Ständig erscheinen neue Comics aus verschiedenen Universen, da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Egal, ob DC, Marvel, Star Wars oder komplett andere Serien – immer stellt sich die Frage, was man sich als Nächstes holen soll. Um euch die Entscheidung etwas zu erleichtern und eine stärkere Übersicht zu gewährleisten, geben wir euch immer mal wieder Kritiken zu den neuesten deutschen Ausgaben verschiedener Comics. Viel Spaß mit unserer Kritik zu Deadpool/Batman & Batman/Deadpool.
| Erscheinungsdatum | 21.10.2025 / 23.12.2025 |
| Zeichner | Greg Capullo, Dan Mora, u.a. |
| Autor | Zeb Wells, Grant Morrison, u.a. |
| Format | Softcover |
| Seitenanzahl | 128 |
| Stories | Deadpool/Batman 1, Batman/Deadpool 1 |
| Preis | 6,99€ / 6,99€ |
Wenn zwei Welten aufeinandertreffen, die jahrzehntelang streng voneinander getrennt waren, liegt eine besondere Spannung in der Luft. Deadpool/Batman und Batman/Deadpool markieren genau einen solchen Moment. Zum ersten Mal seit rund zwanzig Jahren überschreiten Marvel und DC erneut ihre eigenen Grenzen und lassen ihre Ikonen aufeinandertreffen. Allein diese Tatsache verleiht dem Comic bereits im Vorfeld ein Gewicht, das weit über ein gewöhnliches Crossover hinausgeht, und weckt hohe Erwartungen bei Fans beider Lager.
Auf der einen Seite steht Deadpool, der wohl unberechenbarste Antiheld des Marvel-Universums. Ein Söldner mit großer Klappe, schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie, der die vierte Wand nicht nur kennt, sondern genüsslich einreißt. Hinter all dem Chaos verbirgt sich jedoch eine tragische Figur, deren Ursprung von Verlust, Schmerz und einem fragwürdigen Heilungsfaktor geprägt ist. Deadpool ist laut, respektlos und emotional überraschend vielschichtig, eine Figur, die Konventionen bewusst ignoriert und gerade dadurch ihren Reiz entfaltet.
Ihm gegenüber steht Batman, das dunkle Gewissen von Gotham City. Kein Gott, kein Mutant, sondern ein Mensch, der durch Trauma geformt wurde und seine Antwort darauf in Disziplin, Kontrolle und einem unerschütterlichen Willen gefunden hat. Batman ist Strategie, Vorbereitung und moralische Konsequenz, ein Held, der seine Stärke aus Grenzen zieht und nicht aus übermenschlichen Fähigkeiten. Seine Welt ist geprägt von Schatten, inneren Konflikten und der Frage, wie weit man gehen darf, um das Richtige zu tun.
Wenn diese beiden Extreme nun aufeinandertreffen, prallen nicht nur zwei Verlage aufeinander, sondern auch zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was einen Helden ausmacht. Genau hier setzt dieses Crossover an und lädt dazu ein, sich auf ein außergewöhnliches Aufeinandertreffen einzulassen. Wie gut das funktioniert und ob aus diesem historischen Moment mehr entsteht als nur ein einmaliges Spektakel, lest ihr in dieser Kritik.
Danke an Panini für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!
Inhalt:
Wade Wilson, besser bekannt als Deadpool, verschlägt es für einen neuen Auftrag ausgerechnet nach Gotham City. Mit seinem großmäuligen Humor und seiner chaotischen Art tritt er dort niemand Geringerem als Batman auf die Füße. Der Dunkle Ritter sieht den unberechenbaren Söldner naturgemäß äußerst kritisch, schließlich ist Gotham kein Spielplatz für schießwütige Antihelden. Ob der beste Detektiv der Welt Deadpool widerwillig an seiner Seite kämpfen wird oder ob er ihm kurzerhand zeigt, wo der Hammer hängt, bleibt offen. Sicher ist nur eines: Für Wade wird dieser Ausflug nach Gotham alles andere als entspannt.
Ein schöner Aufbau für eine spannende Geschichte von zwei Comicgiganten aus unterschiedlichen Verlagen. Als angekündigt wurde, dass DC und Marvel wieder an Crossover-Events arbeiten, blieb mir fast die Spucke weg. Dass es dazu tatsächlich noch einmal kommen würde, hat wohl kaum jemand gedacht. Dann treffen nach all den Jahren ausgerechnet die Gegensätze Deadpool und Batman aufeinander. Kann das gut gehen? Ja, das tut es. Und sogar mehr als das. Beide Comics zaubern fantastische Crossover, in denen die beiden Helden mit viel Witz und Charme miteinander interagieren. Das einzige Negative an der ganzen Sache ist, wie schnell alles vorbei ist. Natürlich fehlt es den Geschichten an Tiefe, das machen sie jedoch mit ihren wirklich unterhaltsamen Panels wieder wett. Ich habe jede Sekunde beim Lesen genossen.
