Soul Calibur 6 bei uns im Test

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Habt ihr wieder mal ’ne Tracht Prügel gefällig? Dann könnte Soul Calibur 6 genau das richtige für euch sein! Die historische waffenbasierte Kampfspielserie liefert euch endlich mal wieder frische Kost, so liegt der letzte Ableger nun schon fast sieben Jahre zurück. Ob die bewährte Formel der Soul Calibur-Serie, die es so schon seit 1995 gibt, immer noch unterhalten kann, erfahrt ihr bei uns im Test.

Das Soul Edge treibt wieder sein Unwesen – könnt ihr es stoppen?

Prügler-Urgestein

Die Konkurrenz im Beat ´em up-Genre ist groß. Dragon Ball FighterZ hat erst kürzlich gut vorgelegt, auch Tekken 7 ist gut angekommen. Soul Calibur ist dabei ein wenig in Vergessenheit geraten, so hat man doch einige Zeit nichts mehr davon gehört. Dabei gehört die Serie rund um die legendären Schwerter Soul Calibur und Soul Edge zu den Klassikern. Das einzigartige Kampfsystem, welches sich nicht auf Fäuste oder Tritte, sondern auf den Zweikampf mit verschiedensten Waffen aller Größen im dreidimensionalen Raum konzentriert, war damals etwas besonderes und ist auch heute immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. Dabei merkt man Soul Calibur 6 die lange Vergangenheit durchaus an, aber im positiven Sinne.

In seiner langen Historie hatte Soul Calibur schon einige Gastauftritte – dieses Mal betritt Geralt von Riva den Ring

Denn die Kämpfe gehen flüssig von der Hand, und Mechaniken wurden nicht verändert, aber ans Maximum aufpoliert. Selbst für Einsteiger wie mich, die das letzte mal zu Xbox 360-Zeiten mit Soul Calibur 4, welches auch schon zehn Jahre zurück liegt, etwas zu tun hatten, stellt die Grundsteuerung nach dem Tutorial kein Problem dar. Nach einigem Einspielen werden die Widersacher mit spektakulären Specialmoves wahlweise zu Boden oder aus dem Ring befördert. Oder ihr schnappt euch einen Kumpel, mit dem ihr schon länger etwas zu klären habt, und tragt den Disput in der Arena aus. Dies macht immer noch genauso viel Spaß wie vor 10 oder 20 Jahren, was vor allem auch an den vielen verschiedenen Kampfstilen liegt. Hierbei gibt es nämlich alles, was irgendwo im Bereich zwischen einem lausigen Schwert und einem viel zu großen Kriegshammer liegt.

Kilik, der Protagonist des Seelenchronik-Modus, bevorzugt den Kampfstab, eine eher langsamerer Waffe mit guter Reichweite

Taktik und Variantenreichtum

Neben all der Einsteigerfreundlichkeit ist bei einem klassischen Beat ´em up aber auch der Tiefgang und die Lernkurve wichtig. Hier merkt ihr schnell, dass bei Soul Calibur 6 die Bewegung im Raum eine wichtige Rolle spielt. Eine kleine Seitwärtsbewegung lässt euch einen gegnerischen Vertikalangriff ausweichen und bietet eine optimale Situation für einen Gegenschlag. Jedoch müsst ihr bei einem Horizontalangriff lieber die Flucht nach hinten suchen, oder ihr blockt klassisch und wartet auf eure Chance. Dabei könnt ihr euch sicherlich vorstellen, das oben genannter viel zu großer Kriegshammer eine andere Reichweite aufweißt als zwei Nunchakus. Das macht der Nunchaku-Kämpfer aber mit seiner Schnelligkeit wieder wett. Ihr seht, dass hier kein Kämpfer dem anderen ähnelt, woraus einige spaßge Matchups resultieren.

In „Waage der Seelen“ erlebt ihr die Story mit einem selbst erstellten Charakter – dreimal dürft ihr raten wer von den beiden das wohl ist…

Viel zu tun für Solisten

Neben dem eigentlichen Kampf ist natürlich auch das Drumherum wichtig. Dabei gibt es wie in jedem Beat ´em up einen klassischen Arcade-Modus, einen Online-Ranglisten-Modus sowie den oben genannten Versus-Kampf gegen eure Freunde auf dem Sofa. Daneben gibt es zwei weitere Spielmodi für Freunde des Single-Player-Contents. In den „Seelenchroniken“ können wir ganz stilecht die Soul Calibur-Story nachspielen. Hier gibt es einen Hauptstorystrang, in dem ihr die Rolle von Kilik übernimmt. Im Laufe der Geschichte schaltet ihr immer mehr Nebenkapitel frei, die euch Teile der Handlung aus der Sicht der über 20 weiteren Charaktere erläutern, denn jeder Kämpfer steht in irgendeinerweise mit der Suche nach den beiden legendären Schwertern in Verbindung. Hierbei sind die Dialoge vertont, jedoch sind Zwischensequenzen rar gesät. Dies ist schade, denn die seltenen Cutscenes machen einen sehr guten Eindruck und bringen deutlich mehr Dynamik in die Erzählung als lediglich Standbilder mit vertonten Dialogen. Hier wurde definitiv Potential verschenkt.

Ein Großteil der Story wird euch so präsentiert, was auf Dauer einfach zu monoton und schlichtweg langweilig ist

Interaktives Buch?

Der zweite große Singleplayermodus hört auf den Namen „Waage der Seelen“. Hier erlebt ihr eine leicht abgewandelte Version der Soul Calibur-Handlung aus Sicht eines selbsterstellten Charakters. Zunächst wirkt die „Waage der Seelen“ recht stimmig. Es wurden einige RPG-Elemente mit eingebaut, um das monotone Prügel-Gameplay ein wenig aufzulockern. So gibt es verschiedene Items, unzählige Waffen als Belohnung für Missionen und mehrere Dialogoptionen, mit denen ihr den Lauf der Geschichte ein wenig beeinflussen könnt. Jedoch gestaltet sich hier die Erzählung noch ein wenig anders als in den Seelenchroniken. Es gibt nämlich überhaupt keine Vertonung mehr, und der Großteil der Handlung wird als Textform präsentiert. Ist dies grundsätzlich schlecht? Erstmal nicht, jedoch auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Es fühlt sich ein wenig so an, als würdet ihr ein interaktives Buch spielen. Das ständige Lesen steht in krassem Kontrast zu den actionreichen Kämpfen. Es ist eine interessante Herangehensweise, jedoch hätte man auch hier durchaus mehr mit Zwischensequenzen arbeiten können, um einfach ein bisschen mehr Abwechslung zu bieten und die ansehnliche Grafik auch ein wenig mehr zu präsentieren. Denn auf Dauer ist das ständige Lesen doch zu monoton, und ihr wartet nur sehnsüchtig auf den nächsten Kampf.

 

 

 

80%

Soul Calibur 6 macht vieles richtig. Die Kämpfe sind immer noch einzigartig und machen ungeheuren Spaß, besonders gegen eure Freunde. Das Kampfsystem ist spektakulär und ausgefeilt. Die Solo-Spielmodi sind leider relativ ungewöhnlich und nicht ganz optimal präsentiert, jedoch im Vergleich zu anderen Prügel-Kollegen dafür recht umfangreich. Alles in allem rückt der sechste Teil die Soul Calibur-Serie mit einem soliden Gesamtpaket wieder ins Blickfeld von Beat 'em up-Fans der ersten Stunde.

  • Grafik 85%
  • Sound 82%
  • Story 70%
  • Steuerung 85%
  • Umfang 80%