Wie Gaming-Kenntnisse in der Berufswelt weiterhelfen

Lighted keyboard during the BoiseLAN 7.0 held at Trailhead in Boise, Idaho. Saturday March, 17, 2018
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Viele junge Menschen verbringen Stunden mit Videospielen. Nicht ganz umsonst, meinen jetzt Wissenschaftler. Ihre besonderen Fähigkeiten könnten sich sogar später im Beruf auszahlen. Auch die Gaming-Branche selbst bietet zahlreiche Berufs-Möglichkeiten.

Von Patrick Soulliere, Global eSports/Gaming Marketing Manager bei Ballistix Gaming

Gaming und eSports sind populär, vor allem unter Schülern und Jugendlichen auf dem Sprung in die Berufswelt. Wie sich junge Leute ihr Interesse am Gaming zunutze machen können, um erfolgreich in eine wachsende Branche einzusteigen, erklärt aktuell eine 50-seitige Broschüre des game – Verband der deutschen Games-Branche. Der Guide „Arbeiten in der Games-Branche – Kreativität trifft Technologie“ zeigt auf, welche Berufsbilder es in der Spiele-Branche gibt und welche privaten sowie staatlichen Institutionen eine Ausbildung anbieten. Die Broschüre steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

Wer sein Gaming-Wissen erfolgreich einsetzen will, muss aber nicht zwangsläufig naheliegende Berufe wie Game Designer oder Producer wählen. Auch in anderen Branchen können die analytischen Fähigkeiten von Gamern von Vorteil sein.

Dr. Curtis Nicholls von der bekannten Bucknell Wirtschaftshochschule meint sogar, dass Talentsucher bei Finanzdienstleistern und anderen Unternehmen des Dienstleistungssektors sich ganz besonders für Gamer und deren besonderen Fähigkeiten interessieren sollten.

Oder anders ausgedrückt: Sie sollten einen Gamer einstellen, sofern er analytische Fähigkeiten besitzt.

Ein Reddit®-Nutzer hat kürzlich einen Post auf Reddits Seite zu Star Wars™ veröffentlicht: Battlefront™ II schrieb „Es dauert 40 Stunden, einen Helden freizuschalten. Tabelle und Galactic Assault-Statistik“, und wies damit auf die statistischen Fähigkeiten hin, auf die es im Geschäftsleben ankommt.  Auf der Grundlage von gründlichen und detaillierten Tabellen mit Daten, die der Poster selbst ermittelt hatte, war in diesem Beitrag zu lesen, dass Battlefront™ II bei der Vergabe von Credits für spielerische Fähigkeiten eher geizig war. Stattdessen wurden Gamer, die ihre Charaktere upgraden wollten, ermutigt, echtes Geld zu investieren und ihr Glück beim Kauf von Lootboxes zu wagen. Im Post wurde der Gameentwickler Electronic Arts™ aufgefordert, hierzu auf Reddit Stellung zu beziehen. EA legte auch Mikrotransaktionen auf Eis, als Reddit-Nutzer in Reaktion auf die erste Entschuldigung des Gameentwicklers massenhaft aufbegehrten.

Eins zu null für die Allianz, und eins zu null für die Gamer, meint Dr. Curtis Nicholls. Er beobachtet, wie Gamer diese Art von Hard-Core-Datenanalysen für Charaktere oder für Drop-Rates posten und wie Finanzdienstleister sich für diese Personen interessieren.

„Denken Sie nur an die Trading- und Online-Märkte, die in Eve®, oder anderen MMO-Games [massive Multiplayer-Online-Games] existieren. Ich habe gesehen, wie Gamer ziemlich umfangreiche Online-Tabellensysteme aufgebaut haben ‒ explizit für Gamer, die Systeme nutzen und Margen ausreizen wollten. Es handelt sich hierbei um Gewinn-Verlust-Modelle. Und diese Modelle haben einen wirtschaftlichen Anspruch.“

Curtis Nicholls ist Dozent für Management, Finanzrechnungswesen und Buchhaltung an der Bucknell University. Er ist ein seröser Dozent für seriöse Fächer und schreibt seriöse wissenschaftliche Arbeiten, darunter eine mit dem Titel „The Current State of Cash Flows; An Evaluation of Reporting Trends in Statements of Cash Flows.“ Er befasst sich mit komplexen Charakter-Mods und statistischen Game-Analysen, die im Internet überall zu finden sind und trifft sich mit den Finanzberatern der Zukunft.

