Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Rogue – Savage Land.
| Erscheinungsdatum | 28.10.2025 |
| Zeichner | Von Randal |
| Autor | Zulema Scotto Lavina, Tim Seeley |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 120 |
| Stories | Rogue: Savage Land (2025) 1-5 |
| Preis | 16,00€ |
Manchmal gibt es diese Geschichten, die einen sofort aus dem vertrauten Superheldenalltag herausreißen und in eine völlig andere Welt werfen. Rogue – Savage Land gehört genau in diese Kategorie. Statt urbaner Schlachtfelder und futuristischer Bedrohungen wartet hier eine Umgebung, die roh, ungezähmt und voller archaischer Kraft ist. Eine Welt, in der Überleben nicht selbstverständlich ist und in der selbst erfahrene Mutanten ihre gewohnten Sicherheiten hinter sich lassen müssen. Schon die Grundidee weckt Neugier und verspricht eine Geschichte, die sich spürbar anders anfühlt als der klassische X-Men-Stoff.
Im Mittelpunkt steht Rogue, eine Figur, die seit jeher zwischen Stärke und innerer Zerrissenheit pendelt. Gerade sie eignet sich perfekt als Blickpunkt für eine Geschichte im Wilden Land, denn ihre persönliche Suche nach Kontrolle, Identität und Zugehörigkeit spiegelt sich in dieser urtümlichen Welt wider. Wenn Rogue aus dem bekannten Umfeld der X-Men herausgelöst wird, entsteht Raum für neue Facetten ihres Charakters. Genau das macht neugierig auf die Frage, wie sie sich in einer Umgebung behauptet, die keine Kompromisse kennt.
Das Wilde Land selbst ist dabei weit mehr als nur eine exotische Kulisse. Seit Jahrzehnten nimmt es eine besondere Rolle im Kosmos der X-Men ein, als geheimnisvoller Ort voller vergessener Zivilisationen, wilder Kreaturen und alter Mythen. Immer wieder zieht es die Mutanten dorthin und jedes Mal hinterlässt diese Welt Spuren bei ihnen. Die Beziehung der X-Men zum Wilden Land ist geprägt von Entdeckung, Gefahr und einer gewissen Faszination für das Unbekannte. Rogue – Savage Land knüpft an diese Tradition an und lädt dazu ein, erneut in diese faszinierende Ecke des Marvel Universums einzutauchen, ohne dabei schon alle Karten auf den Tisch zu legen.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!
Inhalt:
Als Rogue plötzlich ohne ihre Kräfte im prähistorischen Wilden Land gestrandet ist, scheint sie schutzlos den Gefahren einer gnadenlosen Urzeit ausgeliefert. Doch statt aufzugeben schließt sie ein unerwartetes Bündnis mit Magneto und dem wilden Ka-Zar. Gemeinsam stellen sie sich uralten Bedrohungen und finsteren Mächten, wobei Vertrauen, Überlebenswille und moralische Grauzonen auf die Probe gestellt werden und die Geschichte eine ganz neue, packende Dynamik erhält.
Rogue – Savage Land erinnert direkt an die ursprüngliche Geschichte, in der sich die junge Mutantin bereits einmal im Wilden Land befunden hat. Man darf ihr dabei zuschauen, wie sie versucht zu überleben und Fremden zu helfen, die sie zuvor noch nie getroffen hat. Typisch Rogue also. Das besondere Highlight der Storyline ist jedoch, wie Erik alias Magneto und Rogue miteinander agieren. Beide Charaktere haben eine lange gemeinsame Geschichte, daher ist es kein Wunder, dass es hier nicht nur zu positiven, sondern vor allem auch zu spaltenden Interaktionen kommt. Dabei wird nie vergessen, wer die beiden sind, und es entstehen Dialoge, die locker mit den normalen X-Men-Comics mithalten können.
Ka-Zar wirkt dabei eher wie eine nette Dreingabe, die die Dynamik der beiden Mutanten zusätzlich anheizen soll. Das ist etwas schade, auch wenn er den starken Kern der Hauptstory durchaus unterstützt. Ich habe mich in Rogue – Savage Land durchweg gut unterhalten gefühlt und mochte sehr, wie klassisch der Aufbau ist. Die Geschichte startet leicht, baut sich stetig auf und endet schließlich in einem actionreichen Höhepunkt. Nichts Besonderes, dafür aber mit viel Liebe zu den Figuren und zum Wilden Land erzählt. Ein toller Comic für alle Fans von Rogue und Magneto, bei dem auch Actionfans voll auf ihre Kosten kommen.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen von Von Randal in Rogue – Savage Land sind genauso roh und kraftvoll wie die Geschichte selbst. Besonders der hohe Detailgrad der Bilder und der kantige Stil passen hervorragend zum Wilden Land als Kulisse. Darüber hinaus zaubert der Künstler einige wirklich starke Kunstwerke auf die Seiten des Comics, bei denen man gerne länger verweilt. Vor allem dann, wenn Magneto seine Kräfte einsetzt, entstehen bildgewaltige Szenen, die dem Meister des Magnetismus absolut würdig sind. Insgesamt top gezeichnet und eine Geschichte, die man nicht verpassen sollte, wenn man Fan der Mutanten ist.
Fazit zu Rogue – Savage Land:
Rogue – Savage Land überzeugt vor allem dadurch, dass der Comic bewusst einen Schritt zur Seite macht und sich vom klassischen Superheldenalltag löst. Statt großer Teamdynamiken oder weltbedrohender Konflikte steht hier eine konzentrierte, fast intime Abenteuergeschichte im Mittelpunkt. Das Wilde Land bietet dafür den perfekten Rahmen und verleiht der Handlung eine raue, ursprüngliche Atmosphäre, die sich deutlich von typischen X-Men-Settings abhebt. Diese bewusste Reduktion macht den Comic zugänglich und zugleich erfrischend anders.
Besonders stark ist die Charakterarbeit rund um Rogue. Ohne ihre Kräfte wirkt sie verletzlicher, greifbarer und menschlicher als in vielen anderen Geschichten. Ihre Entscheidungen, Zweifel und ihr Überlebenswille tragen den Comic emotional und sorgen dafür, dass man sich schnell an sie bindet. Die Interaktionen mit Magneto verleihen der Handlung zusätzliche Tiefe, da ihre gemeinsame Vergangenheit stets mitschwingt und moralische Fragen aufwirft, ohne sie platt auszuformulieren.
Auch erzählerisch bleibt Rogue – Savage Land angenehm klassisch. Der Spannungsbogen entwickelt sich stetig, nimmt sich Zeit für Figuren und Atmosphäre und mündet schließlich in einem actionreichen, aber nachvollziehbaren Finale. Dabei geht es weniger um spektakuläre Wendungen als um ein stimmiges Gesamtbild, das die Liebe zu Rogue, Magneto und dem Wilden Land deutlich spürbar macht.
Unterm Strich ist Rogue – Savage Land ein rundes, stimmungsvolles Abenteuer, das besonders Fans der Figur Rogue und Leser mit Vorliebe für charaktergetriebene Geschichten abholt. Wer die X-Men einmal abseits ihres gewohnten Umfelds erleben möchte und Wert auf Atmosphäre, starke Figuren und klassische Erzählweise legt, bekommt hier einen Comic, der lange positiv nachhallt.