Onimusha: Warlords bei uns im Test

Katana statt Knarre - Unser Test zum Resident Evil im feudalen Japan!

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Über regelmäßige Neuveröffentlichungen betagter Videospiele lässt sich wunderbar streiten. Ob sinnvolle Portierung oder überflüssiges Remaster, das hängt meist auch vom jeweiligen Titel ab. Und während etliche Spiele mittlerweile wie selbstverständlich von einer Konsolengeneration auf die nächste mitgezogen werden, bleibt es um so manchen Klassiker jahrelang still.

Im Fall von Onimusha: Warlords war das bislang besonders schade. Als der Titel 2001 auf der Playstation 2 erschien, galt er in vielerlei Hinsicht als maßgebend für ein gesamtes Genre. Der mutige Mix aus bekannten Elementen der Resident Evil-Reihe und neuen, völlig eigenständigen Mechaniken, bescherte dem Action-Adventure eine große Fangemeinde, was mehrere Ableger und Spin-Offs nach sich zog. Spieler liebten das unverbrauchte Samurai-Setting und nicht zuletzt die zahlreichen, historischen Bezüge zur echten Geschichte Japans, die sich hier mit allerlei fantasiereicher Folklore vermischte.

Irgendwann verschwand die Serie dann aber von der Bildfläche, und war daran auch ein klein wenig selbst schuld. Bereits Onimusha: Warlords hatte mit Hauptdarsteller Samanosuke einen richtigen Schauspieler als Vorbild, der per Motion-Capturing im Spiel zum Leben erweckt wurde, als Capcom sich jedoch für den dritten Ableger eine Kooperation mit Jean Reno überlegte, schien der Bogen überspannt. Sogar das Setting erhielt zu diesen Gunsten einen fragwürdigen Tapetenwechsel. Vom mittelalterlichen Japan ins Paris der Moderne, das fühlte sich einfach nicht mehr stimmig und viel zu abgedreht an.

Zwar erschien 2006 wieder ein eher klassisch angehauchtes Onimusha, das konnte den einstigen Fehltritt aber nicht mehr ausbügeln und galt von Beginn an als Geheimtipp unter beinharten Anhängern der Reihe. Zumal die meisten Spieler zu diesem Zeitpunkt schon den Sprung auf die Playstation 3, bzw. Xbox 360 gemacht hatten. Ein Sprung, den Onimusha nie schaffen sollte…

Blaues Blut schmeckt immer gut

Heute, ganze 18 Jahre nach Veröffentlichung des Originals, landet Onimusha: Warlords als Remaster auf allen aktuellen Konsolen und lädt Fans, sowie Neueinsteiger gleichermaßen zu einer spannenden Reise in ein vom Krieg gebeuteltes, mittelalterliches Japan ein. Feldherr Oda Nobunaga versetzt das Land in Furcht und Schrecken und selbst sein vorzeitiges Ableben kann diesem Grauen kein Ende setzen. Ganz im Gegenteil, denn ein Pakt mit den Dämonen der Unterwelt macht den Mann mit der finsteren Miene wieder lebendig und vor allem durstig. Statt schnödem Sake, soll es aber das Blut von Prinzessin Yuki sein.

Die kann sich immerhin glücklich schätzen, einen Samurai wie Akechi Samanosuke zu kennen, der gemeinsam mit Kollegin Kaede eine tollkühne Rettungsaktion startet. Im Anwesen der hiesigen Royals angekommen wird jedoch schnell klar, dass hier etwas faul ist – buchstäblich. Denn anstelle freundlicher Bediensteter, besteht das Willkommens-Komitee aus untoten Hofwachen, die den spontanen Besuch nicht sonderlich zu schätzen wissen.

Die nun folgenden vier Stunden führen mich immer tiefer in das unwirtliche Anwesen und seine Außenbereiche. Verwinkelte Gänge, Übersichtskarten, die kein Mensch entziffern kann und langatmiges Backtracking, ja, die Parallelen sind tatsächlich unverkennbar – Onimusha macht wirklich keinen Hehl daraus, dass es ein Resident Evil im feudalen Japan sein möchte.

Trotz des insgesamt recht linearen Spielverlaufs, lohnt es sich dennoch, die Umgebung gründlich zu erkunden. Neben aufschlussreichen Tagebucheinträgen, finde ich so auch allerlei Hilfsmittel. Ein paar extra Kräuter oder Magatama zum erweitern der Lebensenergie haben noch keinem Samurai in der Not geschadet, zumal Onimusha: Warlords seiner Survival-Horror-Herkunft ohnehin alle Ehre macht.

