Shift Quantum (Nintendo Switch) bei uns im Test

Lösung auf den zweiten Blick – Shift Quantum (Nintendo Switch) bei uns im Test

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Mach mich glücklich!

In einer Zukunft, in der wir für Freude und Lebensqualität keine äußeren Einflüsse mehr benötigen, erfreut sich die Anwendung Shift Quantum größter Beliebtheit. Ungeachtet des grauen, Cyberpunk-ähnlichen Settings, stimuliert Entwickler Axon Vertigo unsere Gehirnzellen direkt, um aus dem eigentlich so individuellen Thema Glück, eine ganzheitliche Erfahrung zu machen.

Simulierter Knobelspaß statt tristem Alltag, das verspricht zumindest die weibliche Stimme beim Start von Shift Quantum. Selbstverständlich müssen wir dafür auch die allgemeinen Geschäftsbedingungen bestätigen. Das Einsehen der AGBs ist uns zwar nicht gestattet, doch der Ich stimme zu, mach mich glücklich-Button strahlt uns bereits vertrauenswürdig an. Ein Schelm, wer bereits hier eine gewisse Portion Gesellschaftskritik vermutet, die der Titel immer wieder subtil in die nun kommenden Spielstunden einstreut.

Zum Log-In gehört jedenfalls auch ein kleiner Persönlichkeitstest. Hier müssen wir unter anderem beantworten, welchen Titel unser Leben tragen würde, wenn es ein Film wäre. Ein elendiges Leben oder Verschollen im Bildschirmraum – puh! Weitere Fragen, welcher Spielertyp wir sind und wie Axon Vertigo uns mit der Software helfen könne, fallen zum Glück etwas neutraler aus. Leider ist nicht ersichtlich, ob dieser Multiple-Choice-Test Auswirkungen auf Spielverlauf oder Schwierigkeitsgrad hat, zumal wir die Fragerei auch einfach überspringen können.

Verbunden

Mit Shift Quantum verbunden, vergessen wir diese Ungewissheit aber erst einmal, denn im aufgeräumten Interface des Titels springt uns sofort der Community-Menüpunkt ins Auge. Hier dürfen wir von anderen Spielern erstellte Level spielen und sie bewerten. Das Melden von unangemessenen Inhalten oder schlecht durchdachten, schier unlösbaren Rätseln ist dabei ebenfalls eine Option. Wer dagegen lieber selbst Hand anlegt, darf sich im Editor an eigenen Inhalten versuchen und sie mit der Community teilen.

Ein tolles Konzept, das am Prinzip von Shift Quantum auch nicht zu scheitern droht. Als vermeintlich simples Puzzlespiel, stellt uns Entwickler Fishing Cactus nicht mehr als drei Tasten zur Verfügung, um unser männliches Alter Ego, das direkt einem Crossover aus Prince of Persia und der Matrix-Trilogie entsprungen sein könnte, zum Ausgang der meist quadratischen Labyrinthe zu befördern. In bester Parcours-Manier hechten wir über Abgründe und halten uns punktgenau an Vorsprüngen fest. So erhalten wir vor Abschluss des Tutorial-Levels auch schon das erste Sammelobjekt, von denen sich natürlich noch mehr im weiteren Spielverlauf verstecken und die garantiert deutlich schwerer einzusacken sind.

Rätseln in einer anderen Dimension

Denn bereits im zweiten Labyrinth aus Blöcken und Quadern wird schnell klar, dass es nicht so einfach bleibt. Der heißersehnte Ausgang ist umgeben von fester Materie und scheint unerreichbar. Zumindest in dieser Dimension, denn mit dem Shiften präsentiert der Titel einen echten Twist im Genre. Durch Drücken der A-Taste, oder wahlweise auch der Schultertasten, haut unser Protagonist beherzt auf den Boden des schwebenden Labyrinths und wechselt damit in den negativen Raum. Die Bereiche des Levels, die zuvor noch als unscheinbarer Hintergrund galten, werden jetzt zur grellweißen, begehbaren Fläche.

