Tales of Vesperia: Definitive Edition bei uns im Test

Schon wieder ein Remaster? Nein. Nur eines der besten JRPGs der letzten 10 Jahre!

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Kinder, wie die Zeit vergeht. Um das zu bemerken, braucht es als langjähriger Gamer keinen Blick in das angestaubte Familienalbum mehr, nein, für diese Erkenntnis sorgen heutzutage zahlreiche Remakes und Remasters längst vergangener Spieleklassiker. Ob besonders gut gealtert und daher nur wenig verändert oder aufwändig in die Moderne portiert, eine Perle bleibt meist eine Perle.

Die Tales of Vesperia: Definitive Edition bildet da keine Ausnahme. Ursprünglich im Jahr 2008 auf der Xbox 360 veröffentlicht, erzählt das Rollenspiel von Bandai Namco eine Geschichte über Armut und Reichtum, Freundschaft und Liebe, vor allem aber Gerechtigkeit. Ja, eigentlich klingt das ziemlich banal und könnte genauso den Grundstoff für jedes x-beliebige RPG aus Fernost darstellen, doch die gemeinsame Reise des bedürftigen Schwertkämpfers Yuri und der adligen Estellise entwickelt sich rasant zu einem spannenden Epos, das weit über 70 Stunden begeistert. Denn was als eher unfreiwillige Koalition an den Toren der kaiserlichen Hauptstadt Zaphias beginnt und zwei völlig verschiedene Menschen zusammenführt, endet einmal mehr in dem Versuch, die gesamte Welt zu retten.

Dazwischen begeistert Tales of Vesperia mit einem hinreißenden Portfolio an Charakteren, die sich nach und nach der Gruppe anschließen und ihre ganz eigenen Probleme mitbringen. Anstatt diese einfach nur schnell abzufertigen, fügen sich Persönlichkeiten und Hintergründe zusätzlicher Charaktere vorbildlich in die Gesamterfahrung ein und verschmelzen zu einem nachvollziehbaren Abenteuer voll spannender Momente und Wendungen. Ein wenig klischeehaft geht es die gesamte Gefühlspalette eines JRPG in Zwischensequenzen und vertonten Dialogen hoch und wieder runter, am Ende fühlt man sich dann aber doch glücklich und um eine neue, erstaunlich unverbrauchte Erfahrung bereichert.

Die zahlreichen Auseinandersetzungen gegen Monster jeglicher Art und Größe, laufen bei Tales of Vesperia stets in Echtzeit ab. Bei direkter Konfrontation wechselt das Geschehen in eine gesonderte Ansicht mit abgestecktem Terrain, würfelt allerdings auch Bewegungsfreiheit und Steuerungsschema ordentlich durcheinander. Anders als beim Reisen über die klassisch gehaltene Weltkarte oder dem Erkunden von Dungeons, bewegt sich hier jeder Charakter standardmäßig wie auf Schienen auf den Gegner zu oder von ihm weg. Erst mit dem Halten der linken Schultertaste ist es möglich, das freie Bewegen zu aktivieren. Die aufgezwungene Zweidimensionalität wirft Fragen auf, stört beim Wechsel zur 3D-Variante aber in jedem Fall. Selbst einfache Sprünge reiben sich an diesem festgelegten Tastenlayout, denn sie werden mit einer nach Oben-Bewegung des linken Sticks ausgeführt, was oft zu willenloser Hopserei führt.

Aber das sind wirklich alles nur kleine Mankos, die im sonst so dynamischen Treiben der Kämpfe völlig untergehen. Neben herkömmlichen Angriffen und Blocks, spielen auch die sogenannten Artes eine wichtige Rolle. Ungeachtet von Charakterlevel, Statuswerten und Ausrüstung, verbessern sich diese Spezialangriffe durch ihre Nutzung und bieten zeitgleich die Möglichkeit, auf diese Weise gänzlich neue Varianten solcher Attacken freizuschalten, was ungemein motiviert. Zudem lässt sich die gesamte Party nach Lust und Laune selbst steuern, während die restlichen drei Charaktere automatisch und meist angemessen agieren, bzw. reagieren.

Lohnt sich der Griff zur Tales of Vesperia: Definitive Edition, wenn ich das Original schon auf der Xbox 360 gespielt habe? Absolut, ja! In westlichen Gefilden wurde der Titel seinerzeit ausschließlich für Microsofts Heimkonsole veröffentlicht, nur in Japan erschien eine Version für die Playstation 3. Statt das Rollenspiel dort einfach nur zu porten, erhielt die PS3-Fassung damals exklusive Extras, die nun, dank allumfassender Neuauflage, jeder erleben darf. Neue Charaktere und Kostüme sind da nur die Spitze des Eisbergs, denn auch zusätzliche Minispiele, Bosse, Angriffe und Musikstücke haben es in das Remaster geschafft, wobei sich waschechte Kotakus vor allem über die hinzugefügte, japanische Original-Synchro freuen dürften.

Technisch bleibt es weiterhin geschmeidig und der wunderschön in Szene gesetzte Anime-Look erstrahlt nun in klaren 1080p, während der gewohnt abwechslungsreiche Soundtrack die Atmosphäre jederzeit passend untermalt. Dabei hat Bandai Namco leider auf eine Optimierung für die erweiterten Konsolen – Xbox One X und Playstation 4 Pro – verzichtet, was aber verschmerzbar ist. Immerhin laufen Kämpfe mit 60 Bildern pro Sekunde ab, während das restliche Geschehen mit stabilen 30 FPS auskommt. Ohne FPS-Limitierung, dafür aber in nativem 4K, schneidet die PC-Version der Tales of Vesperia: Definitive Edition immer noch am besten ab. Besitzer einer Nintendo Switch müssen natürlich die meisten Abstriche machen, denn zumindest den Handheld-Modus plagen viele Einbrüche in der Bildwiederholungsrate und die niedrigste Auflösung von 720p.


Tales of Vesperia: Definitive Edition ist seit dem 11. Januar 2019 für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch und den PC erhältlich. Je nach Plattform, kostet der Titel aktuell zwischen 39,99 € und 49,99 €.

Für den Test der Tales of Vesperia: Definitive Edition wurde uns ein Presse-Exemplar für die Playstation 4 von Bandai Namco zur Verfügung gestellt.

84%

Auf die nächsten 10 Jahre...

Wer nachfragt, welcher Ableger der traditionsreichen Tales of-Reihe der beste sei, bekommt oft die selbe Antwort: Tales of Vesperia. Kein Wunder, so präsentiert sich die Story als durchdacht geschriebenes Anime-Märchen, das seine Charaktere geschickt in den großen Handlungsrahmen einbindet und sie dadurch zum Leben erweckt. Das Kampfsystem kann sein Alter nicht ganz verbergen, fühlt sich aber immer noch äußerst dynamisch an und macht einfach nur Spaß. Mit der Tales of Vesperia: Definitive Edition bekommen Veteranen genügend Anreize, das Abenteuer von Yuri und Estellise erneut zu bestreiten, während Neulingen nun jegliche Ausrede fehlt, dieses Meisterwerk ein zweites mal zu verpassen.

  • Grafik
  • Sound
  • Umfang
  • Story/Atmosphäre
  • Steuerung