Dragon’s Lair Trilogie (Nintendo Switch) bei uns im Test

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Unser Test zur Quicktime-Qual für resolute Retro-Ritter!

Es ist 1983. Heimische Videospielkonsolen stecken noch in den Kinderschuhen und lassen nur wenig vom dem Erahnen, was wir heute als Unterhaltung bezeichnen. Wer wirklich etwas erleben möchte, den treibt es in die örtliche Arcade-Spielhalle. Vollgestopft mit lärmenden Automaten, aber vor allem ehrgeizigen Träumen, die irgendwo zwischen der letzten Münze und einem Game Over-Screen zerplatzen. Was ganze Nachmittage füllt, leert Sparschweine in Sekunden. Ob Pac-Man, Space Invaders oder Donkey Kong, sie alle eint dieselbe, verbohrte Jagd nach dem nächsten Highscore, doch auch der minimalistische Look. Ein echter Hingucker, ein wahres audiovisuelles Erlebnis fehlt. Aber genau das soll sich noch im gleichen Jahr ändern…

Staunende Augen, zitternde Hände, Schreie der Verzweiflung – was damals so überraschend wie revolutionär in den Spielhallen landete, ist längst zum berühmt-berüchtigten Kult geworden: Dragon’s Lair. Dank Laserdisk-Technologie der Konkurrenz optisch weit voraus und der erste Titel, der die Grenzen zwischen Spiel und Film verschwimmen ließ. Handgezeichnete Charaktermodelle und Hintergründe, der Samstagnachmittag-Cartoon zum Selberspielen war geboren. Die abenteuerliche Suche des Ritters Dirk nach der entführten Prinzessin Daphne, vorbei an unzähligen Fallen und monströsen Gestalten des Mittelalters, lockte etliche Spieler an die Automaten und brachte ein ganzes Franchise aus TV-Serien, Comics und Merchandise hervor.

Selbst heute, über 35 Jahre nach Erstveröffentlichung und weiteren Ablegern, will Dragon’s Lair nicht aus den Köpfen verschwinden. Klar, immerhin handelt es sich bei dem Klassiker um ein gutes Stück Videospielgeschichte, aber letztlich sorgen wohl auch die zahlreichen Portierungen für ein stets frisches Gedächtnis. Zuletzt auf Wii und Playstation 4 gesichtet, landet der Titel nun in einer vollgepackten Dragon’s Lair Trilogie auf der Nintendo Switch und sorgt für, nun ja, gemischte Gefühle.

Neben dem Original, ist auch die Fortsetzung Dragon’s Lair II: Time Warp, allerdings nicht Dragon’s Lair III enthalten. Den dritten Posten belegt stattdessen Space Ace, das vom gleichen Entwickler stammt und damals einen ähnlichen Erfolg verbuchen konnte. Der einzige Unterschied besteht ohnehin im Setting, denn während Dragon’s Lair mit Mittelalter-Flair lockt, steht Spielern von Space Ace ein Ausflug in den Weltraum bevor, der mit Protagonist Dexter doch fast schon an die ikonischen Abenteuer eines Flash Gordon erinnert.

In jedem Fall erwartet einen die faszinierende Mischung aus automatisch ablaufendem Cartoon und eigenen Eingaben. Und zumindest rein theoretisch, könnte das nicht einfacher sein. Lediglich vier Richtungstasten und ein Button für den Einsatz der Waffe wollen im richtigen Moment betätigt werden. Tja, was soll da schon schief gehen, fragt ihr euch? Jede Menge! Denn neben einem wachsamen Auge, sind auch jederzeit die Reflexe einer Katze gefragt. Gefühlt hat man oft nicht einmal den Bruchteil einer Sekunde Zeit, der geforderten Bildschirmeingabe Folge zu leisten – und das von Beginn an, eine Lernkurve gibt es nicht.

