Carrier Command: Gaea Missions im Test

Kennt ihr noch Carrier Command? Das Spiel erschien 1988 für die damaligen Heimcomputer Amiga, PC, Atari ST und dem C64. Nun feiert das Spiel satte 24 Jahre später seine Wiederauferstehung. Natürlich nicht mehr auf Heimcomputer sondern auf Konsole. Wir haben die Xbox 360 Version getestet und erklären, warum damals doch alles irgendwie besser war.

Im Jahr 1988 gewann Steffi Graf nicht nur alle vier Grand-Slam Turniere sondern Realtime Games Software veröffentlichte mit Carrier Command eine Simulation, wo ihr die Kontrolle eines modernen Flugzeugträgers übernimmt. Das simple Ziel des Spiels bestand darin, die feindlichen Flugzeugträger auszuschalten. Auch 24 Jahre später könnte das Spielprinzip vielleicht noch funktionieren. Dachten sich zumindest die Entwickler von Bohemia Interactive. Doch alles was früher gut war, muss nicht unbedingt in einer Neuauflage wieder ebenso funktionieren. Der Versuch wurde trotzdem gestartet. Am Spielprinzip selber wurde auch nicht viel geändert. So bleibt es immer noch dabei, dass ihr weiterhin feindliche Flugzeugträger ausschalten müsst. Doch im Laufe der Zeit wird das Ganze natürlich umfangreicher als damals und auch bei der Grafik wurden mittlerweile Quantensprünge gemacht.

Wir wollen das Spiel aber auch nicht mit der Version von 1988 vergleichen, weil das wäre einfach nicht fair. Wir befinden uns im Jahr 2012 und haben Carrier Command: Gaea Missions in die Xbox 360 Konsole gelegt. Vergessen wir doch einfach mal den Namensgeber von damals. Zum Start der Kampagne erwartet euch direkt eine Ego-Shooter Passage, die unweigerlich an Halo erinnert. Das hat aber nichts mit dem Spiel zu tun, sondern eher mit den Anzügen die unseren netten Hauptdarsteller tragen. Vielleicht hat man sich dort ja auch wenig was abgeguckt. Auf jeden Fall müsst ihr ein paar Feinde erledigen und sammelt ein paar Informationen ein. Das eigentliche Spielprinzip kommt erst nach dem ersten Abschnitt richtig zum Vorschein. Dann wird es nämlich richtig komplex. Da werden keine Gegner mehr einfach mit der Waffe abgeknallt, jetzt ist Strategie und Taktik gefragt. Ihr müsst verschiedene Einheiten auf bestimmte Ziele setzen. So müsst ihr bauen, Treibstoff oder andere Rohstoffe besorgen um weiter zu kommen. Am Anfang sieht das sehr kompliziert aus, wird aber nach einer Weile übersichtlicher.

Doch worum geht es genau in dem Spiel. Ihr übernimmt die Rolle von Lt. Myrik, einem erfahrenen Soldaten der United-Earth-Coalition. Dabei durchkreuzen sie die Meere mit einem schwer bewaffneten Flugzeugträger umd kämpfen gegen die Asian-Pacific-Alliance um die Vorherrschaft auf Taurus. Das Schicksal des Planeten liegt jetzt in eurer Hand.  Ihr dürft zu Anfang auch mit einem Walrus durch die Insel brettern und euer Fahrgefühl auf die Probe stellen. Auch hier ist Steuerung anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig. Nach einer Weile lässt sich das Vehikel aber gut fahren und ihr kommt schnell zu eurem Ziel. Diese werden übrigens angezeigt und lassen sich somit leichter finden. Ihr könnt aber natürlich auch erstmal eine umfangreiche Erkundungstour über die Insel machen. Doch das ist nicht unsere Hauptaufgabe. Bei der Einheitenplanung solltet ihr sorgfältig darauf achten, diese auch genau einzusetzen. Zu Anfang habt ihr nicht viele davon, und ihr solltet darauf achten welcher Schritt der richtige ist. Carrier Command: Gaea Mission ist eine Mischung aus Shooter, Strategie und Taktik und bringt viel Abwechslung auf dem Bildschirm. Auch wenn ihr grafisch jetzt keinen absoluten Leckerbissen erwarten solltet, sieht es dennoch schon ganz nett aus, auch wenn einige Pixelfehler und matschige Umgebungen nicht wirklich nach Next-Gen aussehen.

