Das schwarze Auge: Satinavs Ketten im Test

Deponia, Edna bricht aus, The Whispered World. Daedalic kennt sich mit Point-and-Click-Adventures (fast) so gut aus wie kein Zweiter. Die konstant hohe Qualität gibt ihnen dabei Recht. Nun hat sich das Entwicklerstudio an ein Adventure im „Das Schwarze Auge“-Universum gewagt und wieder einmal gekonnt aufgezeigt: Deutsche Entwickler und Adventures – das passt zusammen!

Geron ist ein einfacher Vogelfänger aus dem kleinen Örtchen Andergast. Die Mitbewohner der Stadt sehen in ihn eher einen Unheilbringer aufgrund der Tatsache, dass er bei seiner Anwesenheit oft ungewollten negativen Einfluss sowohl auf seine Umwelt als auch auf seine Mitmenschen hat. Schnell geht hier mal was zu Bruch, dort verfinstert sich der Himmel. Folglich sind die Einwohner Andergasts weniger gut auf ihn zu sprechen.

Egal wem er begegnet, er erntet eher Spott und abfällige Bemerkungen als Sympathie. Selbst sein Meister, Grimmling mit Namen, hält nicht allzu viel von ihm. Da trifft es sich gut, dass König Efferdan Besuch von der Königin von Nostria bekommt und zu diesem Anlass eine Queste ausgerufen hat. Es gilt vier Eichenblätter zu finden, die überall in der Stadt verteilt sind. Um sein Ansehen aufzubessern, nimmt Eron natürlich an der Queste teil und steht bereits zu Spielbeginn wieder einmal vor gehörigen Problemen.

Pech scheint Egon förmlich anzuziehen. Denn nicht nur, dass ein feiger Mitstreiter ihm ein Eichenblatt stibitzt und im Dreck liegen lässt, auch sein Meister Grimmling wird kurz nach Spieleröffnung von finsteren Gestalten getötet. Damit läutet der Entwickler Daedalic Entertainment das Point-and-Click-Adventure „Satinavs Ketten“ ein. Schnell merkt man dem Abenteuer an, dass es sich ganz an den optischen Merkmalen der Drakensang-Saga orientiert. Zwar müssen wir hier Adventure-typisch keine rundenbasierten Kämpfe austragen, die Atmosphäre mutet aber sogleich sehr stimmig und düster an. Die fein gezeichneten Hintergründe versprühen ein mal heimelig, mal ein wohlig beklemmendes Gefühl, die Sprecher passen hervorragend ins Bild und die märchenhafte Story wird mit schwungvollen Zwischensequenzen sowie kreativen Standbildsequenzen nach jedem Kapitel weitererzählt.

Die straff inszenierte Geschichte rund um einen unheilvollen Seher, der Verderben ins Land bringt ist und bleibt spannend bis zum Ende und greift auch Das Schwarze Auge-Charaktergruppen wie Elfen und Orks mit auf.
Doch kommen wir zur Spielmechanik, die es so bislang in noch keinem „Das Schwarze Auge“-Titel gab. Wir kennen die Serie aus der Rollenspielsparte nur zu gut, doch wie schlägt sich „Satinavs Ketten“ im Adventure-Bereich?

Dass der Titel ein Point-and-Click-Adventure im herkömmlichen Sinne ist, merken wir sofort, wenn wir in das Spiel einsteigen. Handgezeichnete Hintergründe mit animierten Charakteren und bestimmten Objekten, ein Inventar am unteren Bildschirmrand und eine Hotspotanzeige (zumindest im einfachen Schwierigkeitsgrad) für einen besseren Überblick, damit uns auch die kleinsten Gegenstände und Interaktionen nicht entgehen. Wer die DSA-Reihe nicht kennt, der wird sich trotzdem gut in der Welt aufgehoben fühlen, denn prinzipiell erinnert das Spiel wie bereits gesagt an ein typisches PaC-Adventure.

