Mass Effect: Andromeda bei uns im Test

0

Mit Mass Effect: Andromeda wollen BioWare und EA ihre extrem beliebte Sci-Fi-Rollenspiel-Reihe neu starten und auf die aktuelle Konsolengeneration hieven. Das bedeutet unter anderem: Neue Charaktere, neue Story, neue Grafik-Engine und vieles mehr. Ein sehr ambitioniertes Projekt, welches, von Anfang an, kritisch von den Fans und der Presse beäugt wurde. Ob den Entwicklern der riskante Neustart einer der besten Rollenspiele-Reihen aller Zeiten gelungen ist oder nicht, erfahrt ihr hier bei uns im Test. Viel Spaß.

Jetzt macht sich der Deutsch-Unterricht der Oberstufe doch noch bezahlt! Bei Mass Effect: Andromeda kann man nämlich von einer sogenannten Allegorie sprechen. Die Situation rund um die Marke ist tatsächlich ziemlich gut mit der Ausgangssituation im Spiel zu vergleichen. Als einer von mehreren tausend Pionieren erwachen wir nach 600 Jahren aus unserem Kryo-Schlaf und finden uns in der 2,5 Millionen Lichtjahre entfernten Andromeda-Galaxie wieder. Dort will die gleichnamige Andromeda-Initiative nach einer neuen Heimat für die verschiedenen Rassen der Milchstraße finden. Deshalb hat man vor der eigenen Ankunft Forschungsteams auf potenziell bewohnbare Planeten geschickt und eine Andockstation bauen lassen. Nach unserer holprigen Ankunft in der neuen Galaxie, müssen wir jedoch feststellen, das wohl einiges schief gelaufen ist.

Die Andockstation, auf der sich die verschiedenen Archen nach ihrer Ankunft einfinden sollten, scheint verlassen. Schnell wird klar, dass die anderen Archen noch nicht eingetroffen sondern vielmehr verschwunden sind. Als frisch gekürter Pathfinder muss der Spieler dieser Situation nun auf den Grund gehen und dabei auch noch einen bewohnbaren Planeten für all die mitgereisten Menschen und Aliens finden. Es gab mit Sicherheit schon leichtere Aufgaben im Geschichte der Menschheit. Ähnliches gilt für die Damen und Herren von BioWare, die hatten mit Sicherheit auch schon einfacherer Aufgaben, als eine ihrer größten und beliebtesten Marken neuzustarten. Jedoch haben sie mit Dragon Age: Inquisition gezeigt, dass sie das durchaus draufhaben. Also: Kann Andromeda an die Stärken der klassischen Trilogie rund um Commander Shepard anknüpfen?

Mass Effect AndromedaWird in der neuen Galaxie alles besser?

Bereits in den ersten Spielstunden schafft es Mass Effect: Andromeda, eine Mischung aus Aufbruchstimmung und Verunsicherung zu erzeugen. Das passt einfach perfekt, da wir eigentlich genau das nachempfinden, was unser Charakter im Spiel fühlen muss. Ein guter Einstieg ist aber nicht immer nur ein Segen, denn sobald man diesen hinter sich gelassen hat, muss das Spiel nachlegen. Und hier kommt die erste kleine Schwäche im Spiel. Bei unserer Suche nach einem bewohnbaren Planeten, bereisen wir viele verschiedene Exemplare. So treffen wir auf Wüstenplaneten, Eisplaneten, steinige Planeten und so weiter und so fort. Leider kommen uns viele der bereisten Planeten immer wieder viel zu vertraut vor und sorgen für das ein oder andere Déjà-vus.

