Die Legenden von Andor im Test

„Die Legenden von Andor“ ist ein umfangreiches und komplexes Brettspiel, entwickelt von Michael Menzel, der bereits mit anderen Spielideen wie „Waka Waka“ oder “Santiago de Cuba“ in die erste Liga der Brettspiele aufgestiegen ist. Ob „Die Legenden von Andor“ der gewohnt hohen Qualität gerecht wird und wirklich Spaß macht, klären wir in diesem Test.

Bevor wir uns den ausgefeilten und durchaus komplexen Regeln des Spiels widmen, verlieren wir einen kurzen Satz über die Rahmenhandlung. Um was geht es überhaupt? Auf der quadratischen Verpackung des Brettspiels steht beschrieben: „Schützt gemeinsam das Land Andor und erlebt fantastische Abenteuer!“. Der Werbetext beschreibt den Spielverlauf und das Szenario kurz, knapp, aber passend. In circa 60-90 Minuten (in der Praxis oftmals aber auch länger) verteidigen wir mit 2-4 Spielern ab 10 Jahren die Welt von Andor. Dazu steht jede Menge Spielmaterial zur Verfügung, die wir vor der ersten Partie zusammen sammeln und ordnen. 41 Spielfiguren, 142 Kartonteile, 72 große Spielkarten, 66 kleine Spielkarten… Man merkt schnell, dass „Die Legenden von Andor“ kein Brettspiel für die Pause zwischendurch ist.

Bis wir uns und unsere Mitspieler mit allen Regeln vertraut gemacht und den Aufbau abgeschlossen haben, vergehen schonmal einige Viertelstunden. Ein Kniff ermöglicht allerdings eine Zeitersparnis: Wer die Grundregeln durchgelesen hat, der bekommt alle weiteren Regeln im Spielverlauf mit Hilfe von Spielkarten erklärt. Auf denen stehen dann Regeln, die auf der allgemeinen Spielanleitung nicht aufgeführt sind. Eine schöne Idee, denn so erklärt sich ein Großteil des Regelwerks während des Spiels.

Im Großen und Ganzen erinnert „Die Legenden von Andor“ stark an ein PC-Rollenspiel a lá „Das Schwarze Auge: Drakensang“. So suchen wir uns zu Beginn des Spiels einen von insgesamt vier Helden aus, welche jeweils unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, was den Wiederspielwert für spätere Partien deutlich erhöht. Die Zauberin Eara darf pro Kampfrunde zum Beispiel den Würfel auf die gegenüberliegende Seite drehen. Aus einer gewürfelten 1 wird so eine 6. Gespielt wird nicht gegeneinander, sondern miteinander gegen die Widersacher, die Andor zu okkupieren versuchen. Dabei wird der Plot durch die Legenden-Karten erzählt. Diese sind in 6 Akte eingeteilt, wobei der erste Akt der Einführung dient.

 

So entspinnt sich eine spannend aufgebaute Geschichte. Durch bestimmte Aktionen im Spiel verändert sich der Verlauf und die Geschichte nimmt oftmals eine unvorhersehbare Wendung, die Folge sind neue Aufgaben, die wir bewältigen müssen. Neue Aufgaben werden durch den Erzähler vorgegeben, der am rechten Spielfeldrand immer weiter Richtung den Buchstaben „N“ vorrückt (begonnen wird logischerweise bei „A“). Ist er bei „N“ angekommen, sollten alle Aufgaben erledigt sein, denn sonst gilt die aktuelle Legende als nicht gemeistert. Missionsziele können beispielsweise eine Burgverteidigung oder eine Eskorte zu einem bestimmten Punkt sein.

Die Kämpfe funktionieren Runden-basiert und legen viel Wert auf die Stärke unserer Charaktere. Wie in einem richtigen Rollenspiel am PC können wir „aufleveln“, in dem wir unsere Stärke-Punkte verbessern. Auch bei Händlern steigern wir unsere Fähigkeiten mit kaufbaren Items, etwa einem Helm oder einem Schild, der uns resistenter gegen Angriffe macht. Auf dem Weg zu Ruhm und Ehre oder dem nächsten Endboss (ja, es gibt Endgegner) finden wir zudem Gold, das wir in eben jene Utensilien investieren, wie oben beschrieben. Die vielen zusätzlichen Spielmöglichkeiten bringen jede Menge Motivation ein und machen das Brettspiel von Michael Menzel zu einem spannenden, interessanten und super funktionierenden Spielerlebnis.

Für etwa 30 Euro ist „Die Legenden von Andor“ zu haben, was in Ordnung geht, wenn man bedenkt wie viel Spielmaterial sich in der Verpackung befindet, zumal auch die Verarbeitung nebst Illustration hochwertig wirkt. Klar, einzelne Pappaufsteller muten etwas klapprig an, die meisten Zubehörteile sind jedoch nicht so schnell klein zu kriegen.

Fazit:

Uns hat „Die Legenden von Andor“ viel Spaß bereitet, da man sich intensiv mit dem Spiel beschäftigen muss, um letztlich das Ziel zu erreichen. Das liegt an dem komplexen Regelwerk, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber Spielefreaks ganz bestimmt glücklich machen wird. In der Welt von Andor kann man sich schon mal verlieren und die Zeit vergessen. Toll ist auch, dass man hier kooperativ spielt und nicht wie gewohnt gegeneinander. Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass „Die Legenden von Andor“ ein komplexes, aber intelligent aufgebautes Brettspiel ist, das Brettspielfans sich definitiv mal anschauen sollten.

Wertung:

Sehr gut

(C) Redakteur Yan