Der Schwierigkeitsgrad steigt schnell an, selbst als erfahrener Spieler darf ich den richtigen Zeitpunkt zum Blocken nicht verpassen, was auch schon mal das Auswendiglernen gegnerischer Bewegungsmuster mit sich bringt, wenn ich nicht vorzeitig als Samubrei (…) enden möchte. Heilitems sind rar gesät und trotz deutlich agilerem Moveset gegenüber einem Resident Evil, verfügt mein Alter Ego über keine Ausweichrolle oder ähnliches.

Dafür punktet Onimusha: Warlords in der Offensive. Im Laufe der Story lassen sich drei unterschiedliche Waffen finden. Ein blitzschnelles Katana, ein behäbiger Beidhänder und die ziemlich coole Doppelklingen-Version eines Speers. Jedes Schwert ist dabei einem bestimmten Element zugeordnet und verspricht, neben den normalen Attacken, einen besonders mächtigen Spezial-Angriff. Ein Devil May Cry darf man hier nach wie vor nicht erwarten, insgesamt fühlt sich das Kampfsystem von Onimusha aber schon relativ flott an. Ohne großen Aufwand lassen sich nette Kombos auf den Bildschirm zaubern und zusammen mit den elementaren Spezial-Attacken zu vernichtenden Angriffen kombinieren.

Seelendiebstahl

Der besondere Clou dabei: Besiegte Gegner hinterlassen Seelen, die Samanosuke mit einem speziellen Handschuh absorbiert. Gelbe und blaue Varianten füllen den Energie-, bzw. Manabalken auf, während ich rote Seelen dazu nutze, das Arsenal permanent zu verbessern. Jede Waffe, sowie das dazugehörige Element, verfügt über jeweils drei Verbesserungs-Stufen. Das verpasst nicht nur den Kämpfen eine interessante RPG-Note, auch beim Erkunden der besetzten Burg erschließen sich so immer mehr Bereiche. Diverse Türen sind mit Siegeln der unterschiedlichen Elemente und einer Mindeststufe versehen. Will ich dort passieren, muss ich die damit verbundene Waffe ausrüsten und zuvor entsprechend aufgestuft haben – Metroidvania lässt grüßen. Oft wird das einfach im Rahmen der Story gefordert, manchmal locken diese versperrten Wege aber auch mit optionalen Geheimnissen, was zusätzliche Spielzeit und nützliche Gegenstände verspricht. Wer die Augen besonders weit offen hält, findet sogar einen versteckten Arena-Modus.

Für weitere Abwechslung sorgt Sidekick Kaede, die während der Haupthandlung hin und wieder das Ruder übernimmt. Als waschechte Ninja setzt die Dame mit dem Seitenscheitel vorwiegend auf Angriffe aus der Distanz, die direkte Konfrontation sollte man eher vermeiden. Ohne die Möglichkeit, Seelen zu absorbieren oder die eigene Bewaffnung zu verbessern, sind die Kämpfe mit ihr sowieso sinnlos. Die Flucht nach vorne, ist in Onimusha: Warlords aber auch gar kein Problem. Wie beim großen Vorbild, wartet jede Tür mit einer winzigen Ladeunterbrechung auf, die für Dämonen ein unüberwindbares Hindernis darzustellen scheint und sie davon abhält, mir in den nächsten Bereich zu folgen.

Lohnt sich der Griff zum Remaster?

Mit überarbeiteter Grafik und einer Auflösung von 1080p, sah Onimusha: Warlords noch nie so gut aus. Ohnehin scheint der Titel extrem gut gealtert, die Atmosphäre bleibt unverändert dicht und transportiert die Mischung aus historischen Ereignissen und lebhafter Folklore ebenso gelungen. Sein wahres Alter kann der Titel trotzdem nur schwer verbergen. Daran sind in erster Linie die vorgerenderten Hintergründe schuld, die ziemlich verwaschen wirken. In manchen Fällen sorgt das für ordentlich Verwirrung, denn es ist nicht immer ganz klar, ob mit einem Objekt interagiert werden kann oder ob es schlicht zur Dekoration der Umgebung gehört. Stilistisch gefällt diese Designentscheidung aber selbst heute noch und passt perfekt zum Retro-Feeling. Apropos, denn neben dem typischen 16:9 Bildschirmformat, dürfen Nostalgiker das Bild auch in klassischem 4:3 erleben.

Charaktermodelle und Animationen wurden ebenfalls nochmal aufgehübscht und wirken wie aus einem Guss. Selbst der Soundtrack hat eine komplette Neuauflage erhalten, was den Ausflug in die Welt der Dämonen akustisch wahnsinnig passend untermalt. Mit einer modernisierten Steuerung, lassen sich Samanosuke und Kaede nun endlich auch mit dem Analog-Stick durch das Japan der Sengoku-Zeit steuern, was vor allem dem Kampfsystem sehr zugute kommt. Lediglich das Wechseln zwischen Nah- und Fernkampfwaffen kann sich in hektischen Momenten etwas unpräzise anfühlen.