Jedoch kann man das, dank der Story, noch relativ logisch „wegerklären“. Es ist eben einfach unsere Mission, einen Ort zu finden an dem man leben kann. Deshalb sucht man zunächst auf Planeten, die vergleichsweise „heimisch“ oder vertraut wirken und gewisse Ähnlichkeiten zu bewohnten Planeten der Milchstraße haben. Trotzdem ist es etwas schade, dass sich nur wenige Planeten wirklich von der Masse abheben. Dafür sind die Momente auf den komplett neuen Planeten, wie dem der Angara, ein wundervolles Erlebnis. Spätestens auf solchen Planeten merkt man dann, dass man wohl weit entfernt von der Mass Effect-Milchstraße sein muss. Unabhängig von der vertraut wirkenden Planeten, sieht jede Landschaft einfach unfassbar schön aus.

Mass Effect AndromedaDas Quest-Design: Mal so, mal so.

Ein weiterer Punkt, der die Fanbase auf eine Probe stellen wird, ist das neue Quest-Design. Hier hat man sich, leider, sehr an Dragon Age: Inquisition orientiert und viel zu viele Füller-Missionen eingebaut. Insgesamt machen die meisten davon auch irgendwie Sinn oder passen in das Gesamtbild der Story aber die wenigsten machen wirklich Spaß. Immerhin hat man doch ein paar Sachen von Inquisition verbessert. So entwickeln sich viele der kleinen Nebenaufgaben anders als wir es zunächst erwarten. Da kann es schon einmal passieren, dass aus einer einfachen Scan-Quest eine spannende Hetzjagd wird.

Auch die Loyalitäts-Missionen, aus Mass Effect 2, haben es wieder ins Spiel geschafft. Während diese im zweiten Teil der Reihe noch recht aufgesetzt wirkten, hat man sie in Andromeda viel besser integriert. Tatsächlich sind sie sogar ein Highlight im Spiel. Das liegt besonders daran, dass sich die Missionen abschnittsweise entwickeln, so kann es vorkommen, dass wir eine Quest abschließen und dann zwei Hauptquests später wieder damit konfrontiert werden. So bekommen zum einen die neuen Begleiter mehr Tiefe und das Spiel zum anderen ein bisschen mehr Abwechslung.

Mass Effect AndromedaIhr dachtet Inquisition wäre groß? Pff!

Apropos Abwechslung, die hat das Spiel auch dringend nötig bei der Spiellänge! In der Promo-Phase des Spiels, haben die Enwtwickler von BioWare immer wieder behauptet, das Mass Effect: Andromeda extrem umfangreich werden soll. Und hey, wer hätte es gedacht! Sie haben nicht gelogen! Obwohl, eigentlich schon, denn das Spiel ist noch viel größer geworden, als wir es jemals erwartet hätten. Angenommen wir spielen nur die Hauptquests, und das zügig, dann sind wir schon über 40 Stunden mit dem Ding beschäftigt. Wer dann noch einen Großteil der schier unendlichen Nebenquests absolvieren will, sollte noch weitaus mehr Spielstunden einplanen.

Ein anderer Aspekt, mit dem wir uns während unserer langen Reise durch die Andromeda-Galaxie beschäftigen müssen ist das Kampfsystem. Und hier muss man leider sagen, dass es Mass Effect: Andromeda etwas an Besonderheit fehlt. Und zwar an der Besonderheit der letzten drei Teile. In den Vorgängern gab es immer wieder Gegner die uns Schweißperlen auf die Stirn zauberten, da wir wussten, wie schwer sie zu besiegen sind. Wir mussten immer wieder unsere Taktik umstellen, neue Sachen ausprobieren und des öfteren auch ins virtuelle Gras beißen. Hier ist es leider so, dass sich unsere Gegner kaum voneinander unterscheiden und uns meistens keine großen, taktischen Meisterleistungen abverlangen.

Das ist einfach extrem schade, da BioWare echt viel am Kampfsystem gearbeitet hat und uns in Mass Effect: Andromeda eigentlich das beste Kampfsystem der ganzen Reihe bietet. Dabei hat man sich augenscheinlich auch am Multiplayer von Teil 3 orientiert, denn die Gefechte sind deutlich flotter und laufen nicht mehr so statisch ab. Dafür hat dann wohl die Zeit bei der Arbeit an der KI gefehlt. Schade. Wer also wirklich herausfordernde Kämpfe haben will, sollte den Schwierigkeitsgrad hochdrehen.

