Yesterday Origins bei uns im Test

Das neue Werk der Adventure-Virtuosen von Pendulo erzählt die spannende Geschichte des geheimnisvollen John Yesterday und seiner Partnerin Pauline in einer Reise rund um den Globus und durch die Geschichte weiter. Wir haben uns das düstere und surreale Comic-Adventure auf der PS4 angeschaut und verraten Euch, warum Yesterday Origins ein solides Adventure für alle Liebhaber dieses Genre ist.

Wir leben in einer Welt voller Narren

Da sitzen wir nun, Miguel de Castro, Sohn des Fürsten von Fuentenera, angekettet in einer modrigen Zelle zur Zeiten der spanischen Inquisition. Uns wird vorgeworfen der Sohn des Teufels zu sein. Warum wissen wir nicht wirklich. Jemand hat erzählt, wir können jede fremde Sprache lesen, schreiben und sprechen. Diese Anschuldigung reicht aus, um uns der Hexerei zu beschuldigen und in den Kerker zu werfen. Die Inquisition war ein glorreicher Wahnsinn in einer Zeit voller Aberglaube, in der jeder für die noch so kleine Andersartigkeit verurteilt wurde. So wundert es uns nicht, dass unser Zellengenosse ein wilder Eber ist, der im Blutrausch seinen Besitzer tötete. Dem armen Schwein wird zur Last gelegt, vom Teufel besessen zu sein und wartet nun mit uns auf seine Folter. Zum Glück frönt der Folterknecht zuerst lieber Neigung für Bier und gibt uns somit etwas Zeit einen Fluchtplan zu entwicklen. Obwohl unsere Lage zunächst hoffnungslos aussieht, erhalten wir Hilfe eines mysteriösem Ordens, namens Minoriten des heiligen Franziskus. Diese Hilfe ist natürlich nicht ganz kostenlos. Der Hohepriester des Ordens glaubt mit unserem Können endlich die verschiedensten, obskuren Schriften zu verstehen. An einem bestimmten Punkt, durchlaufen wir eine alchemistische Transformation, die uns unsterblich macht. So wandern wir nun seit über 500 Jahren durch alle Zeitepochen bis zum hier und jetzt.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Sicherlich könnte man meinen, dass Unsterblichkeit eine schöne Sache ist – besonders, wenn unsere Partnerin dies auch ist. Jedoch hat unsere Partnerin Pauline eine etwas fortschrittlichere Transformation durchlebt. Jedesmal, wenn John stirbt, ist sein Körper in dem Zustand nach seinem ersten Tod, nur dass er sein Gedächtnis verloren hat. Bei Pauline wurde dieses kleine Manko aufgehoben. Sie kann sich nach ihrem Tod an alles erinnern. So lässt Yesterday Origins die beiden unsterblichen Helden durch die Welt und die Zeit reisen, auf der Suche nach einer speziellen Münze, um das Geheimnis von Johns Transformation zu erfahren und diese zu wiederholen. Natürlich sind uns bereits eine Menge zwielichtiger Gestalten auf den Fersen, die haben ganz andere Pläne für John und die Münze haben. So knobeln wir uns in gut acht Stunden durch zwei Zeitalter und mehr als 50 unterschiedlichen Szenen. Immer wieder springen wir durch Flashbacks in Johns Vergangenheit, um weitere Hinweise zu erhalten. Damit diese Zeitsprünge den Verlauf der Story nicht zerschneiden, ist jeder Trip in die Vergangenheit mit einem Ereignis oder einem Puzzle in der Gegenwart verknüpft. Die Geschichte ist ein spannender Mix aus Mystery, Thriller und Detektiv-Story, die den Spieler an den Monitor fesselt. Die Charaktere des Spiels sind alle liebevoll gestaltet und kommen immer wieder mit nicht vorhersehbaren Twists um die Ecke, was den besonderen Charme des Spiels ausmacht. Jedoch wollen die Macher von Yesterday Origins manchmal ein wenig zu viel, so dass sie sich in einigen Storyabschnitten scheinbar nicht genau entscheiden konnten, ob sie lieber ein düsteres Drama oder eine Soap-Opera inszenieren wollten.

Der schwarze Humor, ein Markenzeichen aller Pendulo Adventures, kommt auch diesmal nicht zu kurz. Viele Passagen zaubern uns immer wieder ein hämisches Grinsen in unser Gesicht. Besonders der erste Aufritt von Pauline, die ihre ganz eigene Methode gegen Falten im Gesicht hat, ist ein großartiger Einstieg in ihre eigene Geschichte.

Immer diese Entscheidungen

Yesterday Origins ist ein klassisches Point-and-Click Adventure mit Inventar- und Dialogrätseln, indem wir im Fortgang der Story immer wieder zwischen John und Pauline hin- und herswitchen. Hotspots zeigen uns an, welche Gegenstände in der jeweiligen Szene interessant erscheinen und näher betrachtet werden sollten. Markieren wir einen dieser Hotspots, zoomt die Kamera in diesen hinein und wir haben die Möglichkeit ihn mittels rechtem Analogstick genauer zu betrachten. Dieser herangegzoomte Hotspot kann wieder weitere interessante Entdeckungen beinhalten. In guter alter Adventure-Manier kombinieren wir unterschiedliche Gegenstände aus dem Inventar, entweder miteinander oder mit unserer Umgebung. Hier nimmt es das Spiel nicht immer so wichtig mit der Logik. Einige Kombinationen sind so verworren, dass wir sie erst herausfinden, indem wir alle Gegenstände irgendwie miteinander kombinieren.

Was Yesterday Origins von den meisten anderen klassischen Adventures unterscheidet, ist die Kombination von Gegenständen mit Hinweisen aus Gesprächen oder Erkenntnissen. So wissen wir zu Beginn unserer Gefangenschaft, dass wir einen Trinkbecher mit einer giftigen Kröte, deren Sekret starke Halluzinationen auslöst, benutzen können. Aber warum sollten wir das machen? Durch mehrere Gespräche mit unserem argwöhnischen Folterknecht erfahren wir, dass dieser weder an Gott noch den Teufel glaubt. Für ihn ist die Inquisition nichts weiter als ein Arbeitgeber. Also, werden wir ihm einen diabolischen Trip bescheren und so unsere Flucht in die Wege leiten.

In Sachen Präsentation kann Yesterday Origins klar punkten. Das Spiel bietet einen schönen und fliessenden Mix aus 3D-Charkteren vor handgemalten Hintergründen, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden. Der Sound passt sich den Storyelementen an und wirkt niemals unpassend. Lediglich die Sprachausgabe passt nicht immer zu den Bewegungen der einzelnen Charaktere. Apropos Sprachausgabe, Yesterday Origins kann entweder in englischer oder französischer Sprache mit deutschen Untertiteln gespielt werden.

Fazit

Mit Yesterday Origins wird Pendulo sicherlich keine neuen Fans einfangen, da alles irgendwie schon einmal in einem anderen Adventure vorkam. Jedoch können Fans klassischer Point-and-Click Adventures bedenkenlos zugreifen. Sie erhalten ein solides Adventure mit einer spannenden Story, skurrilen Charakteren und einer ordentlichen Prise schwarzen Humor.

Unsere Wertung
80%