Ein weiterer Fluch der Vergangenheit sind die fixen Kameraperspektiven. Jeder Bildschirmbereich kommt mit einer einzigen, unveränderbaren Ansicht daher. Bei Resident Evil mag das noch in Ordnung gehen, da die meisten Gegner dort eher langsam unterwegs sind, in Onimusha: Warlords führt das aber oft zu brenzligen Situation, in denen schlicht die Übersicht fehlt und Kämpfe gegen unsichtbare Gegner an der Tagesordnung stehen. Rein spielerisch kann das zwar ordentlich frusten, im Sinne der Atmosphäre scheint diese Entscheidung aber wohlüberlegt. Die starre Kamera treibt den Spannungsbogen massiv nach oben, meist kann man die Bedrohung in Dämonengestalt bereits hören, aber noch gar nicht sehen.

Ein Spiel mit Geschichte

Weniger ein Problem des Remasters, aber längst nicht aus dem Schneider, ist die Story von Onimusha: Warlords. Die Eröffnungssequenz stimmt immer noch gut auf das Abenteuer ein und auch das Ende weiß zu überzeugen, doch dazwischen passiert kaum etwas, das bei Laune hält. Fast schon Slapstick-artig geraten die Protagonisten der Reihe nach in diverse Notsituation, die sich nur leider nie so bedrohlich anfühlen und viel mehr einen lauten Lacher, als ernste Besorgnis hervorbringen. Schuld daran trägt sicher das abgrundtief schlechte Voice-Acting, aber auch die noch deutlich unbeholfene Darstellung eines glaubwürdigen Charakterschauspiels in Videospielen, was 2001 durchaus normal war. Das gleiche gilt übrigens für die deutsche Übersetzung der Untertitel. Im Grunde ergeben die dort geschriebenen Worte Sinn, dass hierfür aber mal jemand bezahlt wurde, ist nur schwer vorstellbar.

Aber das sind alles Nichtigkeiten. Zu einem äußerst fairen Preis von nur 19,99 €, dürfen interessierte Spieler eine absolut zeitlose Perle der Videospielgeschichte nacherleben oder ein weiteres mal genießen. Über die geringe Spieldauer von knapp vier Stunden lässt sich diskutieren, immerhin ist mit den Erfolgen / Trophäen der Wiederspielwert immens gestiegen. Oder ist jemand von euch schon mal auf die Idee gekommen, Onimusha: Warlords durchzuspielen, ohne auch nur ein Schwert zu verbessern oder auf die hilfreichen Kräuter zu verzichten?

Kleine Trivia zum Schluss: Die Tatsache, dass Oda Nobunaga einmal wirklich existiert und als Feldherr versucht hat, ein ganzes Land einzunehmen, hat mich damals ziemlich überrascht. Aber wusstet ihr auch, dass der Typ fast mehr Auftritte in Videospielen hat als Super Mario und sogar mal die Hauptrolle in einem Pokémon-Abenteuer spielen durfte?

Onimusha: Warlords ist seit dem 15. Januar 2019 ausschließlich digital für Xbox One, Playstation 4, die Nintendo Switch und den PC erhältlich. Mit 19,99 € fällt die Preisgestaltung angenehm fair aus.

Für diesen Test wurde uns ein Review-Code für Onimusha: Warlords auf der Xbox One von Capcom zur Verfügung gestellt. Screenshots und weiteres Bildmaterial stammen vom offiziellen Presse-Server des Publishers.

80%

Endlich...

Onimusha: Warlords hat mich damals begeistert und zu einem treuen Fan der Reihe gemacht. Nie zuvor hatte ich einen Titel gespielt, der so viele Ideen miteinander vereint und sie derart gekonnt umsetzt. Nach tausendfachen Wunschgedanken und wehmütigem Sinnieren im Freundeskreis, wurden meine Gebete endlich erhört und, tada, hier ist es: Das Remaster eines meiner absoluten Langzeit-Favoriten. Klar, ein komplett überarbeitetes Remake hätte dem Spiel sicher genauso gut getan, aber im Grunde ist das gar nicht nötig. Onimusha ist überraschend gut gealtert und macht immer noch richtig viel Spaß. Vielleicht hätte Capcom dem Titel ein paar zusätzliche Inhalte spendieren können, denn als Veteran war ich dann nach knapp 3,5 Stunden auch schon durch und hatte jedes Geheimnis geknackt und alle optionalen Gegenstände eingesackt. Wirklicher Wiederspielwert fehlt, dafür fällt die Preisgestaltung äußerst fair aus. Ein zeitloser Klassiker, den jeder einmal erlebt haben sollte!

  • Grafik
  • Sound
  • Story / Atmosphäre
  • Steuerung
  • Umfang