Mass Effect AndromedaNoch mehr Veränderungen

Mass Effect: Andromeda wäre natürlich kein richtiges Mass Effect ohne die verschiedensten Nebencharaktere und Dialoge mit unterschiedlichen Antwort-Möglichkeiten. All das findet man auch hier wieder aber mit der ein oder anderen Änderung. So müssen wir uns zum Beispiel vom klassischen „Gut/Böse“-System verabschieden. In den neuen Dialogen entscheidet die Art unserer Antworten über die Ereignisse: So können wir logisch, emotional, professionell oder auch zwanglos antworten. Dadurch fühlt sich die Entwicklung unserer Gespräche tatsächlich natürlicher an, als die alten, als die alten „Gut oder  Böse“-Entscheidungen. Durch das neue Dialog- und Moralsystem wird unser neuer Hauptcharakter Ryder tatsächlich sympathischer als Commander Shepard, das liegt natürlich auch an der Story und der Eingangs erwähnten Situation.

Jeder Fan der Reihe weiß auch, dass es typisch für die Spiele ist, uns immer wieder vor große, schwerwiegende Entscheidungen zu stellen. Das gibt es hier auch wieder aber es wurde wieder etwas anders gelöst. In Mass Effect: Andromeda sind die Entscheidungen und die Auswirkungen deutlich subtiler. Das bedeutet, dass sie uns hier eher dazu dienten neue Verbündete für uns zu gewinnen, uns neue Wege zu öffnen oder uns andere kleine Dinge zu offenbaren. Das ist natürlich eine große Änderung, da die Vorgänger für ihre folgenschweren Entscheidungen und den damit verbundenen Wiederspielwert bekannt waren. Trotzdem muss man sagen, das es sich in Andromeda passend anfühlt, da das ganze Dialog- und Moralsystem deutlich subtiler geworden ist.

Mass Effect: AndromedaFazit

Achja, da bekomme ich meine erste „große“ Review und dann ist es direkt Mass Effect: Andromeda. Ich bin großer Mass Effect-Fan und habe Teil 2 und 3 aufgesaugt, wie ein Schwamm, dementsprechend war meine Erwartungshaltung enorm hoch. Viele Spielstunden und eine Review später muss ich sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde aber auch nicht krass überrascht. Das Spiel ist definitiv gut aber verpass den Sprung in den „Sehr Gut“-Bereich.

Das liegt an vielen kleineren Fehlern, die für sich genommen nicht so schlimm sind. In der Summe aber doch den Spielspaß drücken. So hätte man beispielsweise mehr neue Rassen einführen können, die Planeten abwechslungsreicher gestalten können oder die Gegner- und Verbündeten-KI im Kampf verbessern können. Fans der Reihe dürfte aber vor allem die, im Vergleich zu den Vorgängern, schwache Inszenierung schwer aufstoßen. Ich persönlich vermisse sie auch ein bisschen, muss aber sagen, dass mir die etwas subtilere Art von Mass Effect: Andromeda durchaus gefällt und das ich es gut finde, dass man bewusst versucht, sich von den Vorgängern zu entfernen.

Mein abschließendes Fazit fällt so aus: Mass Effect: Andromeda ist ein wunderbares Spiel, das versucht einen guten Mittelweg aus alten und neuen Elementen der Reihe zu finden und dabei einiges richtig macht. Insgesamt hätte dem Spiel aber noch ein wenig Zeit gut getan, in der man die bereits erwähnten, kleinen Fehler hätte ausbessern können. Serien-Fans bekommen hiermit einen mehr als würdigen Neustart und Neulinge einen ebenfalls würdigen Einstieg in das Mass Effect-Universum.

[wc_skillbar title=“Unsere Wertung“ percentage=“82″ color=“#6adcfa“]