Dirks, bzw. Dexters Reise ist ein turbulenter Stolperpfad voller Humor und satirischer Anspielungen, kein bitterernstes Unterfangen. Die bizarren Situationen sind nach wie vor echte Hingucker und Lachgaranten, spielen sich dadurch aber ziemlich unübersichtlich. Dragon’s Lair I und Space Ace bieten eine recht komfortable Anzeige in der unteren Bildschirmmitte, bei Dragon’s Lair II müssen Eingaben allerdings aus dem Geschehen heraus erkannt werden. Dann glüht beispielsweise das Schwert oder der Pfad zur linken leuchtet bedeutend hell auf. Gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten und so verkommt jeder einzelne Titel der Dragon’s Lair Trilogie schnell zu einer Abfolge aus schwer abschätzbaren Manövern mit minimalen Zeitfenster, die man bestenfalls auswendig lernt, aber selbst dann noch an den unfairen Reaktionszeiten scheitert.

Immerhin zeigt sich die Dragon’s Lair Trilogie als halbwegs modernes Remaster ein wenig versöhnlich. Der zuschaltbare, einfache Schwierigkeitsgrad erlaubt mehr Zeit zum Reagieren und streicht besonders schwere Stellen aus dem Spiel, während zusätzliche Leben weniger Frust versprechen. Dragon’s Lair I kommt sogar in der Spielhallen-, als auch in der Home-Version daher, womit dann jeder selbst entscheidet, ob er originalgetreu nach dem Tod in einer neuen Szene startet oder sich am aktuellen Schauplatz die Zähne ausbeißt. Nostalgiker aktivieren die optionale Videospielautomaten-Ansicht oder ergötzen sich an Trailern, Interviews und anderem Bonusmaterial. Wer mit den drei Titeln so gar nicht klarkommt, aber die interaktiven Filmchen zumindest einmal sehen möchte, kann das – ohne auch nur eine Taste zu berühren – ebenfalls ganz gemütlich tun.

Technisch gibt es nichts zu bemängeln, die Dragon’s Lair Trilogie läuft auf der Nintendo Switch einwandfrei. Egal ob über den Fernseher oder im Handheld-Modus, das Geschehen bleibt stets flüssig und wird knackig scharf dargestellt, was zusammen mit dem gelungenen Soundtrack ein sehr zufriedenstellendes, atmosphärisches Gesamtbild ergibt. Lediglich die Steuerung muss sich leichter Kritik stellen, denn auch hier stört das Tasten-Layout der Joy Con-Controller einmal mehr. Für wirklich blitzschnelle Aktionen, liegen die Steuerkreuz-Tasten viel zu weit auseinander, ein Pro Controller schafft da aber sicher Abhilfe.


Die Dragon’s Lair Trilogie ist seit dem 17. Januar 2019 auf der Nintendo Switch erhältlich. Die vorerst ausschließlich digitale Version kostet 19,99 €. Eine physische Version über Limited Run Games wurde bereits angekündigt.

Für diesen Test stand uns ein Review-Code vom Publisher Digital Leisure zur Verfügung.

78%

Ein Stück Geschichte...

Unbeeindruckt von modernen Trends, landet die Dragon's Lair Trilogie nun auch auf der Nintendo Switch und bietet sich einem noch breiteren Publikum an. Aber das ist eine gute Sache, denn diesen Klassiker sollte niemand verpassen.
Rein effektiv dauert so ein Durchgang gerade einmal 15 Minuten pro Titel, was erstmal nach wenig Spielzeit klingt. Doch zusammen mit einem knackigen Schwierigkeitsgrad, optionalen Enden und dem dick geschürten Paket an Extras und Einstellungen, wird unterm Strich jeder glücklich, der Lust auf hübsch verpackte Videospielgeschichte und eine zeitlose Herausforderung hat.

  • Grafik
  • Sound
  • Story / Atmosphäre
  • Steuerung
  • Umfang