The Last of Us im Test

Zwanzig Jahre sind vergangen, nachdem eine tödliche Pilz-Pandemie fast vollständig die gesamte Weltbevölkerung dahingerafft hat. Die bis dato bekannte Zivilisation ist zusammengebrochen. Wer sich mit den giftigen Pilzsporen infizierte, mutierte zu einem tollwütigen, seelenlosen Zombie auf der Suche nach Nahrung.

Die wenigen nicht Infizierten leben in vom Militär errichteten Quarantänezonen. Ausgangssperren wurden ausgerufen und Nahrungsmittel rationalisiert. Die meisten der noch wenigen Überlebenden nehmen dieses Leben so hin. Wo sollen sie auch hin? Die Welt außerhalb dieser Zone ist voller Infizierter, zerfallenen Ruinen und skrupelloser Banden. Der Mensch ist wieder Bestandteil der Nahrungskette. In einer dieser Sperrzonen innerhalb von Boston lebt Joel. Joel ist ein von früheren Ereignissen gekennzeichneter und wortkarger Endvierziger. Er verdient sein Geld mit Botengängen und kleineren Schmuggelaufträgen.

Eines Tages erhält er den Auftrag die 14 jährige Ellie aus dieser Zone zu einer Widerstandsgruppe mit Namen „Fireflies“ zu bringen. Widerwillig nimmt Joel den Job an und verspricht Ellie sicher durch infiziertes und feindliches Gebiet zu geleiten. Doch dieser Job wird sein bisheriges Leben für immer verändern.

Gegensätze ziehen sich an

Ellie ist ein aufgeschlossenes und cleveres Mädchen. Sie kennt nichts anderes als diese brutale Welt. Doch sie scheint all dies um ihr herum nicht wirklich wahrzunehmen. Sie war noch nie ausserhalb der Sicherheitszone und so ist diese Reise für sie ein grosses Abenteuer.

The Last of Us definiert sich durch die Beziehung der beiden Charaktere. Anfangs ist es für Joel nur ein weiterer Job und Ellie eine Belastung. Doch nach und nach fasst er immer mehr Vertrauen in das quirlige Mädchen, zeigt Emotionen und öffnet sich ihr. Auf ihrer gemeinsamen Reise stellt Ellie immer wieder Fragen über die Zeit vor der Pandemie. Ein wenig genervt von ihrem Wissensdurst versucht Joel ihre Fragen so gut wie es geht zu beantworten. Doch über seine eigene Vergangenheit möchte er nicht sprechen – noch nicht. Herrlich sind Ellie‘s Kommentare, wenn Joel einen Gegner mit einer äußerst brutalen Art und Weise zur Strecke bringt. Mir einem dezenten „Scheiße, was war das denn?“, zeigt Sie ihre Bewunderung. Generell bringt Ellie‘s Art einen immer wieder zum Schmunzeln. So imitiert sie während sie durch ein Gebäude schleichen Lasergeräusche oder holt beim Warten ihr Witzebuch aus der Tasche, um die Situation ein wenig aufzulockern.

Joel und Ellie sind glaubwürdige, echte Charaktere mit Ecken und Kanten. Man nimmt ihnen ihre Gewohnheiten und ihre Geschichten sofort ab. Selten hat man in einem Computerspiel so stark mit den Protagonisten mitgefühlt und mitgelitten. Joel ist kein klassischer Held. Wenn etwas gut lief, war es für ihn nur Glück. Er zelebriert seine Erfolge nicht und ermahnt Ellie hin und wieder mehr aufzupassen. Ellie dagegen ist neugierig und wissbegierig. Ungeahnt aller Gefahren, die hinter jeder Ecke lauern können, bleibt sie fasziniert stehen, schaut sich alles in Ruhe an oder versucht während ihrer Reise das Pfeifen zu lernen, damit sie Joel besser vor Gefahren warnen kann.

Beklemmende düstere Atmosphäre

The Last of Us ist erbarmungslos und brutal.

