Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Eddie Brock – Carnage 1.
| Erscheinungsdatum | 04.11.2025 |
| Zeichner | Jesus Saiz, Juanan Ramirez |
| Autor | Charles Soule |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 120 |
| Stories | Eddie Brock: Carnage 1-5 |
| Preis | 16,00€ |
Kaum eine Figur im Marvel-Universum hat im Lauf der Jahre so viele Wandlungen durchlebt wie Eddie Brock. Vom ehrgeizigen Reporter über den gejagten Antihelden bis hin zu einer tragischen Schlüsselfigur im Symbionten-Kosmos war sein Weg nie geradlinig. Eddie ist jemand, der immer wieder versucht, Verantwortung zu übernehmen, selbst dann, wenn die Last kaum noch zu tragen ist. Genau diese innere Spannung macht seine Geschichten so reizvoll und sorgt dafür, dass jede neue Serie automatisch neugierig macht.
Wenn dann auch noch Carnage ins Spiel kommt, verschiebt sich der Ton endgültig ins Unheimliche. Der rote Symbiont steht für hemmungslose Gewalt und absolutes Chaos und galt lange als das ultimative Gegenstück zu allem, wofür Eddie Brock zumindest insgeheim noch stehen wollte. Die bloße Idee, diese beiden Existenzen enger miteinander zu verknüpfen, verspricht moralische Abgründe, psychologischen Horror und eine Geschichte, die weit über klassische Superhelden-Action hinausgeht.
Seinen Ursprung hat diese neue Ausgangslage im Event Venom War, das Eddie vor eine unmögliche Entscheidung stellte. Um andere Menschen vor einer gefährlichen Verbindung mit dem Symbionten zu bewahren, opferte er sich selbst und ging den Schritt, den niemand gehen wollte. Eddie Brock – Carnage 1 knüpft genau hier an und stellt die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn er das ultimative Monster in sich trägt.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!
Inhalt:
Nach den Ereignissen von Venom War geht Eddie Brock, einst Venom und sogar König in Schwarz, einen gefährlichen Pakt ein und verbindet sich ausgerechnet mit dem scharlachroten Albtraum Carnage. Um dessen unstillbaren Drang nach Mord und Chaos zu kontrollieren, beginnt Eddie gemeinsam mit der True-Crime-Podcasterin Bailey Bushkin eine gnadenlose Jagd auf brutale Serienkiller wie den irren Muse, bekannt als einer der grausamsten Gegner von Daredevil. Doch jedes Mal, wenn Eddie Carnage entfesselt, verliert er selbst die Kontrolle und erwacht aus Blackouts mit der schrecklichen Gewissheit, dass der Symbiont immer stärker wird und langsam die Führung übernimmt. Als wäre das nicht genug, ist Eddie auch noch auf der Flucht vor der Polizei und insbesondere vor der unerbittlichen Misty Knight, die ihn um jeden Preis stoppen will, bevor Carnage endgültig die Welt in Blut und Wahnsinn stürzt.
Eddie Brock – Carnage 1 ist eine Verbindung, die ich nicht erwartet hätte. Nach all den Jahren ist Eddie mit Carnage verbunden, seinem allergrößten Feind. Das sorgt in den Dialogen für eine verdammt spannende Dynamik, bei der es immer so wirkt, als würden die beiden Hauptcharaktere versuchen, sich gegenseitig psychologisch und physisch gegeneinander auszuspielen. Das funktioniert extrem gut und macht den Comic zu einem lange erwarteten Duo-Projekt im Marvel-Universum.
Darüber hinaus ist der Comic aber eher das gewohnte Carnage-Gemetzel. Es gibt viel Blut, große Morde und vor allem eine Menge Schimpfwörter. Dass man sich entschieden hat, einen Flugzeugabsturz zum Hauptthema zu machen, führt im Kern zu einer eher klassischen Verbrechergeschichte, die vor allem von der spannenden Dynamik und den Dialogen der beiden Protagonisten getragen wird. Cool ist jedoch, dass man Charaktere wie Muse zurückholt, der erst durch die neue Daredevil-Serie wieder an Beliebtheit gewonnen hat. Eine zweckmäßige Geschichte mit einem der spannendsten und gemeinsten Duos der Marvel-Geschichte.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen von Jesus Saiz und Juanan Ramirez in Eddie Brock – Carnage 1 sind richtig grotesk und voller blutiger Kämpfe. So soll es ehrlich gesagt auch sein, wenn man einen Comic vor sich hat, der den Namen Carnage im Titel trägt. Bisher war ich immer begeistert, wenn Carnage-Autoren all in gehen, und deshalb muss ich auch hier wieder mein Lob aussprechen. Vor allem die ersten drei Issues mit ihrem stark schattierten, dunklen Stil waren für mich das Highlight, da hier der innere Konflikt von Eddie und Carnage mit der äußeren Brutalität besonders deutlich wird. Einfach schön anzusehen und künstlerisch grotesk, ein klares Highlight für mich.
Fazit zu Eddie Brock – Carnage 1:
Eddie Brock – Carnage 1 ist ein Comic, der vor allem über seine ungewöhnliche Prämisse funktioniert. Die Verbindung von Eddie Brock mit seinem größten Feind fühlt sich nicht wie ein billiger Schockmoment an, sondern wie eine konsequente Weiterentwicklung seiner tragischen Figur. Alles, was Eddie ausmacht, Verantwortung, Schuld und der ständige Kampf gegen die eigenen Dämonen, wird hier auf die Spitze getrieben. Genau dadurch entsteht eine düstere Grundstimmung, die sich durch das gesamte Heft zieht und den Leser konstant unter Spannung hält.
Besonders stark ist dabei die Dynamik zwischen Eddie und Carnage. Die Dialoge sind bissig, provokant und oft unangenehm, im besten Sinne. Man spürt in jeder Szene, dass diese Verbindung nicht funktionieren darf und genau deshalb so faszinierend ist. Carnage bleibt das unberechenbare Monster, während Eddie verzweifelt versucht, Kontrolle zu behalten und dabei immer mehr von sich selbst verliert. Dieser psychologische Aspekt hebt den Comic deutlich über ein reines Splatter-Spektakel hinaus, auch wenn Blut und Gewalt natürlich reichlich vorhanden sind.
Inhaltlich erfindet der Band das Rad zwar nicht neu, doch das ist auch nicht zwingend nötig. Die Geschichte setzt bewusst auf bekannte Motive wie Serienkiller, Verfolgungsjagden und moralische Grenzüberschreitungen, wird aber klar von der zentralen Figurenkonstellation getragen. Dass dabei Figuren wie Muse eingebunden werden, verleiht dem Ganzen zusätzliche Tiefe und sorgt für gelungene Querverbindungen innerhalb des Marvel-Universums.
Unterm Strich ist Eddie Brock – Carnage 1 ein kompromissloser, brutaler und überraschend charaktergetriebener Comic. Wer mit Carnage etwas anfangen kann und Eddie Brock als tragische Figur schätzt, bekommt hier genau das, was der Titel verspricht und sogar noch ein bisschen mehr. Kein perfekter Neustart, aber ein extrem spannender und atmosphärischer Einstieg, der definitiv Lust auf die nächsten Bände macht.