Marvel vs. Capcom: Origins im Test

Es gab Zeiten, da ging man noch in die Spielhalle um zu zocken. Die weite Verbreitung der Heimcomputer beziehungsweise Konsolen begann erst im nächsten Jahrtausend, mittlerweile besitzt fast jeder eine Playstation, Xbox oder einen PC. Früher waren jedoch insbesondere Prügelspiele in Spielhallen beliebt, obwohl sie oft frustig schwere, aber dadurch irgendwie sehr motivierende Stunden bereiteten. Ein Großteil der Spielbegeisterten gab viel Geld aus, nur um endlich dem Endboss gegenüber, und diesem kräftig in den Hintern zu treten. Die beliebten Arcade-Prügler „Marvel vs. Capcom Origins“ und “Marvel Super Heroes” sowie “Marvel vs. Capcom: Clash of Super Heroes“ nimmt sich Entwickler Capcom nun zum Anlass wieder altes Spielhallenflair zu verbreiten und verbindet Marvels Superhelden mit den bekanntesten Protagonisten der Capcom-Geschichte.

Somit erleben wir Duelle zwischen Hulk (aus den Spiderman-Filmen) und Ryu (aus Street Fighter), Megaman und Chun-Li, Wolverine und Gambit sowie einer ganzen Reihe mehr Kämpfern wie Captain America, Venom et cetera. Gekämpft wird im Spiel immer zu zweit als Tagteam, auf Knopfdruck dürfen dabei die Kämpfer gewechselt werden. Dazu kommen die Special Partner, welche euch in gewissen Situationen zusätzlich gegen das andere Team unterstützen. Von denen gibt es einige, die ihr per Zufallsprinzip im Wahlmenü vor Austragung der Kämpfe vorgesetzt bekommt.

Jeder der 15 auswählbaren Akteure besitzt wie gewohnt seine eigenen besonderen Fähigkeiten nebst Vor- und Nachteilen, die mit der richtigen Partnerwahl aber gut ausgeglichen werden können. Spidey wickelt seinen Gegenüber zum Beispiel gerne in ein Spinnennetz, nur um ihn kurze Zeit später mächtig eins auf die Rübe zu geben. Viele Spezialangriffe sind auf den Fernkampf ausgerichtet und können nur durch blitzschnelle Reaktionen des Opfers ausgewichen werden. Beinahe alle Charaktere sind gut ausbalanciert, sodass kaum ein übermächtiger Kämpfer die Duelle unfair gestaltet. Allerdings fanden wir etwa Zangief etwas zu schwach, da er zum einen sehr langsam ist und zum anderen aufgrund seiner Größe Angriffen nur schwerlich ausweichen kann.

Die Steuerung erfordert Eingewöhnung, zumal sie an die alte Spielhallensteuerung angelehnt ist, dafür allerdings fast alle Buttons des Gamepads ausnutzt. Im Vergleich zu modernen Kampfspielen wie „Street Fighter“ oder „Tekken“ bewegen sich die Charaktere etwas lethargisch durch die Kampfarenen, weshalb sich auch die Steuerung nie so richtig fluffig anfühlt. Auch grafisch darf man keine Highlights erwarten. Pixelige Hintergründe sollen Retrostimmung aufbauen, nerven aber den Grafikfetischisten. Doch das lässt sich nicht vermeiden, zumal Capcom aus verständlichen und aus retroperspektivischen Gründen so gehandelt hat. Fans von alten Spielhallen-Games werden dagegen begeistert sein, wie nah sich „Marvel vs. Capcom: Origins“ an den alten Arcade-Titeln orientiert. Das merkt man nicht nur in den Menüs, in denen die bekannte Spielhallen-Musik dudelt, in den Kämpfen lässt sich zudem ein Spielhallen-Kasten über den Bildschirm legen, der einmal mehr an alte Zeiten zurückerinnert, wenngleich er das Bild deutlich verkleinert.

Einzelspieler schreiten schnell im Spiel voran und bekommen schließlich Onslaught als Endgegner vorgesetzt. Als wenn die Duelle vorher nicht schon knifflig genug waren, bereitet Onslaught lediglich Profis keine Probleme, denn wer diesen besiegen will, der muss schon die Steuerung und die Bewegungsabläufe auswendig kennen. Doch alleine bringt „Marvel vs. Capcom: Origins“ sowieso nicht langfristig Spaß, obwohl im Einzelspieler-Modus nach erfüllten Missionen (Texteinblendung am Bildschirmrand) neue Dinge freigeschaltet werden können.

Die Aufgaben lauten etwa: „Überstehe eine Runde, ohne Lebensenergie zu verlieren“. Erledigte Missionsziele schalten beispielsweise neue Charaktere oder Videos frei. Viel motivierender sind da die Kämpfe gegen Freunde an einer Konsole oder im Internet. Leider dauerte es sehr lange bis wir endlich mal einen Online-Gegner gefunden haben. Dafür behinderten weder Lags noch Verbindungsabbrüche die Kämpfe.

Fazit:

Alles in allem ist „Marvel vs. Capcom: Origins“ ein schönes Zurückerinnern an alte Zeiten. Die Umsetzung ist gut gelungen, Retro-Fans freuen sich über die altmodische Steuerung und die Pixel-Grafik, welche die Spielhalle ins Wohnzimmer verlagert. Für alle modernen Spieler ist der Titel allerdings nichts, zu hoch sind die aktuellen Standards. Doch das Spiel spricht so oder so gezielt Fans der alten Schule an. Und diese werden zufrieden gestellt.

Wertung:

Gut

(C) Yan