Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit – Comic-Kritik

Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit.

Erscheinungsdatum 27.10.2025
Zeichner Michael Cho
Autor Chip Kidd, Michael Cho
Format Hardcover mit Schutzumschlag
Seitenanzahl 64
Stories The Avengers in the Veracity Trap GN
Preis 25,00€

Seit über sechs Jahrzehnten stehen die Avengers wie kaum ein anderes Team für das Herz des Marvel-Universums. Was einst als Zusammenschluss widerwilliger Einzelgänger begann, ist längst zu einem Mythos gewachsen, der Generationen von Lesern geprägt hat. Immer wieder wurden die Helden neu zusammengesetzt, Ideale hinterfragt und der Teamgedanke auf die Probe gestellt. Jede neue Geschichte trägt das Gewicht dieser langen Vergangenheit in sich und genau dieses Erbe schwingt auch in Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit von der ersten Seite an mit.

Untrennbar mit der Geschichte der Avengers verbunden ist dabei Loki. Kaum ein Gegenspieler hat das Team so oft entzweit, manipuliert und zugleich definiert wie der Gott der Lügen. Mal Feind, mal widerwilliger Verbündeter, mal Auslöser kosmischer Katastrophen. Lokis Beziehung zu den Avengers ist ein ständiges Spiel aus Täuschung, Schuld und unausgesprochenen Wahrheiten. Wenn er auftaucht, steht nie nur ein Kampf bevor, sondern immer auch eine moralische und emotionale Prüfung für das gesamte Team.

Spannend ist zudem, wie Comics schon seit Jahrzehnten mit der vierten Wand spielen und Leser direkt oder indirekt in das Geschehen einbeziehen. Von augenzwinkernden Kommentaren bis hin zu radikalen Metaexperimenten haben Marvel-Geschichten immer wieder bewiesen, dass sie sich ihrer eigenen Form bewusst sind. Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit knüpft an diese Tradition an und deutet an, dass hier nicht nur innerhalb der Story, sondern auch auf einer erzählerischen Ebene etwas ins Wanken geraten könnte.

Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Inhalt:

In Asgard entbrennt eine alles erschütternde Schlacht, als Loki, der listenreiche Gott des Schabernacks, eine uralte und unvorstellbar mächtige Waffe an sich reißt und damit ein Heer grauenerregender Wesen aus dem Jenseits entfesselt. Entschlossen stellen sich ihm die Avengers entgegen. Captain America, Iron Man, Thor, Hulk, Giant-Man und Wasp kämpfen Seite an Seite in einem scheinbar endlosen Chaos aus Donner, Stahl und roher Gewalt. Die Fronten wanken, die Luft ist erfüllt von Rauch und Zerstörung. Doch gerade als der Kampf entschieden scheint und der Nebel sich langsam verzieht, offenbart sich eine Wahrheit, die selbst die härtesten Helden erschaudern lässt.

Bevor ich mit dieser Kritik weitermachen kann, muss ich an dieser Stelle eine dicke, fette Spoilerwarnung aussprechen. Denn ohne den großen Twist dieses Comics anzusprechen, ist meiner Meinung nach keine wirkliche Kritik möglich. Ihr wollt trotzdem weiterlesen? Dann seid ihr jetzt zumindest gewarnt. Der große Twist dieses Comics ist das Durchbrechen der vierten Wand und das Spielen mit der sogenannten Metaebene. Das Gerät, welches Loki besitzt, ermöglicht ihm, zu den Comiczeichnern zu gelangen und die Geschichte selbstständig zu verändern. Chip Kidd und Michael Cho sind nämlich nicht nur Zeichner und Autoren, sondern auch selbst Teil der Story. Das ist sehr cool umgesetzt, wenn auch stellenweise etwas zu klischeehaft.

