The Banner Saga 2 (Nintendo Switch) bei uns im Test

Gewohnt gut, gelungen anders - The Banner Saga 2 setzt auf bekannte Stärken und merzt die Schwächen des Vorgängers aus.

Während Spieler auf PC und Konsolen damals noch weitaus längere Wartezeiten in Kauf nehmen mussten, erscheint The Banner Saga 2 auf der Nintendo Switch bereits einen Monat nach der Portierung des grandiosen Erstlings, und übrigens auch gute vier Wochen bevor die Serie ihr lang ersehntes Finale erreicht, das zeitgleich für alle Plattformen am 24. Juli 2018 veröffentlicht wird.

Erzähl mir mehr

Jetzt aber schnell, denn die Trilogie versteht sich selbstredend als zusammenhängendes Spektakel, das Kenntnisse der jeweiligen Vorgänger unbedingt voraussetzt. So auch The Banner Saga 2, für das wir natürlich auch auf der Nintendo Switch unsere Speicherdaten des ersten Ablegers übertragen dürfen, um all die weitreichenden Konsequenzen, nicht mehr unter uns weilenden Charaktere und Statuswerte in die Fortsetzung mitzunehmen.

Für interessierte Spieler, die direkt hier einsteigen möchten, gibt es zwar eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse, zu empfehlen ist das Überspringen des Originals jedoch nur bedingt. Zum einen schneidet die virtuelle Nacherzählung die Geschehnisse nur grob an, zum anderen leidet darunter auch die eigentlich so starke Immersion des Titels. Schließlich erlebten wir bereits in The Banner Saga 1 unsere ganz eigene Geschichte, die durch etliche Multiple-Choice-Dialoge und ebensolche Textfenster zu einer wahrlich individuellen Erfahrung wurde. Da haben wir mitgefiebert oder sogar geflucht, weil eine übereifrige Entscheidung das Leben eines starken Kämpfers bedeutete und sogar gelacht, wenn hohe Risiken am Ende doch noch belohnt wurden. Kleine Textfenster mit riesigen Auswirkungen, ein Richtig oder Falsch gab es dagegen nie. Eben nur die Konsequenzen, aus denen sich, neben der vorwiegend linearen Hauptstory, unser Abenteuer im hohen Norden formte. The Banner Saga 2 knüpft hier nahtlos an – all das verpasst zu haben, wäre also eine echte Schande.

Die politischen Wirren um Menschen und Varl, die weltumfassende Bedrohung einer permanenten Mittsommernacht und der Kampf gegen die Dredge, alle bestehenden Konflikte werden in The Banner Saga 2 sinnvoll und erzählerisch mindestens genauso spannend weitergeführt und natürlich um etliche, narrative Elemente erweitert. Spoiler möchten wir gerne vermeiden, doch dass das Entwicklerteam von Stoic auch hier wieder eine der besten Geschichten im Genre erzählt, ist gewiss kein Geheimnis.

Dass wir uns, auch nach einer kleiner Pause zwischen den beiden Ablegern, in der fiktiven, nordischen Mythologie sofort wieder heimisch fühlen, liegt sicher auch an der soweit unveränderten Präsentation von The Banner Saga 2. In erster Linie bleibt man dem von Eyvind Earle inspirierten Stil, der diesen leichten Disney’s Dornröschen-Look mit sich bringt, treu, überrascht aber gleichzeitig mit höherer Detailvielfalt. Was uns ohnehin schon begeisterte, erfährt also nochmal eine kleine Steigerung, wovon auch die liebevoll gezeichneten Charaktermodelle profitieren. Für Cineasten bleibt die Erfahrung aber buchstäblich flach, denn wie bereits im Vorgänger, greift The Banner Saga 2 für seinen Erzählstil vorwiegend auf Textboxen und statisch dargestellte Dialoge zurück, wenn auch die Anzahl der animierten Zwischensequenzen leicht gestiegen ist. Der Soundtrack bildet da keine Ausnahme, unsere Ohren erwartet erneut ein gelungener Mix aus nordischen Gesängen und passenden Instrumentalstücken, die das Abenteuer nicht perfekter untermalen könnten.

Die Karawane zieht weiter

Das unverbrauchte Setting einer umherziehenden Karawane bleibt auch dem Nachfolger erhalten und spielt sich größtenteils identisch. Immer noch streifen wir wie auf Schienen durch verschneites Land, dichte Wälder oder über karge Ebenen und haben dabei stets einen Blick auf unsere Vorräte, die mit jedem Schritt bedrohlich zur Neige gehen. Das durchaus komplexe Verwalten von Verpflegung und angeworbenen Kämpfern, bzw. deren unweigerlich damit verbundene Moral, verliert in The Banner Saga 2 nichts von seiner ursprünglichen Faszination. Ob bettelnde Passanten oder aufmüpfige Krieger, jede Begegnung spielt diesem System geschickt in die Hände und verspricht, je nach Ausgang, entweder zusätzliche Vorräte oder gar eine hungernde Karawane. Letzteres wollen wir tunlichst vermeiden, denn Krieger mit hungerndem Magen haben eine geschwächte Moral, was sich letztlich auch auf die rundenbasierten Kämpfe auswirkt.

