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Star Wars Battlefront 2 bei uns im Test

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Relativ genau zwei Jahre nach Release der ersten Neuauflage schickt EA mit Star Wars Battlefront 2 den nächsten Teil der in der Vergangenheit gefeierten, aber etwas umstrittenen Serie ins Rennen. Der Entwickler hat Verbesserungen versprochen und liefert nun unter anderem eine vollständige Solo-Kampagne. Ist nun alles besser als vorher? Oder doch nur einfache Geldmacherei? Findet dies bei uns im Test heraus.

Stoff für Solo-Abenteurer

Die wohl größte Neuerung des zweiten Teils von Star Wars Battlefront ist die Einzelspielerkampagne, die im ersten Teil noch gefehlt hatte. Ihr schlüpft in die Rolle von Commander Iden Versio, die auf der Seite des Imperiums steht. Sie führt das Inferno Squad an – eine Art kleiner Elite-Trupp, die für schwierige Mission zuständig ist. Ihr Vater, Admiral Versio, trägt ein hohes Amt im System des Imperiums und hat ihm sein Leben voll und ganz verschrieben. Die Kampagne spielt ungefähr zeitgleich mit den Ereignissen aus Episode 6. Ihr seid auf einem Schiff der Rebellen gefangen und befreit euch mithilfe eures kleinen Droiden. Nur wenig später bekommt ihr die Zerstörung des zweiten Todessterns aus der Sicht des Imperiums mit, womit zugleich dessen Niederfall beginnt.

Die Kampagne startet besser als erwartet, vor allem die alternative Perspektive auf bekannte Ereignisse aus den Filmen kommen bei Fans richtig gut an. Leider mündet die Kampagne von einem interessanten Anfang in eine belanglose und kurzweilige Shooterkampagne, wie sie jedes Call of Duty und Battlefield der letzten Jahre geliefert hat. Durch bestimmte Ereignisse, die wir euch hier nicht näher beleuchten, wendet sich Protagonist Iden Versio mit einem kleinen Teil ihres Inferno Squads vom Imperium ab und tritt der Rebellion bei. Von nun an beginnt ein klischeehafter Kampf gegen das Böse, um das Imperium und mit ihm euren eigenen Vater zu stürzen. Zwischendurch schlüpft ihr in die Rolle von den bekannten Helden des Star Wars Universums, wie z.B. Luke Skywalker und Han Solo. Diese haben jedoch oft nur mehr oder weniger etwas mit dem Handlungsstrang zu tun, es kommt einem oft so vor, als wären sie nur eingeworfen worden, um ein wenig Abwechslung zu generieren und die Fans zufrieden zu stellen. Leider wird so viel zu oft die sowieso schon etwas unkreative Geschichte um Iden Versio in den Hintergrund gerückt.

Dafür auch nicht besonders förderlich ist die kurze Spieldauer der Story. In der Zeit ist es schwer, tiefgründige Charaktere mit vertretbaren Motiven in eine interessante Geschichte zu verpacken, und so ein Gesamtpaket zu schnüren, was beim Spieler hängenbleibt. Es ist quasi vorprogrammiert, dass ihr euch nicht einmal die Namen von den neuen Figuren rund um Iden Versio merken könnt, da sie sowieso irrelevant sind, und auch kaum die Anstrengung unternommen wurde, diese Figuren ansatzweise interessant zu gestalten. Es gibt beispielsweise eine Person des Inferno Squads, die sich von euch abwendet und weiterhin dem Imperium treu bleibt. Er entwickelt sich zu einem klischeehaften Antagonisten, dem ihr ab und zu über den Weg läuft, nicht mehr, und nicht weniger. Leider sehr austauschbar und oberflächlich, auch seinen Namen weiß ich nicht mehr. Man verlangt natürlich keine Story a la The Last of Us, die es schafft eine emotionale Verbindung zu den Figuren aufzubauen, die euch Handlungen und Motive nachvollziehen lassen. Aber ein bisschen mehr Kreativität wäre hier nötig gewesen, damit die Geschichte von Iden Versio nicht schon nach 5-6 Stunden in der Versenkung verschwindet und nie wieder auftaucht. Das ist schade, denn der Anfang hatte durchaus Potenzial, welches leider verschenkt wurde.