Angst, Schrecken, Fassungslosigkeit und Schmerz werden gekonnt in Szene gesetzt. Es geht ums nackte Überleben. Hiermit wird man immer wieder konfrontiert.  Dunkle Passagen, in der Fragmente der Umgebung nur mit einer kleinen Taschenlampe ausgeleuchtet werden können, untermalt mit den Geräuschen der immer näher kommenden Feinde im Ohr, lassen den Puls schon einmal höher steigen. Besonders das Geräusch der Clicker, Menschen, die schon länger infiziert und daher blind geworden sind, löst beim Spieler kurze Angstzustände aus. Da sie nichts sehen können, orientieren sie sich in ihrer Umgebung mit Klickgeräuschen. Sobald sie ein Opfer bemerkt haben, greifen sie an. Und ihr Angriff ist tödlich.

Um den Überlebensaspekt noch besser im Gedächtnis des Spielers zu festigen sind Munition und Medipacks ein rares Gut. Wildes Herumgeballere sollte man tunlichst vermeiden. Auch, weil sich Joel’s Lebensenergie nicht automatisch wieder auffüllt, ist The Last of Us eher ein Stealth- als ein Actiongame. Mit Hilfe von gefundenen Materialien kann Joel seine Ausrüstung modifizieren und Bomben oder Molotow-Cocktails herstellen. Erfahrungspunkte in Form von Pillendosen verbessern seine Fähigkeiten. In vielen Situationen scheint man anfangs völlig unterlegen und keinerlei Chance zuhaben. Doch mit einer wohl überlegten Taktik meistert man auch diese Herausforderung. Kommt es zum Kampf, ist Ellie eine große Hilfe. Sie findet für Joel ein bisschen Munition oder wirft ihm ein Medipack zu. Im weiteren Spielverlauf gibt sie ihm Feuerschutz oder befreit ihn aus den Klauen Infizierter. Denn Joel lässt sich von Ellie bequatschen, dass sie doch auch eine Waffe haben sollte.

The Last of Us gönnt dem Spieler aber auch ruhige Momente. Momente der Erholung und der Besinnung. Man kann in Ruhe die grossartigen Kulissen einer zerstörten Welt bewundern, ohne das einem Gegenhorden über den Weg laufen. In diesen Momenten wird auch die Bindung zwischen Joel und Ellie immer weiter gefestigt.

Fazit

Unglaublich was Naughty Dog noch so alles aus der alten PS3 holt. Die Atmosphäre der zerstörten Welt ist atemberaubend und detailverliebt. Die Animationen der Charaktere sind flüssig und nur selten erschienen kleinere Grafikfehler in Form von Popups. Hervorragende Cutscenes lassen einen darüber nachdenken, ob man gerade ein Computerspiel oder doch einen Film vor sich hat. Die Dramaturgie von The Last of Us erinnert generell eher an einen Film als an ein Spiel. Wo man in anderen Titeln seelenlose Charaktere bewegt, leidet man bei bei diesem Spiel förmlich mit. Es lässt den Spieler durch eine filmreife Inszenierung vollkommen in das Geschehen eintauchen.

Die Steuerung wirkt an manchen Stellen ein wenig schwammig. Besonders während hitzigen Gefechten kann es mal hektisch zu gehen, wenn eine neue Waffe benötigt wird. Doch im weiteren Spielverlauf gewöhnt man sich immer mehr daran.

Die KI der Gegner ist gut umgesetzt. Menschliche Feinde orientieren sich eher daran was sie sehen um uns z.B. aus der Deckung zu bewegen oder uns zu überrumpeln. Infizierte preschen sofort auf einen zu oder lauern in dunklen Ecken auf ihr nächstes Opfer. An manchen Stellen ist die KI leider nicht ganz so ausgereift. So kann es passieren, dass zwei Infizierte nebeneinander stehen, Joel den ersten hinterrücks erwürgt, der zweite aber nichts von dieser Aktion mitbekommt und einfach weiter stehen bleibt. Ab und an läuft Ellie einem vor die Füsse oder will sich direkt vor Gegnern verstecken. Diese kleinen Ausrutscher schmälern aber keinesfalls das Gesamtspiel.

Die deutsche Synchronisation wurde perfekt umgesetzt. Die Stimmen passen und wirken in keiner Situation aufgesetzt oder gar falsch ausgewählt. Ein ruhiger, schon fast melancholischer Soundtrack untermauert die bedrückende und packende Atmosphäre.

Wertung: hervorragend!

Marc

Marc

Mitglied der Chefredaktion, Ansprechpartner Publisher
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