Angeschaut: Eden

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In Europa bekommen wir nicht viel von Zwangsprostitution und Menschenhandel mit. „Eden“ ist ein Film, der uns darüber aufklärt, dass selbst in Amerika und Mexiko noch solche kriminellen Machenschaften existieren und zeigt auf, wie skrupellos es in dem Business zugeht. Noch prekärer macht das Ganze ein Fakt: der Film zeigt eine Geschichte nach realen Geschehnissen.

Hyung Jae (Jamie Chung) nimmt die Hauptrolle in „Eden“ ein. Die junge Teenagerin wird im Zuge eines harmlos anmutenden Flirts in New Mexico entführt und findet sich schnell im Kreis eines Prostitutionsringes wieder. Der Film von Megan Griffiths zeigt schonungslos den Alltag von Zwangsprostituierten, welche im Regelfall im Alter von unter 18 Jahren dort hinverschleppt werden. Tägliche Schwangerschaftstests, das Teilen der engen „Zelle“ mit anderen verzweifelten Mädchen und die Hausbesuche bei den reichen, einsamen oder sogar jugendlichen Kunden stehen auf dem Tagesprogramm. Erschreckend, wie einfach es zu sein scheint, Minderjährige wie einen Artikel zu sich nach Hause zu bestellen.

Hauptprotagonisten Hyung Jae (Jamie Chung) verhält sich dabei stets glaubwürdig und weiß anfänglich nicht so recht, wie sie mit der schlimmen Situation umgehen soll. Doch langsam baut sie ein Verhältnis zu einem der Anführer des Prostitutionsringes auf. Es ist der rigorose Vaughan (Matt O’Leary), durch den der Film nochmal eine andere Richtung einschlägt. Der junge Mann schenkt Hyung Jae, nach einigen für ihn sehr eindrucksvollen Auftritten ihrerseits, Vertrauen und bezieht sie als Helferin der Chefetage mit ein. Damit bricht er ein Tabu in der Szene: vertraue niemals deiner „Ware“. Nach all den schlimmen Erlebnissen ist es spannend zu sehen, was Hyung Jae als nächstes in die Tat umsetzt, denn das schlaue Mädchen verfolgt einen ausgeklügelten Plan, der für den Zuschauer erst später deutlich wird.

Während Hyung Jae zu Beginn des Films noch ansatzweise emotional agiert, verhält sie sich später ziemlich gnadenlos in ihrem Handeln. Insbesondere ihre anderen Zellengenossen hintergeht sie später, um die Beziehung zu Vaughan aufrecht zu erhalten. Das mag logisch erscheinen, ist in manchen Situationen aber fragwürdig, da sie auch anders hätte handeln können, ohne das Vertrauen zu Vaughan zu verlieren. Schließlich war sie selber mal ein verängstigter Neuling in den Reihen der Mädchen. Ab der Mitte des Films treten einige Längen auf, die man sich hätte sparen können. Dennoch gestaltet sich der Film recht kurzweilig und spannend, weil er immer wieder neue Abgründe des menschlichen Daseins aufzeigt, was oft zu nachdenklichen Momenten führt. Große Wendungen sollten derweil nicht erwartet werden, der Film gestaltet sich relativ vorhersehbar. Das wiederum ist bei einer Verfilmung einer echten Begebenheit allerdings auch nicht verwunderlich. Angesicht des heiklen Themas würden Hollywood-Szenen nicht zum Kontext passen.

Optisch sowie klangtechnisch kann der Film überzeugen. Die Kameraleute, die Post-Production sowie Synchronsprecher haben hier gute Arbeit geleistet. Auch die schauspielerische Leistung wirkt solide. Für alle Fans von Filmen interessanter, noch eher unbekannter Themen, kann ich „Eden“ nur weiterempfehlen. Für Fans von Popcorn-Kino ist der Streifen hingegen nicht geeignet, da er eine ernste Thematik anspricht und keinen Raum für Witz, Ironie oder große Highlights bietet.

Wertung:

Gut