Nintendo Labo: Robot Kit bei uns im Test

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Wir durften uns das Nintendo Labo Robot Kit mal etwas genauer ansehen. Wir sagen euch wie wir es finden und für wen es eigentlich gemacht ist.

Ich durfte mir bereits vor Release, beim Nintendo Labo Workshop in Hamburg, den neuesten Geniestreich von Nintendo ansehen. Damals lag mein Hauptaugenmerk auf dem Variety Kit, doch heute gilt unser Test voll und ganz dem Robot Kit, dennoch behalten wir uns vor hin und wieder den ein oder anderen Vergleich zu ziehen. Vorab möchte ich sagen, dass Nintendo Labo, welches wir während unserer Podcasts liebevoll „Nintendo Pappe“ genannt haben, mehr zu bieten hat, als die meisten wahrscheinlich denken. Genug Vorgeplänkel, beginnen wir unseren Test ganz im Sinne von „Bauen, Spielen und Entdecken“.

Das Bauen

Bevor gespielt wird, wird gebastelt. Das Bauen des Roboters ist wirklich kinderleicht, auch wenn die ganz kleinen ab und an (beispielsweise bei Knoten) dennoch Hilfe gebrauchen können. Im Kern wird nur gefaltet und zusammengesteckt, seltener kommen auch Fäden und Druckknöpfe zum Einsatz. Die auf der Software enthaltene Anleitung präsentiert einem Step-by-Step jeden noch so kleinen Knick, zum Glück kann man da beliebig vor- und zurückspulen. Sollte es dennoch mal passieren, dass ihr aus Versehen an der falschen Stelle knickt –  keine Sorge, der Karton vergibt euch und ich erstaunlich robust. Sollte doch mal etwas kaputt reißen, lässt sich alles mit Klebeband oder im schlimmsten Fall Panzertape ganz gut flicken. Die Konstruktion an sich braucht je nach Schnelligkeit zwischen 2,5 und 3,5 Stunden – wobei ich denke, dass das vor allem vom Alter des Bastlers abhängt. Insgesamt fällt auch schon viel Müll an, da alles aber umweltfreundlich ist, kann man da auch mal darüber hinwegsehen. Ich muss sagen: Mein Gott hat mir das Basteln viel Spaß gemacht – effektiv habe ich nicht damit gerechnet.

Auch der Mechanismus wie der Roboter später eure Bewegungen ins Spiel überträgt ist zwar einfach, aber genial. Durch das Ziehen an euren Schlaufen, die um Hände und Füße gewickelt werden, bewegt ihr im inneren des „Rucksacks“ kleine Gewichte. Euer Infrarot-Sensor am Joy-Con nimmt diese Bewegung, dank kleiner reflektierender Aufkleber, wahr und überträgt eben diese Bewegungen auf den Bildschirm – das funktioniert überraschend gut. Was den Bau-Aspekt angeht kann ich für meinen Teil nur einen dicken Daumen nach oben geben.

Das Spielen

Kommen wir zum eigentlichen Herzstück des Ganzen, immerhin ist es immer noch ein Videospiel. Ihr seid selbst der große Mech und stampft, rollt und fliegt euch euren Weg durch eine kleine Stadt. Dabei kommt euch nichts in die Quere und wenn doch – macht ihr es eben platt. Hierbei geht es mehr um eine Kombo-Highscore-Jagd, als um eine große Geschichte, denn diese gibt es nicht. Das Spiel ist nicht anspruchsvoll, da ihr selber nicht zu Grunde gehen könnt. Mich selbst konnte das ganze auch nicht sehr lange bei Laune halten, ABER meine kleine Nichte, die jetzt beinahe 6 ist hatte einen enormen Spaß und es war wirklich schwer ihr den Rucksack wieder abzunehmen. Womit ich beim Punkt bin: der spielerische Teil ist hier ganz offensichtlich eher an die jüngere Generation gerichtet – was nicht ausschließt, dass auch Erwachsenen ihren Spaß haben dürfen.

Was die Präsentation der Stadt und allem darin angeht, muss ich leider sagen, dass es grafisch keine Preise geben wird – aber hässlich kann man es nun wirklich nicht nennen. Aber seien wir ehrlich, dass haben wir auch nicht erwartet oder? Hier punktet ganz klar das Spielprinzip statt der Grafik. Aber was ist wichtig für eben dieses Spielprinzip? Genau, dass eure Apparatur funktioniert. Genau das tut sie auch, egal ob ihr die Arme ausstreckt um zu fliegen, oder in die Hocke geht um zum Panzer zu werden, oder ihr einfach nur stampft. Sofern ihr euch an die Anleitung gehalten habt wird alles sehr präzise übertragen, mit einer nicht spürbaren Verzögerung. Hier wurde das geschafft, was Kinect immer probiert hat.

Etwas interessanter als der Hauptspielmodus war für mich allerdings der Trainingsmodus. In diesem warten einige Herausforderungen auf euch in denen ihr euer Können und eure Geschicklichkeit unter Beweis stellen könnt. In diesem Modus seit ihr in einer futuristischen Testkammer à la Tron unterwegs. Das ganze bringt euch auch noch einige neue Boosts und Moves für den Hauptspielmodus ein, so dass ihr immerhin einen Grund habt auch da noch einmal reinzuschauen. Außerdem könnt ihr, sofern ein Freund ebenfalls das Robot Kit besitzt, auch lokale Kämpfe austragen – nichts großes, aber eine sehr nette Abrundung der Modi.