„Es geht dabei um Problemlösungen, was perfekt mit den Datenanalysen zusammenpasst, wie sie an der Universität gelehrt werden“, erläutert er. „Ich lehre Modelle. Unternehmen suchen genau nach solchen Modellen.“

Curtis Nicholls ist daneben seit Langem ein begeisterter Spieler von World of Warcraft®. In den 80er Jahren fing er mit Spielen in der Atari®-Ära an, weshalb er mit der Game-Szene ein wenig besser vertraut ist als die meisten anderen Akademiker oder Finanzexperten. Die Personen aus dem Wirtschafts- und Finanzsektor assoziieren die sich um Stellen bewerbenden Gamer meist mit abgedroschenen Stereotypen, wonach diese faul, unsozial und lichtscheu seien.

Curtis Nicholls glaubt aber, dass sich dies ändern wird. Die Gamer, die ihre Modelle online posten, zeigen im Grunde genau diejenigen Kenntnisse, die er an einer der landesweit angesehensten Wirtschaftshochschulen unterrichtet. Er verweist dabei auf solche hochqualitativen Modelle, wie sie von Destiny 2™- Spielern entwickelt wurden und in denen ermittelt wird, wie das Spiel Experience-Points vergibt.

Sportler können bei Einstellungsgesprächen bereits punkten, indem sie berichten, wie sie beim Basketball oder Fußball zu Führungspersönlichkeiten herangewachsen sind, so Curtis Nicholls. Und auch wenn er in der Industrie bislang noch niemanden getroffen hat, der es speziell auf Gamer abgesehen hätte, glaubt er, dass sich dies in den nächsten zehn Jahren ändern wird.

„Die Akzeptanz für Video-Games wächst. Gamer werden in Zukunft bei Einstellungsgesprächen vermehrt darüber reden, wie sie eine Gilde angeführt, ein Problem gelöst oder Daten gesammelt haben“, erläutert Curtis Nicholls. „Ein gut informierter Arbeitgeber würde derartige Antworten zu schätzen wissen.“

In Games lernt man allerdings mehr als nur Mathe, so Curtis Nicholls. Games haben auch bereits starke Führungspersönlichkeiten hervorgebracht. Als Gamer bei World of Warcraft hat Curtis Nicholls bereits an Gilden-Raids mit 20 bis 30 Gamern teilgenommen. In Gilden gibt es gewöhnlich einen Gilden-Master, der die Strategie für die Gruppe plant und oft auch dafür verantwortlich ist, ob die Gilde letztlich überlebt. Gilden-Assistenten und Berater unterstützen den Gildenführer, wobei sie wie Projektmanager für kleinere Einheiten innerhalb der Gruppe zuständig sind. Teamkommunikation und Problemlösung sind für den Teamerfolg in Gilden von ganz zentraler Bedeutung. Dasselbe gilt auch für eSport-Games, bei denen unterschiedliche Charakter effektiv zusammenwirken müssen, um starke Gegner auszuschalten, beispielsweise bei Overwatch® oder League of Legends®.

„Bei diesen Games geht es in erster Linie um eine gute Teamarbeit und um die Vertrautheit mit Teamkameraden“, erklärt Curtis Nicholls. „Man muss die Stärken des eigenen Teams ausspielen und die Schwächen von gegnerischen Strategien ausnutzen. Beim Gaming wird dies auf eine Weise gefördert, wie dies im herkömmlichen Leben nicht der Fall ist.“

Einige Firmen haben das Problem, dass höfliche Umgangsformen lähmend wirken. Die Führer bei Games erzielen oft gerade deshalb gute Ergebnisse, weil sie sehr direkt sind. Von dieser Einstellung könnten die zuvor genannten Firmen profitieren, so Curtis Nicholls.

An attendee wearing a headset is silhouetted against a computer monitor during the BoiseLAN 7.0 held at Trailhead in Boise, Idaho. Saturday March, 17, 2018

„Die besten WoW-Raider analysieren Daten in Echtzeit und beherrschen schwierige Situationen, wo es um Zeitdruck geht“, erläutert er. „Wenn Sie die Emotionen von Direktgesprächen vermeiden, können Sie eine besonders rigorose Strategie für das Feedback entwickeln. Natürlich sind bei Personen immer Emotionen im Spiel. Man sollte nur nicht das Feedback von diesen Emotionen abhängig machen.“

Mittlerweile ist die erste Generation von Gamern herangewachsen und hat sich in der Welt etabliert. Einige Gamer sind jetzt für Einstellungsentscheidungen verantwortlich und suchen Fähigkeiten, die sie bei Top-Gamern bereits beobachtet haben. Dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen. Kandidaten daraufhin zu prüfen, ob sie fortgeschrittene Gaming-Fähigkeiten besitzen oder sogar Gamer gezielt einzustellen, könnte eine Bereicherung der Arbeitswelt darstellen.

„Der Grundgedanke des Gamings gewinnt in der Arbeit zunehmen an Akzeptanz“, erklärt Curtis Nicholls.

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