Hier hören die Comics aber nicht auf. Beide bieten über Deadpool und Batman hinaus weitere Interaktionen von DC- und Marvel-Figuren. So treffen zum Beispiel Daredevil und Arrow, Krypto und Jeff sowie Harley und Hulk aufeinander. Jede Story ist dabei wirklich gelungen und voller spaßiger Charaktermomente zwischen Figuren, die so bislang noch nicht aufeinandertreffen konnten. Mein persönliches Highlight war die Kurzgeschichte zwischen Laura (X-23) und Nightwing. Die beiden harmonieren in ihrer Dynamik hervorragend. Besonders gelungen fand ich, wie ihre Eltern eingebunden wurden und wie beide versuchen, aus deren Schatten zu treten. Hier habe ich mehr Tiefe gespürt als in vielen Comics, die mehr als ein Issue umfassen. Ich will unbedingt mehr davon. Gut, dass es bald ein Aufeinandertreffen von Spider-Man und Superman geben wird.
Zeichnungen:
Die Zeichnungen aller Beteiligten in beiden Comics sind vor allem eines: durchweg kreativ. Und ihr wisst, wie sehr ich kreative Kunstwerke in Comics liebe. Jeder Stil, jede Illustration fängt die Charaktere hervorragend ein. Das gilt sowohl für die Haupt- als auch für die Nebengeschichten. Besonders die Aufeinandertreffen zwischen Daredevil und Arrow sowie Constantine und Strange sind mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Hier wurden einige wirklich geniale Panels geschaffen. Ich bin gespannt, ob man dieses Niveau in den kommenden Crossovern zwischen DC und Marvel halten kann, auch wenn ich mir bei solchen Giganten eigentlich ziemlich sicher bin.
Fazit zu Deadpool/Batman & Batman/Deadpool:
Deadpool/Batman & Batman/Deadpool sind genau das, was man sich von einem historischen Crossover dieser Größenordnung erhofft und vielleicht sogar ein kleines bisschen mehr. Die Comics verstehen es, den besonderen Moment ihres Zusammentreffens ernst zu nehmen, ohne sich selbst zu wichtig zu machen. Statt künstlich aufgeblasener Dramatik setzen sie auf Charaktere, Kontraste und das pure Vergnügen daran, zwei ikonische Figuren aus völlig unterschiedlichen Welten aufeinandertreffen zu lassen.
Der größte Trumpf der Sammlung liegt eindeutig in der Dynamik zwischen Deadpool und Batman. Ihre Gegensätzlichkeit wird nicht nur ausgespielt, sondern intelligent genutzt. Deadpools respektloser Humor prallt immer wieder auf Batmans stoische Ernsthaftigkeit und genau daraus entstehen die stärksten Momente der Geschichte. Dabei wird keine der Figuren verbogen oder karikiert. Beide bleiben sich selbst treu, was dem Crossover Glaubwürdigkeit und Herz verleiht.
Auch über das zentrale Aufeinandertreffen hinaus bietet der Band reichlich Fanservice, der erfreulicherweise selten oberflächlich wirkt. Die zusätzlichen Kurzgeschichten mit weiteren DC- und Marvel-Figuren sind mehr als nette Dreingaben. Sie zeigen, wie viel erzählerisches Potenzial in solchen Begegnungen steckt und liefern teils überraschend emotionale oder charakterstarke Momente. Besonders die ruhigeren Geschichten beweisen, dass ein Crossover nicht nur laut und spektakulär sein muss, um zu funktionieren.
Natürlich darf man keine tiefgehende Charakterstudie oder langfristige Konsequenzen erwarten. Dafür sind die Geschichten zu kurz und ihr Ansatz zu verspielt. Doch genau das ist auch ihre Stärke. Deadpool/Batman & Batman/Deadpool wollen unterhalten, überraschen und begeistern und das gelingt ihnen mit Leichtigkeit. Es ist ein Comic, der Spaß macht, der Fans beider Lager abholt und der Lust auf mehr gemeinsame Projekte dieser Art weckt.
Am Ende bleibt vor allem ein Gefühl hängen: Freude. Freude darüber, dass Marvel und DC diesen Schritt erneut gewagt haben und Freude darüber, wie gut er funktioniert. Dieses Crossover ist kein einmaliger Gag, sondern ein liebevoll gestaltetes Zusammentreffen zweier Welten, das zeigt, wie viel Magie entstehen kann, wenn man Grenzen einfach einmal ignoriert.