Aber ist das jetzt so schlimm? Eigentlich nicht. Wenn man mit der Metaebene spielt, kann eine Geschichte entweder extrem gut oder komplett scheitern. Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit schafft es gerade so, die richtige Balance zu finden, um eine spannende Geschichte zu erzählen, die den Leser durchgehend fesselt. Die Einbindung der realen Welt sorgt für eine Erzählung, in der die Autoren sich selbst mit einer Avengers-Geschichte verbinden, die stark an die Anfänge der Truppe erinnert. Lustigerweise ist es schon wieder eine Metageschichte, die Thor miteinbezieht. Es ist ja nicht so, als wäre das nicht erst kürzlich in seinem eigenen Comic passiert. Trotzdem hat mir der Comic sehr gefallen.

Nur ein großes Manko habe ich an dem Ganzen. Der Comic ist schön, eine gelungene Mischung aus Metaebene, Nostalgie und auch etwas Kritik. Für einen Preis von 25 Euro ist der Umfang aber ehrlich gesagt etwas zu gering. Kurzer Disclaimer: Ich musste für den Comic nichts bezahlen, es ist also etwas privilegiert von mir zu behaupten, der Preis sei zu hoch. Aus der Perspektive eines Käufers wäre ich aber vermutlich enttäuscht gewesen. Auch wenn die Qualität stimmt, ist es am Ende einfach zu wenig. Blendet man das aus, ist der Comic wie gesagt durchaus gelungen.

Zeichnungen:

Die Zeichnungen von Michael Cho in Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit sind an sich relativ simpel, schaffen es aber gekonnt, den Stil der frühen Tage der Avengers Comics einzufangen. Außerdem wird dieser Stil gut genutzt, um die reale Welt mit der Welt des Comics zu verbinden. Hier und da entstehen dadurch wirklich tolle Panels. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass hier keine große Kunst entstehen sollte, sondern eine klare Rückbesinnung darauf, wie es in den Avengers Comics früher einmal aussah. Berücksichtigt man das, bekommt man hier starke Bilder voller Liebe zu Marvel Comics und der bekannten Truppe aus Rächern.

Fazit zu Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit:

Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit ist eine der spannendsten Meta-Geschichten, die Marvel in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Der Comic schafft es, die klassische Dynamik der Avengers mit einer modernen, selbstreflexiven Erzählweise zu verbinden, ohne dabei den Fokus auf Action und Charaktere zu verlieren. Die Idee, die vierte Wand zu durchbrechen und die Autoren selbst als Teil der Geschichte auftreten zu lassen, ist mutig und sorgt für echte Überraschungsmomente. Genau dieser Twist ist gleichzeitig die größte Stärke und die größte Herausforderung des Hefts, weil er die Grenzen zwischen Fiktion und Realität bewusst verwischt.

Dabei gelingt es der Geschichte überraschend gut, die Balance zu halten. Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit bleibt trotz Metaebene emotional nachvollziehbar und spannend. Die Rückbesinnung auf die frühen Tage der Avengers verleiht dem Comic zusätzlich eine nostalgische Tiefe, die besonders langjährige Fans anspricht. Gleichzeitig wirkt die Metaebene nicht nur als Gimmick, sondern als zentraler Motor der Handlung. So entsteht ein ungewöhnliches, aber stimmiges Gesamtbild, das den Leser aktiv mitdenkt und mitfühlt.

Einziger Wermutstropfen ist der Umfang. Für 25 Euro bietet das Heft zwar eine beeindruckende Idee und eine starke Umsetzung, aber inhaltlich bleibt es vergleichsweise kurz und könnte an manchen Stellen noch mehr Raum vertragen. Das ist besonders dann auffällig, wenn man bedenkt, wie viel Potenzial in der Metaebene steckt. Dennoch bleibt der Eindruck, dass Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit insgesamt eine gelungene, wenn auch etwas knappe Geschichte ist.

Abschließend kann man sagen: Wer Lust auf eine Avengers-Geschichte mit einem ungewöhnlichen, mutigen Konzept hat und sich nicht davor scheut, eine Meta-Erzählung zu erleben, bekommt hier ein sehr gutes Heft. Avengers – Verhängnisvolle Wahrheit ist kein perfekter Comic, aber einer, der durch seine Idee und seine Liebe zur Marvel-Geschichte lange im Gedächtnis bleibt.

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