideen und einem gelungenen Ende, das bereits jetzt Lust auf die nächste Reihe macht.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen in Der Unsterbliche Thor 5 wirken im Vergleich zur Geschichte leider etwas schwächer. Nicht weil sie schlecht wären, sondern eher, weil ihnen stellenweise die nötige Energie und Dynamik fehlt, um die Wucht der Erzählung vollständig einzufangen. Zwar gibt es viele kreative Panels und einige wirklich starke Bildideen, doch gerade die Emotionen wirken oft erstaunlich flach. Hier hätte ich mir mehr von dem Stil gewünscht, den die Reihe zu Beginn hatte, da dieser deutlich mythischer wirkte und viel besser zu der Geschichte passte, die erzählt werden soll. Trotzdem gibt es immer wieder visuell beeindruckende Momente, auch wenn es davon gerne noch mehr hätte geben dürfen.
Fazit zu Der Unsterbliche Thor 5:
Mit Der Unsterbliche Thor 5 endet eine der ungewöhnlichsten und zugleich mutigsten Thor-Geschichten der letzten Jahre. Die Reihe entfernt sich bewusst von klassischen Superheldenmustern und erzählt stattdessen eine düstere, fast schon poetische Göttersaga über Macht, Geschichten und Schicksal. Gerade diese mythische Atmosphäre hebt den Comic deutlich von vielen anderen Marvel-Titeln ab und sorgt dafür, dass sich die Handlung oft eher wie eine alte nordische Legende als wie ein typischer Superheldencomic anfühlt.
Besonders stark ist dabei, wie konsequent mit Erzählstrukturen gespielt wird. Durch Loki und Utgard-Loki als unzuverlässige Erzähler entsteht ständig das Gefühl, dass Realität und Legende miteinander verschwimmen. Das sorgt zwar für viele spannende und kreative Momente, macht die Geschichte stellenweise aber auch unnötig kompliziert und dialoglastig. Nicht jede philosophische Passage trifft wirklich ins Schwarze und manche Szenen verlieren sich etwas zu sehr in langen Monologen und bedeutungsschweren Worten.
Auch visuell bleibt der Comic etwas hinter seinem eigentlichen Potenzial zurück. Zwar gibt es einige starke Panels und kreative Ideen, doch insgesamt fehlt den Zeichnungen häufig die emotionale Wucht und die epische Dynamik, die gerade dieses Finale eigentlich gebraucht hätte. Dadurch erreicht der Band optisch nie ganz die Größe, die seine Geschichte anstrebt.
Trotz dieser Schwächen bleibt Der Unsterbliche Thor 5 aber ein sehr gelungener Abschluss, der vor allem durch seine Atmosphäre, seine Ideen und seine ungewöhnliche Erzählweise überzeugt. Wer eine klassische Actiongeschichte erwartet, wird hier vermutlich nicht vollständig glücklich werden. Wer jedoch Lust auf eine moderne Thor-Saga voller Mythologie, Symbolik und kreativer Konzepte hat, bekommt hier einen der interessantesten Thor-Comics der letzten Jahre präsentiert.