Gaming: Wenn du verlierst, warst du zu schlecht?

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Hängen Sieg und Niederlage beim Gaming mehr vom Können des Spielers ab oder doch viel eher von seinem Glück? Und sichern sich vielleicht auch die Programmierer Einfluss auf Erfolge und Misserfolge, weil zu einfache Siege bei Gamern ebenso Unlust erzeugen wie dauernde Niederlagen und weil Programmierer möchten, dass ihre Spiele lange und gerne gespielt werden?

Diskussionen um solche Fragen füllen immer wieder die Foren und Chats. Wurde man bei Niederlagen nun vom Glück verlassen? Oder hat man einfach nur schlecht gespielt? Möglich … kann bei fast jedem Spiel beides sein. Das zeigen so unterschiedliche Spielen wie FIFA 18 und Onlinepoker. Ein bisschen Glück gehört dazu. Aber mit Können kann man den Einfluss des Glücks oft erheblich reduzieren.

Geht es bei FIFA 18 (nur) um Können?

Bei einem Fußball-Game wie FIFA 18 ist Können gefragt. Könner beherrschen die Moves und Spezial-Moves perfekt und setzen sie ebenso perfekt im Spiel ein. In FIFA 18 existieren über 50 Skill-Moves, wobei manche wie der Sombrero Flick und andere 5-Star-Moves nur den besten Spielern wie etwa Christiano Ronaldo vorbehalten sind. Moves zu trainieren, bis man sie perfekt beherrscht, dauert lange. Und selbst, wenn alle gleich lang und intensiv trainieren würden, würde es immer Leute geben, die die Moves viel besser beherrschen als andere. Hier geht es um Training UND um Talent und Disziplin. Wer einmal eSports Meister beim Dribbling oder Torabschluss beobachtet hat, wird nie mehr behaupten, dass „das ja jeder kann“. Könner minimieren bei Spielen wie FIFA 18 den Einfluss von Faktoren, die sie nicht beherrschen, und damit den Einfluss des Glücks.

Das bedeutet aber nicht, dass sie diesen Einfluss auf „0“ senken können. Das Glück spielt natürlich bei der Frage mit, mit welchem Team man antreten kann. Nicht jeder hat Ronaldo, Neymar, Ribery oder Thiago im Team. Aber das Glück hat wohl neben dem Können noch etwas mehr Einfluss: An manchen Tagen verspringen Bälle, die an anderen den Weg ins Tor finden. Der Ball trifft die Latte und landet nicht im Tor. Ballannahmen misslingen zuhauf. Es gibt solche Tage.

Dabei sollte man sich stets jedoch stets bewusst sein, dass jedes Game letztlich abhängig ist von seiner Programmierung. Glück hat nur da dort in einem Game Raum, wo die Programmierung es zulässt. Bei einem Spiel wie FIFA 18 muss sie es bisweilen zulassen, weil es das Spiel authentisch macht. Glück entscheidet ja bisweilen auch echte Fußballspiele. Es gehört vielleicht einfach dazu und erhöht die Spannung. Allerdings können Programmierer in einem Spiel natürlich Glück und Unglück simulieren und ein Spiel so programmieren, dass der bessere Spieler bisweilen bewusst eine Portion Unglück erhält. Ob so etwas geschieht oder nicht, ist ebenfalls häufig Gegenstand von Diskussionen.

Manipulieren die Programmierer das Glück?

Die Diskussionen um das sogenannte Momentum bei den FIFA Games flammt immer wieder einmal auf. Momentum wird eine angeblich vorhandene Funktion in den FIFA Spielen genannt, die schwächeren Spielern in den Schlussphasen eines Spiels eine Portion Glück zuweist, um ihre Chancen auf einen Sieg zu steigern und nicht zu viel Frust aufkommen zu lassen. Gibt es solch eine Funktion in den FIFA-Spielen?

Das Fußball-Portal Sportbuzzer zitiert zu dieser Frage den EA-Kreativchef Matt Prior im Artikel Fifa 18“: Momentum im Spiel enthalten? Das sagt EA!. Laut Prior existiert solch eine Momentum-Funktion nicht. „Es ist nur Fußball. Diese Dinge passieren im Fußball.“, sagt er und meint damit die Momente, in denen selbst Könnern alles misslingt. Aber ganz werden wohl auch seine Worte die Diskussion rund um ein mögliches Momentum nicht stoppen.