Aus diesem Prinzip entwickelt sich eine ganze eigene Dynamik, die im späteren Spielverlauf immer komplexer wird. Bloßes Wechseln zwischen dem positiven und negativen Raum reicht irgendwann nicht mehr aus, schon bald müssen wir Kisten verschieben, tödliche Stacheln umgehen oder mit einem anderen Spielelement fertig werden, das unsere grauen Zellen förmlich zum Glühen bringt. Sicher ist dabei nur eines: Nichts ist, wie es scheint, denn gerade bewegliche Objekte ändern ihre Funktionsweise in der alternativen Dimension gerne mal völlig.

Mit über 117 unterschiedlichen Rätseln, bietet Shift Quantum genügend Umfang, um für etliche Stunden bei Laune zu halten. Apropos Laune, denn trotz steiler Lernkurve und teilweise äußerst anspruchsvollen Kopfnüssen, haben wir den Controller nie genervt zur Seite gelegt. Statt Frust, steht hier definitiv der Spielspaß im Vordergrund und mit den optionalen Collectibles, können wir den eigenen Anspruch an unsere Rätselkünste jederzeit selbst anpassen, indem wir sie schlicht ignorieren oder ein paar zusätzliche Gedankengänge in Anspruch nehmen, um die Datensätze aus den Labyrinthen zu befreien.

Shift in the Shell

Shift Quantum hält sich sehr zurück, wenn es darum geht eine nachvollziehbare Geschichte zu erzählen. Doch wer den Titel mit aufmerksamen Augen und Ohren spielt, wird die kritische Ästhetik in der schlichten Präsentation erkennen, die sich irgendwo zwischen Ghost in the Shell und den Filmen der Matrix-Reihe trifft. Es bleibt mehr bei einer künstlerischen Interpretation, der ständigen Suche nach einem Ausgang, als einer klaren Linie, die in den Wirren der Rätsel und der reizüberfluteten Dystopie im Hintergrund ohnehin keinen Platz finden würde. Zusammen mit dem eigens komponierten Soundtrack, der mal mysteriös ruhig, mal treibend aufgeregt durch die Lautsprecher drängt, ergibt sich ein bedrückendes Gesamtgefühl aus Isolation und Flucht.

Auf technischer Seite ist ebenfalls alles in bester Ordnung. Ob auf dem großen Bildschirm oder im Handheld-Modus, Shift Quantum läuft äußerst flüssig und ohne Ruckler oder ähnliches- extrem kurze Ladezeiten runden die Erfahrung ab. Nur das Rumble-Feature der Nintendo Switch kommt etwas aufdringlich daher, denn mit jedem Shift bringen wir das Gamepad zum vibrieren, was irgendwann etwas stört.


Shift Quantum ist seit dem 30. Mai 2018 für Steam, Playstation 4, Xbox One und die Nintendo Switch erhältlich. Für 19,99 € könnt ihr den Titel ausschließlich digital erwerben.

Der Test basiert auf unserer Testversion von Shift Quantum für Nintendo Switch, die uns freundlicherweise von der PR-Agentur Kinetic Atom zur Verfügung gestellt wurde. Screenshots stammen diesmal aus dem offiziellen Presskit des Spiels.

88%

Mach(t) mich glücklich...

Shift Quantum ist eine äußerst erfrischende Erfahrung im Puzzlespiel-Genre. Das clevere Shift-Feature überzeugt von der ersten Sekunde an und bringt das Geschehen auf eine buchstäblich völlig neue Ebene. Erzählerisch bleibt es zwar ziemlich ruhig, doch aufmerksame Spieler stellen schnell fest, dass Shift Quantum mehr zu sagen hat, als so mancher Konkurrent, der mit seiner Narrative weitaus offensiver umgeht.

Anspruchsvolle Kopfnüsse und ein gelungener Umfang, treffen auf düsteres Setting und geniale Präsentation. Rätselfans kommen an diesem Titel nicht vorbei und wer den Titel entspannt im eigenen Garten zocken möchte, sollte selbstverständlich zur gut umgesetzten Switch-Version greifen.

  • Grafik 90%
  • Sound 90%
  • Umfang 90%
  • Story/Atmosphäre 80%
  • Steuerung 90%