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Endlich ist sie da, die Retail-Version von „Torchlight 2“. Dem Rollenspiel, das sich mit einem günstigen Preis von 20 Euro und ehemaligen Entwicklern der ersten „Diablo“-Teile „Diablo 3“ stellt. Eingedeutschte Sprachausgabe und Texte locken diejenigen unter den Rollenspielfans, welche sich die digitale Version nicht schon längst über  Steam heruntergeladen haben. Vorteil: Die Retail-Fassung läuft ohne die Vertriebsplattform und muss lediglich einmal online über den hauseigenen Launcher registriert werden. Wie sich die deutsche Version schlägt klären wir in diesem Test.

Auf der Jagd nach dem Alchemisten

Teil 2 des Diablo-Konkurrenten setzt das Geschehen aus dem ersten Teil fort. Einer der Helden aus dem Erstling, der Alchemist, wird nach dem Ableben von Oberbösewicht Ordrak von diesem mit einer Seuche infiziert. Das hat zur Folge, dass das Umland von Torchlight zahlreiche fiese Monster zutage fördert. Der Plot von „Torchlight 2“ ist getrost zu vernachlässigen, obwohl sich Runic Games sehr bemüht zeigt und eine geheimnisvolle Grundstimmung zu vermitteln versucht. In unspektakulären Renderfilmchen bekommen wir einige Storyfetzen als Einleitung jedes Aktes zu Gesicht, vom Hocker haben uns die aber nicht gehauen. Vielmehr konzentrieren wir uns auf die Sammelhatz, denn die ist immer noch der Hauptsuchtfaktor des Rollenspiels.

4-Klassenwahl

Zwischen vier brandneuen Charakterklassen müssen wir zu Beginn wählen. Berserker, Outlander, Engineer sowie Zauberer stehen zur Auswahl. Entgegen der vielversprechenden Namen bieten die vier Klassen herkömmliche Kost an. Hinter dem verheißungsvollen Namen Outlander verbirgt sich ein stinknormaler Fernkämpfer, der am liebsten mit Flinten und Bögen um sich schießt. Der Berserker kann besonders gut zuschlagen und beherrscht kritische Treffer am besten. Der Ingenieur darf unterstützende Roboter bauen und schlägt vornehmlich mit Zweihandwaffen zu. Den Abschluss macht der Zauberer, der dank mächtiger Magie und Zauberwaffen ebenso ordentlich austeilt.

Querfeldein

„Torchlight 2“ führt uns durch weitläufige und vor allem vielfältige Szenarien. Wir besuchen die Wüste, Wald und Wiesen sowie etliche unterschiedlich designte Dungeons.Dorthin führen uns Haupt- sowie Nebenquests, wobei nur Erstere komplett vertont sind. Nebenaufgaben präsentiert uns das Spiel lediglich in schlichten Dialogfenstern. Dabei lässt im Gegensatz zur Haupthandlung auch die Originalität zu wünschen übrig. Meist wird es uns zur Aufgabe gemacht einen freundlich gesinnten Charakter aus einer feindverseuchten Zone zu befreien, einen bestimmten Bossgegner zu besiegen oder einen Gegenstand zu finden. Standardkost eben. Main-Quests stellen uns regelmäßig besonders starke Widersacher gegenüber. Eingeblendet durch einen Schriftzug am oberen Bildschirmrand sind gerade diese besonders knallig inszeniert und erfordern bisweilen eine spezielle Taktik.

Doch fernab der Quests gibt es auch abseits des Weges jede Menge zu entdecken und zu erledigen. Besondere Schalter etwa teleportieren euch in ein separiertes Gebiet, in dem wir fernab der normalen Spielwelt viel Gold und Gegenstände ergattern können, wenn wir gewisse Aufgaben lösen – während uns von allen Seiten Gegner attackieren. Oder wir entdecken versteckte Schatztruhen, Angelplätze oder starke Champion-Monster. Letztere (sowie alle anderen Endbosse) treiben unsere Ruhmanzeige nach oben, die getrennt zum normalen Erfahrungspunktesystem abläuft. Nach jedem neuen Level dürfen wir unseren Charakter mit Charakterpunkten (z.B. auf Stärke, Vitalität) und einer Charakterfähigkeit versorgen. So verbessern wir Schritt für Schritt unseren Charakter bis zum 50. Level, wonach erstmal Schluss ist.