Dass Programmierer dem Glück bisweilen ein wenig nachhelfen, wird übrigens auch bei anderen Games vermutet. So hat sich etwa Blogger und Mediendesigner Johnny Häussler auf Wired.de Gedanken dazu gemacht, wie viel Einfluss programmiertes Glück bei Casual Games besitzt. Vielleicht muss man am Ende einfach festhalten, dass – zumindest bei manchen Spielen – neben Können und Glück eine Portion simuliertes Glück den Ausgang eines Spiels bestimmt? Vielleicht.

Ist Poker (nur) Glücksspiel?

Kehren wir FIFA 18 den Rücken und widmen uns mit Onlinepoker einer ganz anderen Spielart. Während man FIFA 18 eher zu den digitalen Geschicklichkeitsspielen zählt, gehört Poker für die meisten zu den Glücksspielen. Aber wie bei FIFA 18 gilt, dass neben Können auch Glück eine Rolle spielt, kann man beim Onlinepoker sagen, dass neben dem Glück auch eine Portion Können zählt. Meistens sind bei Games Können UND Glück gefragt, wenngleich in unterschiedlichen Anteilen.

Einen interessanten Ansatz, zwischen reinen Glücksspielen und Spielen mit einer Mischung aus Glück und Können zu unterscheiden, liefert ein Artikel mit dem Titel „Poker – Nur ein Glücksspiel?“: Man sollte sich einfach fragen, so der Artikel, ob man das jeweilige Spiel absichtlich verlieren kann? Ist das der Fall, hat das eigene Verhalten in jedem Fall einen Einfluss, auch wenn es ums Gewinnen statt ums Verlieren geht. Falls nicht, handelt es sich um ein reines Glücksspiel.

Poker ist etwas für Könner. Und Glückliche. Und Besonnene.

Natürlich kann man beim Pokern absichtlich verlieren. Und das eigene Verhalten hat definitiv neben dem Glück Einfluss auf den Spielausgang. Welche Karten man erhält, ist Glückssache. Es sei denn, es handelt sich um ein Falschspiel, wovon wir hier nicht ausgehen. Wer gute mathematische Fähigkeiten besitzt, kann jedoch bei diversen Pokervarianten Wahrscheinlichkeiten für diverse Kartenkombinationen und damit Gewinnchancen berechnen. Das … ist Können und kann im besten Fall die Chancen auf einen Sieg deutlich steigern.

Die Entwicklung einer guten Spielstrategie hat ebenfalls mit Können zu tun und kann den Ausgang eines Pokerturniers beeinflussen. Sitzt man realen Spielern gegenüber, kommen psychologische Faktoren hinzu. Kann man den Gegenspielern suggerieren, dass man ein super Blatt besitzt, obwohl es nicht einmal ein durchschnittliches ist? Behält man in entscheidenden Momenten des Spiels selbst die Nerven? Lernt man vielleicht, das Verhalten von Mitspielern zu lesen, um einzuschätzen, ob sie bluffen oder wirklich ein gutes Blatt besitzen? Das alles sind Fragen, die den Ausgang eines Spiels mitbestimmen können.

Was (fast) immer geht: den Einfluss von Glück verringern

Die Beispiele FIFA 18 und (Online-)Poker zeigen, dass sehr unterschiedliche Spiele von Glück UND Können abhängen, wenngleich mit unterschiedlichen Anteilen. Was macht man nun als Gamer aus dieser Erkenntnis? Man sollte sich klar machen, dass man den Einfluss von Glück nie völlig ausschließen kann. Das macht bisweilen etwas gelassener. Allerdings kann man den Einfluss von Glück minimieren. Das funktioniert bei FIFA 18 durch intensives Training besser als beim Onlinepoker. Aber es funktioniert auch beim Onlinepoker.

Und wenn man gar nicht so intensiv trainieren möchte? Das geht auch. In diesem Fall sucht man sich vielleicht SpielerInnen mit einem ähnlichen Können und ähnlichen Ambitionen. Dann geht es vor allem darum, sich ab und an durch ein gutes Game die Zeit zu vertreiben. Ohne allzu großen Ehrgeiz. Das geht auch. Und das kann jede Menge Spaß bereiten.