Online-Glücksspiel in Deutschland auf dem Vormarsch

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Immer mehr Deutsche vertreiben sich die Zeit in Online-Casinos. Wofür früher noch ein Besuch in der Spielothek nötig war, reicht heute ein Griff zum Smartphone. Und vor allem neue gesetzliche Bestimmungen treiben die Spieler aus den Hallen mit den verdunkelten Fenstern hin zum Online-Anbieter. Im Internet hat man mittlerweile alle Möglichkeiten. Selbst für einen Live-Casino Besuch muss man die Couch nicht mehr verlassen. Es reicht ein Klick und schon steht eine attraktive junge Dame in Full-HD-Auflösung vor einem und gibt die Karten.

 

Letztes Jahr im Sommer traten neue Regelungen in Kraft, worauf hunderte Spielotheken geschlossen wurden. Grund für die Regeländerung war hauptsächlich der Schutz der Spieler. Hatte es den gewünschten Effekt? Wohl eher nicht.

 

Vielmehr fand eine Verlagerung statt. Es ist also nicht ganz unberechtigt, dass sich die betroffenen Betreiber beschweren:

 

  • Viele Arbeitsplätze gingen mit der neuen Regelung verloren und natürlich auch Steuereinnahmen.
  • Auch die Umsetzung war teilweise höchst fraglich. In Niedersachsen zum Beispiel wurde nach dem Lotterieprinzip entschieden, welche Standorte schließen mussten. Wenn das mal keine Ironie in sich ist.

 

Der Trend ging jedoch ohnehin schon seit längerem Richtung Online-Casino. Die Spieler im Netz bekommen nicht nur deutlich mehr Bonusangebote, auch kann man dort die meisten Slotmaschinen kostenlos spielen. Die Anbieter sind weitgehend seriös und ordnungsgemäß registriert. Firmensitz ist meistens auf Malta oder Gibraltar und die dortigen Behörden sind für die Regulierung zuständig.

Die staatliche Lotterie

Während die Spielhallenbetreiber starke Einbußen hinnehmen mussten, hält der Staat weiterhin das Monopol auf die Lotterie. Jedes Jahr werden damit knapp 3 Milliarden Euro verdient, wovon etwas über die Hälfte für wohltätige Zwecke gespendet wird. Lotto ist übrigens eines der Glücksspiele mit dem schlechtesten RTP. Dieser sogenannte “Return to Player” Wert gibt an, wieviel der Einnahmen an die Spieler wieder ausgezahlt wird, und beim Lotto sind das gerade mal 60%. Im Vergleich sind das bei Spielautomaten um die 96% und bei Roulette über 97%. Lotto scheint zwar relativ ungefährlich zu sein, wenn es um das Thema Spielsucht geht, zieht jedoch der Gesamtbevölkerung eine ganze Menge Geld aus der Tasche.

 

  • Deutschlands Gesamtumsatz bei legal reguliertem Glücksspiel beträgt circa 35 Milliarden Euro jährlich.
  • Die Steuereinnahmen betragen über 5 Millionen Euro und circa 200.000 Menschen arbeiten in der Branche.
  • Eine deutliche Verlagerung in den Online-Bereich hat zahlentechnisch also eine signifikante Auswirkung.

 

Es scheint als fehlte es etwas an Weitsicht auf politischer Ebene, als die neuen Gesetze letztes Jahr in Kraft traten. Die gewünschte Verringerung der sogenannten Problemspieler blieb definitiv aus. Studien zeigen, dass diese seit Jahren immer im gleichen Bereich liegt. In Deutschland sind das rund ein Prozent der Gesamtbevölkerung.

 

Hessen war übrigens das erste Bundesland, welches ein Programm einführte, um Problemspieler in Spielhallen und Casinos sperren zu lassen. Um die 12.000 Personen wurden im Folgenden vom Glücksspiel ausgeschlossen. Interessanterweise ging nur 1% davon von den Betreibern aus. 99% waren sozusagen Selbstanzeigen. Wie viele dieser Menschen jedoch letztendlich im Internet weiter spielten, darüber gibt es keine Zahlen.

Online-Bereich berücksichtigen

Das einzig Logische, um wirklich etwas im Bereich Spielerschutz zu erreichen, ist den kompletten Markt zu regulieren. Nur wenn der Staat Casinos, Spielhallen und den Online-Markt reguliert, ist es möglich, bestimmte Personen vor sich selbst zu schützen. Natürlich müssten dann auch die Spielautomaten in der Kneipe nebenan auf lange Sicht verschwinden. Viele davon sind sowieso illegal. Die Stadt Berlin zum Beispiel gestand vor Kurzem ein, dass für eine Regulierung dieses Bereiches schlichtweg die Manpower fehle.

 

Es wird geschätzt, dass zurzeit ca. 40 Milliarden Euro jährlich weltweit mit Glücksspiel eingenommen werden. Das ist eine Verdreifachung über die letzten 10 Jahre. Circa ein Drittel kommt mittlerweile aus dem Online-Bereich, Tendenz steigend. Deutschland sollte schnellstmöglich erkennen, dass mit den letzten Maßnahmen keine echte Verbesserung eingetreten ist. Man kann die Menschen nicht vom Spielen abhalten und das muss man in den meisten Fällen auch nicht. Wir leben in einem freien Land und wer sein Geld im Casino oder am Spielautomaten einsetzen will, hat ein gutes Recht dazu.

Wenn es um den Spielerschutz der Problemspieler geht, muss der Online-Markt mit eingebunden werden. Stellen sie sich mal vor, der Staat würde ab Morgen ein Gesetz erlassen, welches es verbietet, Zigaretten im Laden zu kaufen, jedoch könnte man sie weiterhin im Internet bestellen. Würde sich die Zahl der Raucher verringern?

Bildquelle:pixabay