Ein großes Arsenal von futuristischen Waffen und Fahrzeuge erwarten euch. Dabei ist die wichtigste Einheit allerdings der Carrier – eine schwimmende Festung. Und diese kann nicht nur eine Menge Last tragen, sondern auch mit Drohnen, Raketen oder Deckgeschützen ausgestattet werden. Neben den schon erwähnten Walrus am Boden könnt ihr auch aus der Luft eure Ziele angreifen. Dafür gibt es einen vielseitigen Manta, der mit schweren Waffen und Schildsystem ausgerüstet werden kann.

Bei Problemen mit dem Spielablauf hilft euch das komplexe Tutorial beim Bestehen der Aufgaben. Nach einer Weile wirkt das Ganze aber ein wenig ermüdend und ihr fragt euch wann die Action denn endlich richtig losgeht. Auch in den ersten Abschnitten könnt ihr eure Gegner an den Fingern abzählen. Ihr solltet beim Spielen allerdings jede Menge Zeit einplanen. Ein einfaches “mal eben spielen” ist bei dem Titel nicht wirklich von Vorteil. Dafür ist es, wie schon so oft erwähnt, einfach viel zu komplex. Die englische Sprachausgabe ist ganz nett und wird durch deutsche Bildschirmtexte begleitet. Im Spielmenü könnt ihr euch entweder für die Kampagne (welche wir empfehlen) oder für den Strategiemodus entscheiden. Im Letztern geht es sofort strategisch zur Sache. Die Kampagne ist wenigstens noch mit ein paar Action-Einlagen garniert und bringt nicht soviel Text auf dem Bildschirm. Der Soundtrack zum Spiel ist ebenfalls gut gelungen und passt sich dem Spielgeschehen auch gut an. Auch hier solltet ihr aber keine Grammy-prämierten Musiksstücke erwarten.

Leider gibt es im Spiel keinen Mulitplayer-Modus oder die Möglichkeit mit einem Freund offline an der Konsole zu spielen. Die Entwickler von Bohemia Interactive waren sich wohl nicht ganz so einig, ob das Spiel nun eher ein Strategiespiel mit Shooter Einlagen, oder ein Shooter mit Strategie-Einlagen werden sollte. Für Fans beider Genre ist mit Sicherheit etwas dabei, auch wenn ihr nicht wirklich einen Blockbuster erwarten solltet. Wer sich aber dennoch schon im Jahre 1988, da sind wir doch wieder in die Zeitmaschine gestiegen, für das Spiel interessiert hat könnte seine Freude haben. Neueinsteiger, das werden wohl auch die meisten sein, müssen sich erstmal durch den ganzen Dschungel der Steuerung, Informationen und Textboxen wühlen um am Ende endlich richtig Hand anzulegen. Komplex ist gut, aber ein weniger ist manchmal auch mehr.

Fazit:

Carrier Command: Gaea Mission ist eigentlich ein ganz nettes Strategie-Spiel geworden. Vorausgesetzt ihr habt mehrere Stunden Zeit um sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Ansonsten versteht ihr nämlich nur Bahnhof. Aber man soll sich mit Spielen ja auch richtig beschäftigen, und nicht nur mal für fünf Minuten. Wer also Zeit und Lust auf komplexe Strategie hat, könnte mit Carrier Command: Gaea Mission richtig liegen. Wer allerdings richtige Action mit Knalleffekt erwartet, wird wohl eher enttäuscht werden.

Wertung:

Befriedigend