So lösen wir Rätsel, in dem wir Gegenstände (aus unserem Inventar) miteinander oder unserer Umgebung kombinieren. Etwa fangen wir als eine der ersten Aufgaben einige Raben aus dem Gemach des Königs, in dem wir eine Falle mit einem Lockmittel versehen, so einen der Raben anlocken und schließlich fangen können. So weit, so bekannt.
Allerdings kann Eron auch eine magische Fähigkeit bei seinen Rätselaufgaben einsetzen: nämlich leicht zerbrechliche Objekte auf Knopfdruck zerbersten lassen, was die Knobeleien nochmal bereichert und einige Variationen erlaubt.

Bereits kurz nach dem Spielanfang treffen wir zudem auf Nuri, an dessen Seite wir fast das gesamte restliche Abenteuer erleben. Die warmherzige, aber naive Fee, welche wir erst in einer Rätelkette aus ihrer Hölle locken, hat die Menschenwelt noch nie gesehen und trägt im Spielverlauf nicht nur herrliche Kommentare, sondern auch eine zweite nutzbare Fähigkeit bei. Solange Nuri in der Nähe ist, dürfen wir netterweise zerbrochene Dinge wieder flicken, was das genaue Gegenteil zu Erons Eigenschaft darstellt. Zerstörte Gegenstände sind so in Satinavs Ketten kein Problem, sofern Nuri uns zur Seite steht.

Doch nicht nur die beiden magischen Hilfsmittel der Protagonisten sind eine nette Sache. Auch die Knobeleien fallen teils durch sehr kreatives Rätseldesign auf. Ein genialer Einfall der Entwickler ist es zum Beispiel, einen dunklen Raum auf Knopfdruck nur an einer von drei möglichen Stellen nacheinander beleuchten zu können. Eron dabei gefesselt (ohne viel mehr verraten zu wollen) und nicht in der Lage sich zu bewegen. So lassen wir auf Wunsch den Lichtkegel in einen Bereich fallen, wo wir verschiedene Interaktionsmöglichkeiten zur Verfügung haben, während die anderen Teile des Raumes in voller Dunkelheit bleiben und so auch nicht preisgeben, was wir dort anstellen können. Vorantasten bekommt so eine neue Bedeutung.

An sich bleiben die Rätsel auf einem konsequent hohem Niveau, ohne dabei unfair zu sein. Das liegt auch daran, dass das Areal, in dem wir uns aufhalten, im Regelfall überschaubar bleibt und uns so nicht überfordert. Wenngleich es auch unlogischere Rätsellösungen in das Spiel geschafft haben, besticht Satinavs Ketten mit größtenteils gewieften Kopfnüssen, die dem Genrestandard auf jeden Fall gerecht werden und nicht nur einfallslose Knobeleinlagen bieten.
Die top vertonten Gespräche verlaufen indes nicht so statisch wie in anderen Adventure-Titeln, sondern wir dürfen den Verlauf durch eigene Dialog-Auswahl selber bestimmen (ähnlich wie in Mass Effect). Manchmal dürfen wir sogar Entscheidungen treffen, zum Beispiel ob wir eine Lüge oder lieber die Wahrheit erzählen sollen. Auswirkungen auf den Spielverlauf hat dies aber nicht.

Auf technischer Seite macht „Satinavs Ketten“ (fast) alles richtig. Die Steuerung geht intuitiv von der Hand, die Sprecher sind grandios ausgewählt und sauber abgemischt und die Hintergründe sehr liebevoll und detailreich gelungen. Einzig und allein einige Ruckler trübten den Spielfluss zuweilen.

Fazit:

Satinavs Ketten entführt gekonnt in die Welt von D S A. Die fantastisch gezeichneten Hintergründe haben es mir gleich zu Spielbeginn angetan und nicht so schnell los gelassen. Ebenso überzeugend wirken die Sprecher, die wirklich viel zur Gesamtatmosphäre beitragen. Auch der Witz der Charaktere, die pfiffigen Rätsel und die schön erzählte Geschichte sind Daedalic super gelungen. Bis auf kleinere Ruckler habe ich diesem Adventure-Schwergewicht nichts anzukreiden und kann es nur jedem Genrefan uneingeschränkt empfehlen.

Wertung:

Sehr gut