Umwerfende Atmosphäre

Neben der mauen Story gibt es aber einen Aspekt, der euch die Einzelspielerkampagne an vielen Stellen einfach nur genießen lässt, und auch ein großes Plus in den umfangreichen Mehrspielermodi darstellt. Die Rede ist von der  visuellen Präsentation und der Atmosphäre. Wenn ihr euch mit eurem Einsatztrupp durch die dichten Wälder von Endor kämpft, und dann am Himmel den Anblick des explodierenden Todessterns seht, ist das schon ein Moment, der im Gegenzug zu den flachen Charakteren wirklich hängenbleibt. Für Fans von Star Wars ist es einfach nur atemberaubend, wenn ihr euch so fühlt, als würdet ihr direkt in dem Film mitwirken und Teil dieses Universums sein. Das Bild wird dabei untermauert von den typischen Star Wars-Klängen, die euch alle vertraut und heimisch vorkommen. Dabei ist es egal, ob ihr vor den Blasterschüssen eines AT-ST Deckung sucht, oder ihr im Weltraum versucht, einen hartnäckigen TIE-Jäger abzuschütteln – das sind filmreife Inszenierungen, die euch da geboten werden. Diese lassen euch all die kleinen Makel in der Geschichte vergessen, sodass ihr für die meiste Zeit der recht kurzen Kampagne einfach nur Spaß am Gameplay haben werdet. Die Steuerung ist auch einfacher Shooter-Standard und nichts was der Rede wert wäre, ein paar Spezialfähigkeiten bringen ein wenig Abwechslung. Würde Star Wars Battlefront 2 nicht die Inszenierung eines Star Wars-Titels besitzen, wäre es vermutlich nur ein unbekannter Shooter ohne herausstechende Merkmale. Die packende und umwerfende Atmosphäre lässt euch da schnell ein Auge zudrücken.

Multiplayer und Lootboxen

Das Hauptaugenmerk von Star Wars Battlefront 2 liegt, wie eigentlich bei jedem anderem Shooter auch, auf dem Multiplayer. Dieser ist sehr ähnlich zu dem aus dem Vorgänger, mit noch stärkerem Fokus auf die wichtigen, großen Spielmodi. Der galaktische Angriff ist die überarbeitete Version des Kampfläufer-Angriffs, in dem ihr in riesigen Schlachten bestimmte taktische Ziele einnehmen müsst, um im Kampf voranzukommen. Auch hier fällt besonders die Inszenierung ins Auge, denn die Schlachten könnten 1 zu 1 aus den Filmen stammen: Egal ob die Schneelandschaft aus Hoth, oder die oben genannten dichten Wälder auf Endor, die Maps sind identisch zu dem, was wir Fans auf der Kinoleinwand zu sehen bekommen haben. Hier steckt eine besondere Liebe zum Detail. Star Wars Battlefront 2 gibt es bereits ab 44,99 € im Handel.

Ansonsten sind die Schlachten fast wie gehabt. Ihr wählt zwischen vier Standardklassen, und versucht, immer mehr taktisch wichtige Zonen einzunehmen, um so die gegnerische Partei immer weiter nach hinten zu drängen. Die einzige Änderung ist der Weg, wie ihr die legendären Helden und Bösewichte spielen könnt. Musstet ihr in Battlefront 1 noch Token einsammeln, um temporär in die Rolle von beispielsweise Luke Skywalker oder Darth Vader zu schlüpfen, verdient ihr nun während der Schlacht Punkte, die auf euren Leistungen basieren. Habt ihr genug Punkte gesammelt, könnt ihr nun entweder einen Helden bzw. Schurken, eine spezielle Klasse wie z.B. den Flammenwerfer-Truppler, oder je nach Map ein Raumschiff zur Luftunterstützung spielen. Diese Spezialklassen sind natürlich sehr stark, und bringen individuelle Fähigkeiten mit sich, die eine entscheidende Rolle zum Sieg oder zur Niederlage in der Schlacht beitragen können. Einige Spezialklassen sind bereits von Anfang an verfügbar, andere müsst ihr mit Credits freischalten. Der Preis von Figuren wie Darth Vader und Luke Skywalker wurde nach riesigen Protesten der Spieler deutlich gesenkt und sind nun wesentlich humaner. Was jedoch immer noch ein Problem darstellt, und nicht so einfach ignoriert werden kann, sind die Lootboxen.