Und bei denen hat The Banner Saga 2 tatsächlich die meisten Veränderungen erfahren. Ein berechtigter Kritikpunkt des Vorgängers war ja das monotone Gegnerdesign, das nun einer recht großen Vielfalt an sich uns entgegenstellenden Einheiten weicht. Gleichzeitig lockern unterschiedliche Bedingungen für einen Sieg das irgendwann doch recht eintönige Kriegsgeschehen auf. Statt stumpf einen Gegner nach dem anderen mit der Axt zu spalten, lässt uns die Fortsetzung deutlich taktischer und abwechslungsreicher agieren.

Unsichtbare Feinde und Barrikaden erfordern eine ganz eigene Herangehensweise und wer die geworfenen Eier neuer Gegnertypen nicht schnell genug zerstört, dem wachsen die Probleme bald wortwörtlich über den Kopf. Aber auch die Möglichkeit, nur den Anführer einer Banditenbande zu besiegen, um die Auseinandersetzung möglichst zügig zu beenden, bringt ungemein frischen Wind aufs Schlachtfeld. Nur schade, dass die Schauplätze dabei selbst wieder kaum spielerischen Mehrwert bieten. Das in Quadrate aufgeteilte und damit etwas an Schach erinnernde Terrain bietet erneut keine Höhenunterschiede oder Möglichkeiten zur Deckung.

Das hätte den taktischen Scharmützeln sicher die Krone aufgesetzt, doch auch ohne das direkte Einbinden des Geländes bieten die Kämpfe noch reichlich Tiefgang. Für das Grundkonzept bleibt The Banner Saga 2 funktionierenden Mechaniken treu und kommt relativ gleichbleibend daher. Erneut verfügt jede Einheit über einen roten Stärkewert und eine blaue Ziffer, die den Rüstungswert wiedergibt. Während wir mit einem Angriff auf den Stärkewert gleichzeitig Lebenspunkte und Angriffskraft der Gegner senken, sind manche Feinde durch ihre Rüstung so gut geschützt, dass wir erst einmal diesen Wert attackieren sollten.

Dazu gesellen sich die üblichen Klassen aus Nah- und Fernkämpfern, die durch erlernbare Fähigkeiten richtig clever miteinander kooperieren. Platzieren wir zum Beispiel den mächtigen Pfeilregen unserer Bogenschützin auf einem bestimmten Feld, auf dem sich jedoch kein Gegner blicken lässt, nutzen wir einfach den Angriff eines mächtigen Varl und stoßen den Widersacher mit einem beherzten Schlag in die Falle. Apropos Varl, den Riesen aus The Banner Saga. Viel wollen wir nach wie vor nicht verraten, doch ein ganz besonders garstiger Neuzugang hält den eigenen Trupp nicht nur im Sinne der Narrative immer wieder auf Trab, was die äußerst tolle Charakterzeichnung der sowieso schon gelungenen Besetzung bedeutend aufwertet.

Selbstverständlich darf auch wieder fleißig aufgestuft werden, was nun wesentlich öfter vonstatten geht, als noch im Vorgänger. Das Level-Cap lockt sogar mit zusätzlichen Fähigkeiten in mehreren Stufen und das Abwägen, ob wir das schwer verdiente Ansehen zum Aufleveln oder für die nötigen Vorräte ausgeben, fällt erneut extrem schwer.

Und wieder sitzen wir hier, grübeln über Entscheidungen, schließen Charaktere in unser Herz und werfen einen kritischen Blick auf die knappen Vorräte. Doch selbst wenn der Verlust eines liebgewonnenen Protagonisten einmal schmerzt oder wir uns über das Ausmaß einer lange zuvor gefällten Entscheidung ärgern, siegt am Ende immer die Faszination darüber, wie gelungen all diese Elemente ineinandergreifen. Keine Tat bleibt ohne Konsequenz, mit jedem Wort, jedem Klingenhieb gestalten wir unser ganz eigenes, äußerst erwachsenes Märchen in der nordischen Mythologie. Genau dafür lieben wir die Reihe und können nach gut zehn Stunden, die wir für das Beenden von The Banner Saga 2 brauchen, den verheißungsvollen Abschluss der Trilogie gar nicht mehr abwarten.


The Banner Saga 2 ist seit dem 7. Juni 2018 endlich auch für die Nintendo Switch erhältlich. Besitzer des Vorgängers zahlen für den Download sogar nur 14,99 €, statt den üblichen 19,99 €.

Der Test basiert auf unserer Testversion von The Banner Saga 2, die uns freundlicherweise von der Medienagentur Plan of Attack zur Verfügung gestellt wurde. Screenshots stammen aus dem offiziellen Press-Kit.

92%

Die Reise geht weiter...

The Banner Saga 2 setzt Story und Idee des Originals konsequent fort und verbessert sie an den nötigen Stellen. Die rundenbasierten Taktik-Gefechte spielen sich nun wesentlich abwechslungsreicher, an der überragenden Präsentation und dem immersiv starken Erzählstil eines Pen-&-Paper-Rollenspiels hält Entwickler Stoic zu unserer Freude fest. Auf der Nintendo Switch glänzt der Titel durch eine technisch einwandfreie Portierung, die komfortable Touchscreen-Steuerung und natürlich seine Mobilität im Handheld-Modus. Kurzum, The Banner Saga 2 ist ein Muss für jeden Fan taktischer Rollenspiele und Spieler, die viel Wert auf einzigartiges Storytelling und enorme Entscheidungsfreiheit legen.

  • Grafik
  • Sound
  • Umfang
  • Story/Atmosphäre
  • Steuerung

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.