The Inpatient bei uns im Test

Mit Until Dawn: Rush of Blood wagte sich Entwickler Supermassive Games bereits im vergangenen Jahr auf Sonys Zusatzhardware PlayStation VR und präsentierte Fans des Horror-Franchise einen Standalone-Ableger im Virtual-Reality-Gewand. Nun geht die britische Spieleschmiede mit The Inpatient in die nächste Runde und zeigt wie ein Prequel zum Grusel-Franchise Until Dawn auf dem VR-Headset aussehen kann. Was euch im Horror-Abenteuer erwartet und wie die Geschichte rund um Mount Washington ihren Anfang nahm, erklären wir euch in unserer Review.

Alles zurück auf Anfang

In The Inpatient verschlägt es euch in die Haut eines namenlosen Patienten der Anstalt Blackwood Pines. Dabei dürft ihr knapp 60 Jahre vor den Geschehnissen von Until Dawn die verfluchte Bergregion besuchen und den Anfängen der verheerenden Katastrophe beiwohnen.

Ähnlich wie im Hauptspiel liegt auch im Prequel der Butterfly Effect im Fokus des Spiels. So stehen euch innerhalb der Geschichte zahlreiche Dialogoptionen zur Verfügung, die den Verlauf der kommenden Spielstunden stark beeinflussen sollen. Supermassive Games schafft es hier erneut eine Illusion von spielerischer Freiheit zu erschaffen, die der in Until Dawn zwar nicht das Wasser reichen kann, aber genügt um einen zweiten Spieldurchlauf hinlänglich zu rechtfertigen. So verbleibt die Geschichte im Kern zwar dieselbe, Personen sowie das eigene Schicksal und deren Verlauf variieren allerdings zufriedenstellend.

In The Inpatient werdet ihr zum Patienten in einer Irrenanstalt.

Eine beunruhigende Atmosphäre erwirkt The Inpatient verstärkt zu Beginn des Abenteuers. Hier greifen einzelne Dialog-Sequenzen mit optionalen Antwortmöglichkeiten und gescripteten Laufpassagen ineinander um euch den Angstschweiß auf der Haut gefrieren zu lassen. Das klappt mit einigen Ausnahmen in der ersten Hälfte des Spiels auch recht gut, verläuft sich im Fortlauf der Story dann allerdings unwiederbringlich. ‘Nette’ Jump Scares glänzen so in der letzten Spielstunde fast vollkommen mit Abwesenheit, während die Atmosphäre ebenso an Dichte verliert, wodurch die zweite Hälfte von The Inpatient mehr einer Walking-Simulation gleicht als einem gekonnten Horror-Abenteuer.

Erzählerisch verliert sich The Inpatient zunehmend in der Falle der individuellen Erzählsystematik. Durch die subjektive Erzählstruktur gelangen nicht jederzeit alle Informationen zum beteiligten Zuschauer, was die Interpretationsmöglichkeiten in einigen Handlungssträngen extrem anhebt. Der VR-Titel agiert nicht immer in einem allgemeingültig verständlichen Rahmen, der hier und da auch mal Until Dawn-Neulinge die Fragezeichen ins Gesicht zeichnen wird.

Die dichte Atmosphäre von The Inpatient nimmt mit dem Verlauf der Spielzeit enorm ab.

Die virtuelle Irrenanstalt

Spielerisch bietet das Abenteuer in den kurzen zwei Spielstunden eher wenig Abwechslung und Tiefgang. Das Spielsystem gibt euch dabei grundsätzlich zwei differente Aufgaben an die Hand. So steht zum einen das Dialogsystem im Vordergrund, bei dem ihr immer wieder die Wahl zwischen zwei Antwortmöglichkeiten erlangt. Das bekannte Telltale-Problem tritt hier eher in den Hintergrund und so bringen Unterhaltungen euch im digitalen Gesprächsverlauf weiter voran und bestimmen euren individuellen Weg anstatt zu ein und demselben Zielpunkt zu führen.

Dabei lässt euch Playstation VR vollständig auf eine ausgeprägte Sprachsteuerung zurückgreifen bei der ihr den ausgewählten Satz lediglich vorlesen müssen um die Wahl zu bestätigen. Ein Element, welches die Immersion immens erhöht. Leider macht die weiterführende Steuerungen einen mehr hakeligen und weniger ausgearbeiteten Eindruck, was aber vor allem der Virtual Reality-Thematik zu Grunde liegt. So steuert ihr den Protagonisten mittels nach vorne gedrücktem Control-Stick während ihr mit dem jeweils anderen die Richtung in diversen vorgegebenen Winkeln beeinflussen könnt. Das Ganze ist zwar gewöhnungsbedürftig, kommt aber vor allem Motion-Sickness-Geplagten zu gute.

Die Interaktionsmöglichkeiten innerhalb der Spielewelt sind leider stark begrenzt.

Walking-Simulator 2.0

Im Laufe der Geschichte könnt ihr außer mit Personen auch mit diversen Gegenständen interagieren. Einige dieser wecken sogar kleine Erinnerungsschübe und zeigen euch bereits vergangene Ereignisse. Leider sind diese Gegenstände in ihrer Anzahl viel zu gering auf die Spielewelt verteilt und lassen sogar in den kurzen Spielstunden das Gefühl von Leere aufkommen. In der zweiten Hälfte von The Inpatient kann der Titel allerdings auch spielerisch nicht mehr allzu stark überzeugen. So verwandelt sich das motivierte Horror-Abenteuer zu einer schwer verdaulichen Walking-Simulation.

Für die limitierte Technik hinter Sonys Zusatzhardware sieht The Inpatient im übrigen erstaunlich gut aus. Leider gehören Kantenflimmern und Gittereffekt auch weiterhin zum Standard-Portfolio von Playstation VR.

64%

The Inpatient beginnt recht vielversprechend um dann schnell in übergreifender Enttäuschung zu münden. Eine teilweise wenig zugängliche Story gepaart mit überschaubaren Interaktionsmöglichkeiten sowie dem Zerfall einiger Spielelemente mit fortschreitender Spielzeit zerren am grundlegenden Spielkonzept. Der erhöhte Wiederspielwert, die hervorragende Sprachsteuerung sowie eine dichte Atmosphäre retten das Horror-Prequel jedoch etwas aus dem Sumpf der Belanglosigkeiten. Leider bleibt mit einem Preis von 40 Euro und der recht überschaubaren Spielzeit ein fragwürdiges Preis-Leistungs Verhältnis zurück, dass sich für VR-Titel leider zu etablieren droht.
Letztendlich ist The Inpatient ein motiviertes Horror-Abenteuer, dass im Laufe der zwei Stunden Spielzeit zu einem schwer-verdaulichen Walking-Simulator mutiert.

  • Grafik 60%
  • Sound 60%
  • Story/Atmosphäre 65%
  • Steuerung 70%