Valve stellt Artifact-Updates ein – Gibt es für das virtuelle Kartenspiel noch Rettung?

0

Der Spieleentwickler Valve ist ein Gigant in der Branche, mit mächtigen Titeln wie Half Life, Team Fortress und dem legendären Dota 2 sowie der Spieleplattform Steam. Als im Sommer 2017 das neue Sammelkartenspiel Artifact angekündigt wurde, war die Vorfreude groß, denn wenn es ein Unternehmen zustande bringen würde, ein neues Hitgame im beliebten Genre der Kartenspiele herauszubringen, dann ist das Valve. Vollkommen abweichend von den zunächst hohen Erwartungen an das Spiel, hat die Spielerzahl bereits innerhalb der ersten Wochen nach dem Release im November 2018 radikal abgenommen. Direkt nach dem Launch spielten durchschnittlich noch über 60.000 Gamer gleichzeitig, im Dezember fiel dies bereits auf gerade mal 11.000. Mit einem kontinuierlichen Abfall spielen heute nur noch durchschnittlich 180 Spieler gleichzeitig mit Peaks von gerade einmal unter 400 Spielern. Obwohl Sammelkartenspiele, auch Trading Card Game (TCG) genannt, mit Spielen wie Hearthstone und Gwent an Beliebtheit gewinnen, laufen Artifact die Spieler davon. Ursprünglich sollte das Spiel mit kontinuierlichen Updates auf Trab gehalten werden, wie kürzlich verkündet, stellt Valve nun die Updates vorerst ein, um das Spiel von Grund auf zu überarbeiten. Gibt es noch Rettung oder kann das Spiel toterklärt werden?

Kartenspiele im Trend

Mit Artifact brachte der Spieleentwickler aus Amerika sein erstes Sammelkartenspiel heraus und folgte damit dem Trend in der Gaming-Welt. Dass Kartenspiele an Fahrtwind gewinnen, konnte über die letzten Jahre beobachtet werden, während Spielkarten zunehmend in die digitale Gaming-Welt traten. Wurde Poker früher lediglich am Spieleabend mit Freunden am Spieltisch oder im Casino gespielt, werden heute Pokerräume im Internet zunehmend beliebter. Einer der populärsten Anbieter feiert bald die PokerStars 200-milliardste Hand, die auf der Online-Plattform gespielt wurde und bestätigt damit eindeutig den Trend. Geht es um die Sammelkartenspiele, ist wohl Magic: The Gathering (MTG) der Urvater des Genres, der zunächst in den 1990er Jahren als analoges Kartenspiel bekanntwurde und 2009 die Konsolen und PCs stürmte. Aktueller Platzhirsch im TCG-Genre ist jedoch eindeutig Hearthstone, das 2013 aus dem Hause Blizzard auf den Markt kam und inzwischen in den Toprängen der eSports mitspielt. Zahlreiche weitere TCGs kamen in der Zwischenzeit auf den Markt, wie Elder Scrolls: Legends von Bethesda, Shadowverse von Cygames, und auch Gwent von CDProjektRed. Valve sprang auf den Zug auf und holte sich niemand Geringeres als den MGT-Entwickler Richard Garfield an Bord, um Artifact herauszubringen. Das Kartenspiel basiert auf dem Universum von Dota 2 und brachte die Charaktere in Form von Karten erneut zum Leben.

INSERT IMAGE HERE >>> https://farm5.staticflickr.com/4779/40704288031_4356560797_b.jpg >>> Photo by steamXO, CC0 Public Domain

Hervorragende Qualität, hohe Komplexität, hoher Preis

Spielentwickler-Gigant Valve, das TCG-Genre und das Dota-2-Universum hören sich nach einem Rezept für waschechten Erfolg an, sollte man meinen. Bereits kürzeste Zeit nach dem Release folgte jedoch die schnelle Ernüchterung: Bereits einen Tag nach dem Launch gab es über 1.500 schlechte Bewertungen auf der Spieleplattform Steam zu lesen. Die Mehrzahl bombardierten die Monetarisierung des Games mit negativen Kommentaren. Im Vergleich zu anderen TCGs sei es unverschämt teuer, immerhin muss man bereits für den Kauf des Spiels 18 Euro hinblättern, um ein volles Kartendeck zusammenzustellen, fallen einige weitere Euros an. Die teuersten Karten kosten gar fast so viel wie das Spiel selbst. Neben dem Preis wurde auch die Komplexität des Spiels genannt, was einige Spieler abschreckt. Grafisch übertrifft es jegliche weitere TCGs, zudem ist die Tiefe der gut durchdachten Regeln bemerkenswert. Dennoch ist es mit drei Lanes, die gleichzeitig bespielt werden und fünf Helden äußerst komplex und bedarf höchste Konzentration und strategische Skills. Wer kein Hardcore-Gamer ist, wird dadurch schnell demotiviert.

Updates werden eingestellt

Bereits einen Monat nach Release brachte Valve das erste Update heraus. Build Your Legend kam gut an und generierte auf der Streamingplattform Twitch einen Anstieg an Zuschauern, allerdings nicht mehr Spieler: Während 20.000 Menschen zuschauten, spielten gerade einmal 3.000. Die Lücke zwischen der Anzahl derjenigen, die dem Stream des Spiels gerne zuschauen, und die die es gerne spielen wollen, klafft. Anstatt wie ursprünglich geplant weiterhin regelmäßige Updates für das Spiel herauszubringen, gab Valve nun bekannt, diese zunächst einzustellen. Die Entwickler sind sich darüber bewusst, dass das Game tiefliegende Problematiken aufweist, die es auszumerzen gibt. Sie wollen nun die kreativen Köpfe auf ein Neues zusammenstecken, um das Game mit einem vollständigen Relaunch herauszubringen und Spieler letzten Endes doch noch zu überzeugen. Das Spiel befindet sich somit nun auf unbestimmte Zeit in einer Phase des Experimentierens und Entwickelns, um den Wünschen der Spieler doch noch gerecht zu werden und ihnen ein Dota-2-TCG zu liefern, das sie lieben werden.

Valve genießt unter den Spieleentwicklern als Besitzer der Plattform Steam eine Sonderstellung. Geldprobleme wird es hier keine geben, selbst wenn Artifact dem Untergang geweiht ist. Gleichzeitig sollte dieser Misserfolg den Giganten ernüchtert und daran erinnert haben, stets den aktuellen Wünschen der Spieler gerecht zu werden. Denkt man zurück an den Anfang von Dota 2, hatte dies ebenfalls keinen erfolgreichen Start. Dennoch schaffte es das MOBA zu einem der beliebtesten Games überhaupt zu werden. Valve hat somit bereits Durchhaltevermögen und Willenskraft bewiesen, die sicherlich auch bei Artifact zum Einsatz kommen werden. Wir sind gespannt, was Valve diesmal auswerkeln wird, denn wir glauben, es wird noch etwas zu sehen geben.