Halo: Campaign Evolved, Assassin’s Creed: Black Flag Resynced, Neuauflagen beliebter Rollenspiele und immer mehr Klassiker, die ein zweites Leben erhalten – wer die Gaming-Branche derzeit verfolgt, kommt an einem Trend kaum vorbei: Remakes sind so präsent wie schon lange nicht mehr.
Doch warum setzen Publisher plötzlich so stark auf bekannte Marken, anstatt neue Spiele zu entwickeln? Die Antwort ist deutlich komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.
Ein bekanntes Spiel mit weniger Risiko
Die Entwicklung eines AAA-Spiels dauert heute häufig fünf bis sieben Jahre und verschlingt Budgets in Millionenhöhe Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Spieler stetig. Für Publisher bedeutet das: Jeder Flop kann enorme finanzielle Folgen haben.
Ein Remake reduziert dieses Risiko erheblich. Die Marke ist bereits etabliert, die Geschichte wurde erzählt und die Spielwelt hat ihre Fans längst gefunden. Entwickler können sich stattdessen darauf konzentrieren, Technik, Gameplay und Komfortfunktionen auf den aktuellen Stand zu bringen.
Ubisoft liefert ein aktuelles Beispiel
Wie attraktiv dieses Modell sein kann, machte Ubisoft kürzlich im Rahmen seiner Quartalszahlen deutlich. Nach dem erfolgreichen Verkaufsstart von Assassin’s Creed: Black Flag Resynced erklärte Finanzchef Frédérick Duguet, dass Remakes häufig deutlich wirtschaftlicher seien als komplett neue Produktionen.
Der Grund: Die Entwicklung fällt günstiger aus, viele Systeme und Ideen existieren bereits und gleichzeitig profitieren Publisher von einer hohen Markenbekanntheit. Dadurch sinken auch die Marketingkosten erheblich.
Für Ubisoft gehören hochwertige Remakes deshalb inzwischen zu den wirtschaftlich attraktivsten Projekten im eigenen Portfolio.
Halo zeigt die andere Seite
Doch Remakes entstehen nicht ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen. Mit Halo: Campaign Evolved haben die Halo Studios gezeigt, dass eine Neuauflage auch dazu dienen kann, eine legendäre Spielereihe einer neuen Generation zugänglich zu machen.
Verbesserte Grafik, moderne Technik und zusätzliche Inhalte sorgen dafür, dass sowohl langjährige Fans als auch Neueinsteiger vom gleichen Spiel profitieren können.
Viele Entwickler nutzen Remakes inzwischen außerdem, um Wünsche der Community umzusetzen, Fehler des Originals auszubessern oder Inhalte nachzuliefern, die damals aus technischen oder zeitlichen Gründen nicht möglich waren.
Bild Halo Studios – offizielles Pressekit
Nostalgie verkauft – aber Qualität entscheidet
Natürlich spielt auch Nostalgie eine große Rolle. Spieler verbinden mit vielen Klassikern unzählige Erinnerungen. Genau dieses Gefühl möchten Publisher erneut wecken.
Doch die Erwartungen sind heute deutlich höher als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Ein einfacher Grafikfilter reicht längst nicht mehr aus. Moderne Remakes müssen technische Verbesserungen, Komfortfunktionen und teilweise sogar neue Gameplay-Ideen liefern, um ihre Daseinsberechtigung zu beweisen.
Alleine ein Spiel für die „New-Gen“ zu bringen, ist oft ein Erfolg
Ein Blick auf Call of Duty: Black Ops 2 zeigt, wie stark Nostalgie die Gaming-Branche beeinflusst. Allein die Möglichkeit, den beliebten Shooter wieder auf einer aktuellen Konsole zu spielen, hat viele ehemalige Fans zurück ins Spiel geholt. Das beweist, dass es nicht immer ein vollständiges Remake braucht – manchmal reicht es bereits, einem Klassiker eine zweite Chance auf moderner Hardware zu geben. Genau dieses Potenzial erkennen aktuell immer mehr Publisher.
Wird dieser Trend bleiben?
Alles spricht dafür, dass uns Remakes auch in den kommenden Jahren begleiten werden. Die Kombination aus geringerem wirtschaftlichem Risiko, kürzeren Entwicklungszeiten und einer bereits vorhandenen Fanbasis macht Neuauflagen für viele Publisher äußerst attraktiv.
Trotzdem wünschen sich viele Spieler weiterhin neue Marken und frische Ideen. Die Herausforderung für die Branche wird deshalb darin bestehen, die richtige Balance zwischen Innovation und Nostalgie zu finden.
Games-Mag Kommentar
Remakes sind längst kein Zeichen fehlender Kreativität mehr. Richtig umgesetzt können sie Spieleklassiker technisch modernisieren und einer neuen Spielergeneration zugänglich machen. Gleichzeitig sollten Publisher den aktuellen Erfolg nicht als Einladung verstehen, ausschließlich auf bekannte Marken zu setzen. Die spannendsten Gaming-Momente entstehen schließlich oft dann, wenn Studios den Mut haben, etwas völlig Neues zu wagen.
Unsere Frage an euch:
Von welchem Game wünscht Ihr euch aktuell ein Remake und wie findet ihr den aktuellen Trend?
Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare!