Tiny & Big in: Grandpa´s Leftlovers

Darf´s mal ein bisschen abgedrehter sein? Das hat sich wohl das Black Pants Game Studio gedacht, als es an die Umsetzung des Indie-Jump-and-Runs “Tiny & Big in: Grandpa´s Leftlovers” ging. Abgedreht ist hier nicht nur das Spielprinzip, das sich erfrischend von anderen Jump-and-Runs Abhebt. Im selben Atemzug präsentiert uns das Studio auch eine herrlich groteske Handlung, die den kleinen Tiny in den Mittelpunkt des Geschehens stellt. Der Technik-Nerd ist sichtlich sauer, weil sein Erzfeind Big ihm seine kostbare Unterhose stibitzt hat. Wie sich späte (für uns) herausstellt, verleiht die Büchse ungeahnte Kräfte und ist in den Händen vom schadenfrohen Big nicht gut aufgehoben, solange dieser sein Unwesen damit treibt.

Doch wie funktioniert die Spielmechanik auf der Jagd nach der Unterhose eigentlich? Wenden wir uns also einmal dem Gameplay zu: Im Kern ist und bleibt „Tiny & Big“ ein waschechter Jump-and-Run-Vertreter, sprich wir müssen versuchen den Levelausgang zu erreichen, in dem wir Hindernisse überwinden. Aufgrund seiner geringen Größe jedoch ist Tiny auf seine Hilfsmittel angewiesen, die allesamt charmant in einem eröffnenden Retro-Tutorial erklärt werden. Da gibt es zum einen den Greifhaken, den Tiny an fast alle Objekte im Level haften lassen und diese dann wegziehen kann. Vor allem sind das im Spiel große Felsbrocken, Säulen oder kleinere Steine. Selbst große Varianten schiebt Tiny von einem Ort zum anderen, um an sonst unerreichbare Stellen zu kommen. Das wirkt zwar unrealistisch, aber was ist schon realitätsgetreu in diesem Spiel, wenn man einmal die Geschichte und die Charaktere zu Gesicht bekommen hat?

Sein zweites und ziemlich nützliches Hilfsmittel ist ein Lasergewehr, welches vorgeschriebene Objekte im Level an einer beliebigen Stelle durchtrennen kann. Können wir etwa eine Säule nicht erreichen, da sie für uns zu hoch ist, nutzen wir einfach den Laser und machen die Säule einen Kopf kürzer beziehungsweise trennen sie in zwei Hälften.
Zu guter letzt besitzt Tiny noch einen Raketenwerfer, mit der er Raketen auf die Levelbauteile schießen kann. Die Rakete steckt dann erstmal fest und lässt sich auf Knopfdruck zünden, wonach sich das Objekt, zumindest dann, wenn es nicht irgendwo festhängt, einige Meter mitfliegt.

Die drei Utensilien verwendet Tiny anfangs lediglich dafür, um selber Hindernisse zu überwinden, doch im weiteren Spielverlauf darf auch der gezielte Einsatz gegen seinen Unterhosen-Dieb Big nicht fehlen. In dynamischen kleinen Zwischenkämpfen versucht Big nämlich, Tiny mit tödlichen Felsbrocken zu bombardieren, während er auf einer unerreichbaren Felsformation steht. Also müssen wir nicht nur den Steinen ausweichen, sondern auch versuchen, Big von dem Fels mittels Laser herunter zu schneiden. Das spielt sich angenehm schnell und fordert einiges mehr ab als die dann doch recht simplen Hüpfeinlagen ohne Gegner vor der Nase. Doch selbst, wenn wir mal sterben sollten, belebt uns das Spiel an fairen Rücksetzpunkten wieder.
Zwar offeriert uns jedes Level neue Herausforderung, letztendlich machen wir aber irgendwie immer das selbe: Objekte mit dem Laser bearbeiten, den Greifhaken zum Heranziehen benutzen oder die Rakete abfeuern, um Objekte wegzustoßen. Immerhin gibt es immer wieder kleine Variationen und eine merkliche Steigerung des Schwierigkeitsgrades.

Dass „Tiny & Big“ ein kleiner, aber feiner Indie-Titel ist, merkt man an vielen Stellen. Grafisch bekommen wir ungeschliffene Ecken und Kanten zu Gesicht (eckige Objekte, wenig Polygone, schwächelnde Animationen) letztlich stellt die Cartoon-artige Technik aber liebevoll gestaltete Levels dar. Gerade die Comicbläßchen, über die sich die Charaktere verständigen (die Sprachausgabe ist vergleichbar mit Simlisch aus „Die Sims“ und ähnlich unverständlich) sind zwar plump, aber humorvoll gelungen. Insbesondere den Ohrwurm-Soundtrack haben wir liebgewonnen, selbst wenn man die Playlist zich mal hintereinander hört. Darüber hinaus bietet der Titel mit knapp 4 Stunden Knobelei nicht allzu viel Inhalt an, was allerdings gemessen am Preis von rund 15 Euro trotzdem noch in Ordnung geht.

Fazit:

Abgedrehter Spielspaß ist mit „Tiny & Big in: Grandpa’s Leftovers Test“ gerantiert. Die kreative Idee, die Levels punktuell zu zerlegen, um an unerreichbare Stellen vorzudringen ist zwar nicht ganz neu, aber noch nicht oft gesehen. Der Plot, die Charaktere und die Aufgaben, die das Spiel bereithält sind allesamt ebenso abgedreht und skurril und halten die vier Stunden bei Stange, auch wenn sich die Knobeleien oftmals in der Herangehensweise wiederholen.

Bewertung:

Gut

Chefredakteur, Inhaber MB Verlag, erster Ansprechpartner und Gründer von Games-Mag