Befriedigende Objektejagd

In der Spielwelt des isometrischen Rollenspiels häufen sich die Ausrüstungsgegenstände nur so an. Bereits nach den erstem Spielminuten freuen wir uns über zahlreiche Objekte, die unseren Charakter stärker machen. Verzauberte, seltene und sockelbare Gegenstände sind wieder genauso mit von der Partie wie Unmengen an Gold, die schnell ein Glücksgefühl aufkommen lassen und nicht selten in den hinteren Ecken versteckt sind. Zusätzlich lassen sich die Gegenstände noch durch Verzauberungen bei bestimmten Händlern in ihrer Effektivität verbessern. Nach rund einer Spielstunde finden sich im Regelfall so viele Objekte an, dass wir fast den Überblick verlieren, wenn es die Sortierfunktion nicht geben würde. Hier noch schnell ein verstärktes Schild ergattern, dort eine mächtige seltene Waffe aufklauben – der Sammeltrieb bringt euch dazu, in einen wahren Rausch zu verfallen und selbst dann weiterspielen zu wollen, wenn ihr euch ein striktes Zeitlimit gesetzt habt.

Altbekannte (Komfort-)Features

In Sachen Komfortfunktionen spielt „Torchlight 2“ in der ersten Liga mit. Erneut haben wir eine Begleiter dabei, der nicht nur als Gepäckablage sowie Mitstreiter dient, sondern auch in die Stadt geschickt werden kann, um dort nicht zu gebrauchenden Krimskrams zu verkaufen. Somit erspart uns das Spiel unnötig lange Laufwege. Dank einfachen Tastenkombinationen fällt auch die Steuerung sehr einfach. So übertragen wir mit Shift + Linker Maustaste einen Gegenstand aus unserem Inventar in das unseres Mitstreiters, blenden störende Gegenstandsbezeichnungen in der Spielwelt mit gedrückter Alt-Taste einfach aus oder tauschen flink Spezialfähigkeiten oder Zauber aus.

Von denen gibt es übrigens jede Menge, wobei sie in aktive und passive Fähigkeiten unterteilt sind. Aktive müssen auf Knopfdruck erst ausgelöst werden (etwa ein verheerender Krallenschlag), während passive dauerhaft ohne unser Zutun aktiviert sind. Von Blitzzaubern, über ausbaufähige Spezialattacken mit dem Schwert, bis hin zur Beschwörung verschiedener Kreaturen findet jeder Spielertyp eine große Bandbreite aus individuell zusammenstellbaren Talenten vor. Da ist für jeden etwas dabei.

Solide in Bild und Ton

Eine Meisterleistung in Sachen Technik dürfen Fans des Erstlings auch in Teil 2 nicht erwarten, dennoch wirkt die Spielwelt sehr stimmig gestaltet und die Kämpfe werden dank schicken Lichteffekten actionreich in Szene gesetzt. Dass nicht alle Objekte scharf sind und es an vielen Stellen Ecken und Kanten gibt, bleibt hinsichtlich des Sammeltriebes und den effektvollen Kämpfen nebensächlich. Die deutsche Version bekam eine solide Übersetzung ab, trotz einiger Übersetzungsfehler und der nicht immer überzeugenden Vertonung geht die Soundkulisse in Ordnung. Daran haben auch der atmosphärische Soundtrack und die fetzig anzuhörenden Scharmützel Mitschuld. Eine Parallele zur Diablo-Reihe ist unverkennbar, wenn man einmal länger dem Soundtrack lauscht.

Fazit:

„Torchlight 2“ setzt im Vergleich zum ersten Teil nochmal einen drauf: Eine größere Spielwelt, mehr Abwechslung, etliche Gegenstände. Dank der intuitiven Steuerung und des reibungslosen Spielverlaufs motiviert das Rollenspiel von Beginn an und erzeugt eine Suchtspirale, die wir so auch aus „Diablo 3“ kennen. Für läppische 20 Euro bekommen hier alle Genrefans die volle Dosis Rollenspiel – „Torchlight 2“ braucht sich hinter „Diablo 3“ nicht verstecken.

Wertung:

Sehr gut

(C) Yan

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Yan

Freier Redakteur/in

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