Vectronom bei uns im Test

Quadratisch. Rythmisch. Gut!

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Freunde elektronischer Klänge aufgepasst, mit Vectronom bringt Publisher ARTE erneut einen experimentellen Indie-Titel auf den Markt. Weg vom eigenen Körper und der Sprayer-Szene, hinein in die Clubs, Bunker und Tunnelpartys dieser Welt. Wer sich also schon immer einmal gefragt hat, wie man wohl dieses Gefühl, wenn der Beat wie in Trance die Kontrolle über Herzschlag und Bewegungen übernimmt, man in Neonlicht durchschnittener Dunkelheit nur noch spürt und nicht mehr denkt und Plattenteller wie riesige Augen hypnotisieren, in ein Videospiel passen, dann hat Vectronom jetzt endlich die richtige Antwort für euch.

Kreativ und für heutige Standards überraschend mutig, zaubert das noch junge Kölner Entwicklerstudio Ludopium ein unverbraucht frisches Rythmus-Spiel mit Puzzle-Elementen auf PC und Nintendo Switch, das auf den ersten Blick ein wenig oberflächlich oder gar langweilig wirken mag, jedoch schnell eine ähnlich hypnotisierende Wirkung entfaltet, wie das Musikgenre, dem es sich verschrieben hat.

Auch das eigentliche Spielprinzip lebt von diesem Minimalismus. Als „Alter Ego“ in Würfelform schickt uns Vectronom durch eine geometrische Levelarchitektur. Mit lediglich vier Richtungstasten und einer simplen Zielvorgabe, klingt das ja erstmal total einfach, wird aber schnell zu einer echten Herausforderung. Synchron zum Beat des aktuellen Tracks verschwindet der Pfad vor unseren Augen, taucht an anderer Stelle wieder auf oder schlängelt sich seinen Weg durch die kubische 3D-Umgebung.

Statt nun wild drauflos zu hüpfen, ist viel mehr Taktgefühl gefragt, denn bei Vectronom bleibt absolut nichts dem Zufall überlassen. Wandelnde Rechtecke, sich in Luft auflösende Hexagone, tödliche Stacheln und sogar Sprungplatten, alles richtet sich nach dem vorgegebenen Rythmus. Überhaupt, alles in Vectronom IST der Rythmus und daran sollten auch wir uns halten. Da die ca. 90 unterschiedlichen Level auch immer so aufgebaut sind, den richtigen Weg erstmal zu finden, ist ein wenig Denksport sicher nicht verkehrt, im verwirrenden Spiel aus sich ständig wechselnden Farben und Formen, zählt aber vor allem das Fühlen des Beats.

Es ensteht ein unvergleichbarer Flow aus audiovisuellen Eindrücken, der optisch manchmal nur schwer zu durchschauen oder gar zu ertragen ist, doch genau darin diese magische Anziehungskraft, den hypnotischen Sog entwickelt.

Jede noch so kleine Unaufmerksamkeit bringt das abstrakt tanzende Gerüst, den Automatismus, zu Fall, versetzt uns mehr als oft genug an den Startpunkt des Levels und somit auch an die Grenzen der Frustration. Schlimm ist das nicht, denn mit seinem hohen Schwierigkeitsgrad motiviert uns Vectronom immer wieder aufs Neue.

Apropos, denn mal abgesehen vom perfekten Lauf ohne Bildschirmtode, lockt fast jedes der Level mit optionalen Sammelgegenständen, für die wir unsere Takt-Komfortzone auch schon mal verlassen müssen. Das Tempo unserer Bewegungen dürfen wir zwar selbst bestimmen, doch sogar hier wird, dem Rythmus entsprechend, knallhart bewertet, was zu mehrmaligem Abklappern bereits absolvierter Stages mit mehr Ehrgeiz und Konzentration einlädt.

Das Prinzip sich selbst wiederholender Inhalte, das dem Genre der Rythmus-Titel einfach unabbringbar innewohnt, hat Lupodium mit Vectronom erstaunlich gut im Griff. Durch die coolen, eigens für das Spiel produzierten Tracks, optionale Ziele und die bloße Möglichkeit auf Perfektion, knackt der Titel locker die 10 Stunden-Marke. Dann hat man zwar schon alles gesehen, doch noch lange nicht genug davon.

Musik, das bedeutet oft auch Freiheit. Ob nun selbst produziert oder drauf gefeiert, Grenzen mag doch niemand. Das hat auch Vectronom verstanden, indem es einen Level Editor zum Basteln eigener Rythmus-Puzzle anbietet und Dance Pads und MIDIs als alternative Steuerungsmethode erlaubt. Wer den psychedelischen Trip kollektiv erleben möchte, darf sich gerne ein paar Freunde einladen und mit ihnen im lokalen Mehrspielermodus gemeinsam abtanzen, was dank komfortablem drop-in/drop-out auch wunderbar funktioniert.


Vectronom ist seit dem 29. Mai 2019 für die Nintendo Switch und den PC erhältlich. Der Preis fällt mit 9,99€ für die ausschließlich digital erhältliche Version angenehm fair aus. 

Der Test basiert auf der von uns getesteten Version von Vectronom für die Nintendo Switch, wofür uns ein Reviewcode von unseren Medienpartnern der ICO Partners zur Verfügung gestellt wurde. 

90%
Tech-Yes!

Mit stimmig produzierten, elektronischen Tracks, grellen Farben und abstrakten Formen lädt Vectronom auf eine einzigartige Reise in die eigene Gedankenwelt, ist mit seinen perfekt aufeinander abgestimmten Elementen aber vor allem eines: Eine große Ausnahme moderner Videospielkunst.
Hypnotisch, treibend, kurz wie der Augenblick und dabei so wahnsinnig intensiv. Wäre der Club, elektronische Musik ganz allgemein oder die nächste Party ein Spiel, es wäre Vectronom.

  • Grafik
  • Sound
  • Atmosphäre
  • Steuerung
  • Umfang