Individualisierung ist natürlich auch möglich. Von außen könnt ihr euren Rucksack natürlich gestalten wie ihr wollt, das ist aber auch Ingame möglich. Ihr dürft an Farbe und generellem Aussehen feinjustieren. Aber auch hier nicht einfach so, sondern ihr müsst auch physisch etwas dafür tun. Denn „rumschrauben“ könnt ihr auch nur mit selbstgebastellten Schrauben, die mit im Pappbogen enthalten sind. Ganz nett ist auch der Kalorienmodus, in diesem Zeigt euch das Spiel wie viele Kalorien ihr denn während eurer Play-Session verbrannt habt.

Das Entdecken

Genau wie beim Multi Kit ist auch beim Robo Kit die Toy-Con Werkstatt vollständig vorhanden. Spätestens hier sind dem Spielspaß nahezu keine Grenzen gestellt. Dieser Modus richtet sich auch ganz klar eher an die Größeren Spieler. Ihr habt zwar nicht ganz so viel was mitgeliefert wird um hier eure eigenen Abläufe zu „programmieren“, aber hier ist sowieso eure Kreativität gefragt. Es handelt sich um einen intuitiv zu bedienenden Editor. Im Prinzip legt ihr eine Aktion fest, auf die dann eine Reaktion geschieht. Beispielsweise: Bekommt der Infrarot-Sensor des Joy-Con kein Licht mehr, so fällt der andere um. Ihr könnte eine riesige Kette von Wenn-Dann-Aktionen herstellen. Das klingt jetzt wirr, aber wir sind auch ehrlich: Das muss man gesehen oder selbst ausprobiert haben, weshalb wir euch einige Videos von großartigen Ergebnissen präsentieren werde. Ich hab es bisher noch nicht zur bahnbrechenden Erfindung geschafft, habe aber schon in Videos gesehen wie Leute damit funktionierende „Getränkeautomaten“ aus Pappe gebaut haben. Aber seht euch die Genialität hinter diesem Modus selbst an:

Preis und Umfang

Das Nintendo Labo Robot Kit liegt mit rund 80 Euro über dem Preis der heutigen Vollpreistitel und ist auch noch 10 Euro teurer als das Multi Kit. Für diese 80 Euro bekommt ihr allerdings den Roboter bestehend aus einer riesigen Menge Pappe, Fäde, Druckknöpfen und Riemen, Pappbögen mit Spielereien für die Toy-Con Garage und natürlich die Software, also das eigentliche Spiel. Viele wollen jetzt bestimmt wissen: Finde ich das zu teuer? Ganz ehrlich, vor meinem Test hätte ich ganz laut „JA“ geschrien.Jetzt hat sich meine Meinung allerdings geändert und zwar zum: Das muss wirklich jeder für sich alleine entscheiden. Und jetzt soll mir hier keiner mit den Material-Kosten ankommen. Eine Lego-Figur für 80 Euro ist vom Materialwert her auch um ein vielfaches günstiger und da liegt gar keine Software bei. Nintendo Labo bereits ab 53,99 € kaufen.

Ich denke, dass vor allem die Kleineren unter euch mehr Spaß mit dem Roboter an sich haben werden, weshalb gerade für eine Familie mit kleinen Kindern der Roboter ideal sein könnte. Kinder haben eben nicht diesen Anspruch, dass alles zu 100% ausgereift und herausfordernd sein muss. Auch haben jüngere nahezu kein Problem mit Repetition. Ich muss an dieser Stelle allerdings den etwas älteren sagen: Ich ganz persönlich würde jedoch zum Kauf des Multi Kit raten. Das eine muss das andere ja nicht ausschließen, aber in meinen Augen ist das Multi Kit spielerisch einfach etwas raffinierter. Sollte euch das was ihr gehört habt allerdings gefallen: tut euch keinen Zwang an, auch das Robo Kit konnte mich überzeugen, ich wollte euch nur sagen was in meinen Augen das „bessere“ ist.

80%
Ein durchaus gelungener Start für Projekt "Nintendo Labo"

Fazit

Ja viele waren skeptisch was Labo anging, ich eingeschlossen. Aber ich wurde für meinen Teil positiv überrascht. Man muss sich eben auch vor Augen halte an welche Zielgruppe sich das ganze richtet: Die etwas jüngeren oder eben Familien. Ich wiederhole nochmal: Auch Erwachsene können ihren Spaß haben, aber sie sind in diesem Fall eben nicht die Hauptzielgruppe. Meine Nichte fand das "ganz ganz toll" und hat gelacht. Es scheint also so, als käme es bei der Zielgruppe gut an oder? Denkt dran: Die Kinder von heute, sind die Nintendo Fans von morgen, genau so wie wir es einmal waren. Labo war ein gewagter Schritt, auf den aber von mir aus gerne noch viele weitere folgen dürfen.

  • Grafik 55%
  • Umfang 85%
  • Story/Atmosphäre 65%
  • Steuerung 95%
  • Kreativität 100%