Der Entwickler hat sich entschieden, ihre Lootboxen mit spielentscheidenden Karten zu füllen,  im Gegensatz zu den meisten Lootboxen in Games wie Rocket League, Counter Strike oder Overwatch, die nur kosmetische Items anbieten. Wer Lust auf neue Skins, Lackierungen oder Siegerposen hat, der kann sich diese Boxen kaufen. Wer darauf keinen Wert legt, kann sie getrost ignorieren. Dies ist bei Star Wars Battlefront 2 nicht möglich, da die Karten, die zur Individualisierung der Klassen und Spezialeinheiten genutzt werden, Vorteile im Spiel bringen. Seid ihr also daran interessiert, Battlefront 2 ein wenig ernster zu spielen, und nicht jede Runde chancenlos unterlegen zu sein, müsst ihr euch zwangsläufig diese Lootboxen kaufen. Das kam bei vielen Spielern nicht gut an, und auch wir finden, dass sowas nicht in ein Vollpreisspiel gehört. Denn wenn ihr kein Geld für die Boxen ausgeben wollt, müsst ihr Credits sammeln. Und hier folgt auch schon das nächste Problem: Die Credits, die man nach einem Match bekommt, sind festgelegt und haben nichts mit eurem Skill zu tun. Das bedeutet, der Man of the Match bekommt genauso viel wie der deutlich unterlegene Spieler, sofern beide dem Match von Beginn an beigetreten sind. Daher kommt es ausschließlich auf investierte Zeit oder auf euren Geldbeutel an, wie schnell ihr an Lootboxen kommt. Und dann braucht ihr auch noch Glück, um in den Lootboxen die guten Karten zu ziehen. Ein fragwürdiges System, welches irgendwie verfehlt, den motivierten Spieler für seine Leistungen zu belohnen. Der Beigeschmack der zusätzlichen Abzocke bei einem Spiel, für das ihr vorher schon 70 Euro bezahlt hat, will einfach nicht verschwinden.

Etwas Abwechslung

Eine der wenigen Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger kommt mit dem Spielmodus Sternenjäger-Angriff. Dies ist quasi eine Erweiterung der klassischen Raumschiffschlachten um verschiedene taktische Missionsziele, sehr ähnlich zu dem Galaktischen Angriff-Modus. Dadurch bekommen die vorher ein wenig stumpfen Schlachten in der Luft wieder frischen Wind. Oftmals müsst ihr eure Attacken auf die Schilde fokussieren, um anschließend Schaden an wichtigen Raumschiffen oder Frachtern anzurichten. Genauso wie in den anderen Spielmodi sammelt ihr hier während der Schlacht Punkte, um anschließend stärkere Raumschiffe auszuwählen, unter anderem den legendären Falken von Han Solo. Optik und Sound sind im Sternenjäger-Angriff noch einen Tick stärker als bei den Bodenschlachten, denn wer steigt zwischendurch nicht gerne in einen X-Wing und schlägt das Imperium zurück? Wenig Langzeitmotivation, bringt aber kurzweilig sehr viel Spaß mit sich. Dies lässt sich auch über den Helden gegen Schurken-Modus sagen, wo ihr ausschließlich in die Rolle der legendären Figuren aus Star Wars schlüpft und euch in einem 4 gegen 4 Team-Deathmatch gegenübersteht.

 

 

81%

Star Wars Battlefront 2 ist leider nur was für echte Fans, die über dubiose Pay-to-Win Strategien, eine wenig beindruckende Story sowie Standard-Shooterkost hinwegsehen können. Diese werden dafür mit filmreifen Inszenierungen, einer grandiosen Grafik, bombastischem Sound und dem einzig wahren Star Wars-Feeling belohnt.

  • Grafik 92%
  • Sound 91%
  • Steuerung 80%
  • Umfang 71%
  • Story 72%

Fifa-Profi, Dark Souls-Champion, Pokemonmeister